Susanne Haus

In der Brust von Handwerkskammer-Präsidentin Susanne Haus schlagen derzeit zwei Herzen. Eines davon warnt vor den Gefahren durch Corona, das andere gehört den Existenzängsten in Hessens Handwerksbetrieben.

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Susanne Haus hat Glück gehabt. Also rein aus beruflicher Sicht. Haus ist Maler- und Lackiermeisterin und hat einen eigenen Betrieb in Bischofsheim im Kreis Groß-Gerau. Von der Corona-Pandemie ist ihre Branche bisher nicht sonderlich betroffen. "Ich schätze mich sehr, sehr glücklich", gesteht Haus bei hr-iNFO Das Interview, auch wenn sie befürchtet, dass mit etwas Verzögerung auch bei ihr die Aufträge weniger werden könnten.

Andere Betriebe in der Handwerksbranche kämpfen aktuell schon um ihre Existenz. Haus muss das wissen. Sie ist seit knapp drei Monaten die erste Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. "Wir haben in unserem Service-Center viele Anrufe von Friseuren gehabt. Da ist natürlich viel Druck auf dem Kessel und da sind Emotionen mit im Spiel. Das merken wir sehr, sehr stark", weiß sie zu berichten.

Je länger die Betriebe zu sind, desto schwerer wird es, sie wieder aufzubekommen. Es fehlt schlicht und einfach am Geld. "Die Hilfen sind noch nicht da. Die Überbrückungshilfe III kann erst seit kurzem beantragt werden. Aber ich muss ja weiter Miete zahlen, ich muss Kurzarbeitergeld vorfinanzieren. Und dazu muss ich liquide sein", erklärt die Handwerkskammer-Präsidentin.

Keine Einnahmen, keine Miete

Während viele Vermieter den Gewerbetreibenden im ersten Lockdown noch sehr entgegenkommen seien, habe sich das inzwischen geändert. Auch die Vermieter müssten schließlich ihre Rechnungen bezahlen. Susanne Haus kann das durchaus verstehen, aber wenn die Friseure nicht frisieren dürfen, generieren sie eben keine Einnahmen, um die Miete zu bezahlen. "Und wenn ich die Kosten nicht stemmen kann, dann muss ich in die Insolvenz gehen. Da habe ich ja gar keine Möglichkeit", schlussfolgert sie. Es sei in dieser Hinsicht also eine gute Sache, dass ab dem 1. März in Deutschland wieder Haare geschnitten werden dürfen. Ob es die "beste Lösung" ist, vermag Haus nicht zu sagen.

"In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Wenn wir zu früh öffnen, und wir können die Mutationen ja noch nicht so richtig einschätzen, wie sich das entwickelt - und wenn sich das wieder exponentiell verstärkt, stehen wir wieder vor einem Lockdown." Das wolle schließlich auch niemand. Auf der anderen Seite liege eben die lokale Wirtschaft vielerorts am Boden.

"Ich bin froh, dass ich nicht Entscheidungsträgerin bin. Das sind einfach unglaublich schwere Entscheidungen, die zu treffen sind", so Haus. Eines weiß sie aber mit Sicherheit: Die Handwerkskammer wird den Betrieben in jedem Fall weiter so gut wie möglich beratend zur Seite stehen.

Das Gespräch führte Mariela Milkowa.

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