Hannes Jaenicke
Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke Bild © picture-alliance/dpa

Seit langem engagiert sich Schauspieler Hannes Jaenicke für den Tier- und Umweltschutz. Dabei ist er in den vergangenen Jahren immer mehr zum Klimaschutz-Aktivisten geworden. In seinem neuesten Doku-Film berichtet er über das Aussterben heimischer Vögel.

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Er wirkt freundlich und gelassen, spricht mit leiser Stimme. Doch wenn es um die Klimapolitik der Bundesregierung geht, kann Hannes Jaenicke wütend werden und ordentlich austeilen: "Deutschland war ja relativ weit vorne, was Umweltschutz betrifft. Wir sind mittlerweile ins hinterste Mittelfeld gerutscht", kritisiert er. "Und Angela Merkel stellt sich allen Ernstes hin und beklatscht die Fridays-for-Future-Bewegung, sagt, das findet sie toll, dass die Schüler auf die Straßen gehen und gleichzeitig scheitert sie selbst mit ihrer Regierung kläglichst an den selbst gesteckten Klima-Zielen, nämlich dem Pariser Klima-Abkommen."

Er sei schon immer politisch gewesen, erzählt Jaenicke, der übrigens ein bekennender Inforadio-Hörer ist und immer hr-iNFO hört, wenn er in Hessen ist. Schon als Teenager wurde er Mitglied bei Greenpeace und Umweltaktivist. Heute weiß der erfolgreiche Schauspieler seine Popularität zu nutzen: als Buchautor, als Mitorganisator von Anti-Plastik-Demos und als Doku-Filmer. In seiner Reihe für das ZDF berichtet Jaenicke seit 2006 über aussterbende Tierarten weltweit und den Raubbau an der Natur. Man kauft ihm ab, dass er es ernst meint mit seinem Umwelt-Engagement – obwohl er auch immer wieder Kritik einstecken muss für seine Vielfliegerei.

In Deutschland ist es still geworden

"Meine Flugbilanz ist miserabel", gesteht Jaenicke, aber er müsse halt beruflich viel fliegen. Das versuche er zu kompensieren, "dadurch, dass ich den CO2-Ausgleich mache, da gibt es mehrere Organisationen wie zum Beispiel atmosfair.de. Oder ich finanziere direkt Wiederaufforstungsorganisationen, die  in Indonesien, Malaysia den abgerodeten Regenwald wieder aufforsten. Das ist mein kleiner Obolus, weil ich natürlich weiß, dass ich zu viel fliege." Der Umweltaktivist ist aber überzeugt, dass er mit seinen Filmen etwas bewegen – andere wachrütteln kann. Das beste Beispiel seien gestrandete Wale voller Plastik oder die Meeresschildkröte, der ein Strohhalm aus der Nase heraus operiert werden musste. "Die Bilder haben ja ne irre Macht. Und ich gehe einfach davon aus, dass Leute, die unsere Filme gucken, dass die nachdenken danach."

Sein neuer Doku-Film fürs ZDF "Im Einsatz für Vögel" spielt direkt vor unserer Haustür. Jaenicke beschäftigt sich darin mit dem Aussterben heimischer Vogelarten. "Wir haben genau das gleiche Artensterben, das in Afrika, Asien und weltweit herrscht", sagt der 1960 in Frankfurt geborene Schauspieler. "Und ich wollte einfach dieses Thema bedienen auch weil ich als Junge aufgewachsen bin mit echt lautem Vogelgezwitscher morgens. Und es ist in Deutschland echt still geworden. Wir haben mittlerweile 60 Prozent unseres Vogelbestands verloren."

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25 Millionen Zugvögel werden getötet

Besonders bedroht sind Feldvögel, wie Kiebitz, Rebhuhn und Feldlerche. Durch die intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden verlieren sie ihren Lebensraum und ihre Nahrung, die Insekten. Jaenicke will mit dem Film zeigen, dass jeder etwas dagegen tun kann. Der Steingarten sei in Deutschland schwer in Mode gekommen, kritisiert der Schauspieler. Der biete aber keinen Rückzugsort für Vögel. "Wir brauchen Wildblumen, wilde Wiesen, es müssen Kräutergärten angelegt werden", sagt er. Denn damit fahre man automatisch den Insektenbestand wieder hoch und sorge dafür, dass dann auch die Vogelpopulation wieder zunehme.

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TV-Tipp

Die Dokumentation "Hannes Jaenicke – Im Einsatz für Vögel" läuft am 15. August im ZDF (22.35 Uhr).

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Bei seinem Einsatz für Vögel hat Hannes Jaenicke auch in Zypern gefilmt, wie Zugvögel illegal mit Netzen oder, noch perfider, mit Leimfallen gefangen werden, weil sie dort als Delikatessen gelten, für die Kunden viel Geld zahlen. Nach vorsichtigen Schätzungen werden in Ländern um das Mittelmeer jedes Jahr rund 25 Millionen Zugvögel illegal getötet.

Klage an die Politik

Ende 2018 hat Hannes Jaenicke zusammen mit zehn anderen Bürgern und Umweltorganisationen wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beim Bundesverfassungsgericht eine Klage eingereicht wegen der angeblich unzureichenden Klimapolitik der Bundesregierung. Jaenickes Ziel: "Dass sie in die Puschen kommen, ganz einfach! Wo bleibt eine CO2 Steuer? Wo bleibt die Plastiksteuer? Wo bleibt das Plastiktüten-Verbot? Wo bleibt der Kohleausstieg – der soll 2038 kommen, meint ihr das wirklich ernst?", fragt Jaenicke provokativ.

Die Politik sei träge, ärgert er sich. Die Hoffnung bei dieser Klage sei, dass die Bundesregierung sich dazu äußere, was sie gegen die Klimakrise und das Artensterben tun wolle. Ob die Klage in Karlsruhe zugelassen wird, ist ungewiss, aber Hannes Jaenicke will auf jeden Fall weitermachen. Auf die Frage, ob es ihn nicht reizen würde, selbst in die Politik zu gehen, um Dinge zu verändern, winkt er ab: „Ich bin bei den Grünen Parteimitglied, mache auch sehr gezielt Wahlkampf für gewisse Kandidaten. Aber ich glaube einfach, dass ich mit meinen Filmen mehr bewegen kann, als wenn ich mich in einem Parteiapparat verschleiße.“

Sendung: hr-iNFO, 28.06.2019, 18.35 Uhr

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