Hans-Joachim Heist

Hans-Joachim Heist gibt in der Satiresendung "heute-show" den Choleriker Gernot Hassknecht. Der Schauspieler und Parodist wohnt im südhessischen Pfungstadt und war dort bis vor einigen Jahren SPD-Stadtverordneter. Noch immer beobachtet er das aktuelle Geschehen genau - auch die Situation der Geflüchteten in der Kommune.

Er ist der einzige Mensch, von dem ich mich manchmal gerne anschreien lasse: Hans Joachim Heist alias Gernot Hassknecht. Die Rolle des Giftzwergs aus der ZDF heute-show hat den Schauspieler berühmt gemacht, derzeit ist er mit seinem neuen Bühnenprogramm "Hassknecht 2" in ganz Deutschland unterwegs. Zu Hause aber ist er im südhessischen Pfungstadt, er wohnt in einem bürgerlichen Stadtteil mit idyllischen Straßennamen - ausgerechnet der Hassknecht der Nation!

Wie das wohl ist, mit Hans Joachim Heist - dem Hassknecht - ein Interview aufzuzeichnen? Muss ich sehr vorsichtig fragen? Aber es ist ja nur eine Rolle, die Heist spielt. In der heute-show und auf der Bühne. Die Figur wurde von Oliver Welke und seinem Team entwickelt, sie schreiben auch die Texte. Heist ist der Interpret, er wurde 2009 für die Rolle gecasted. Auf ihn aufmerksam geworden sind die heute-show-Macher durch einen kleinen Videoclip, in dem sich Heist als ein Familienvater übers Essen aufregt – gedreht im heimischen Wohnzimmer, genau da, wo ich ihn treffe.


'Neue Rechte' ist wie die 'alte Rechte' - nur mit Internet

Als ich durch den sehr ordentlichen Vorgarten zur Eingangstür gehe, erwartet mich ein freundlicher kleiner Herr und lächelt. Es ist kein Problem, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ich zeige Heist einen Zeitungsausschnitt, in dem er als der wütende Bruder von Martin Schulz bezeichnet wird. Er lacht, die Nähe zum SPD–Hoffnungsträger kann er ab. Schließlich war er bis 2011 sozialdemokratischer Stadtverordneter in Pfungstadt.

Und auch wenn er inzwischen durch ganz Deutschland tourt und oft weg ist: Was sich in seiner Heimatgemeinde tut, bekommt er mit. Auch, dass Ende Januar eine Flüchtlingsunterkunft mit fremdenfeindlichen Parolen beschmiert wurde. "Da habe ich große Sorgen", sagt Heist. "Wir sind ja hier mehr oder weniger auf dem Land und in Pfungstadt sind die Rechten ja nie so hervorgetreten, deshalb wundert mich das sehr." Heist ist ein politischer Mensch, der gerne klar Stellung bezieht, auch gegen rechts: "Der Begriff 'neue Rechte' ist falsch. Die neue Rechte ist genauso die Rechte wie die alte Rechte auch - nur mit Internet, wo man sich dann gegenseitig sein Weltbild bestätigt", meint er.

Der Schalk ist ihm näher als der Schreihals

Mich interessiert, wo er die Grenzen sieht zwischen Politik und Satire. Bedient sich ein pöbelnder Hassknecht nicht einer ähnlichen Rhetorik wie Donald Trump oder die rechten Populisten in Deutschland? Laut, verkürzt und ein bisschen unkorrekt? "Politik und Satire unterscheiden sich, weil Satire mehr darf als Politik", sagt Heist. "Politik muss natürlich korrekt und sachlich bezogen sein. Satire darf überspitzen und auch mal unsachlich sein. Und es muss weh tun!" Zumindest immer dann, wenn es der Hassknecht ist.

Ich erlebe im heimatlichen Wohnzimmer in Pfungstadt, wie Heist in Sekundenschnelle von Null auf 180 kommt und sich mit rotem Kopf über die deutschen Autofahrer aufregt. Direkt danach ist er wieder der freundliche kleine Mann, der erzählt, dass ihm seine andere große Rolle - die des legendären Komikers Heinz Erhardt - eigentlich viel näher ist: Er sei nämlich eher der mit dem Schalk im Nacken als der Schreihals.

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