In Corona-Zeiten ist die Politik wie nie zuvor auf den Rat der Wissenschaft angewiesen. Einer der bekanntesten Virologen des Landes ist Professor Hendrik Streeck, der auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet berät. Kritiker werfen Streeck vor, die Corona-Pandemie auf die leichte Schulter zu nehmen.

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Der Virologe Hendrik Streeck
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Schon als Kind hat er komponiert, Cello und Saxophon gelernt. Eigentlich wollte Hendrik Streeck Filmmusik-Komponist werden. Doch das Musikstudium brachte ihn diesem Ziel nicht näher und so stieg er um auf Medizin. Dass er sich für die Virologie entschied, hat auch mit einem Film zu tun: "Outbreak - Lautlose Killer", dieser Film aus den Neunzigerjahren hat Streeck nachhaltig beeindruckt. Dustin Hoffman spielt hier einen Virologen, der den Kampf mit einem tödlichen Virus aufnimmt.

Ein Vierteljahrhundert nach diesem Kino-Erlebnis hat Streeck gerade den Direktorenposten am Institut für Virologie der Uniklink Bonn übernommen, als ein neues Coronavirus aus China seine Reise um die Welt antritt. Das nordrhein-westfälische Gangelt wird nach einer Karnevalssitzung zu einem der ersten Corona-Hotspots in Deutschland. Streeck und sein Team fahren kurzentschlossen hin, er selbst fühlt sich an den Film erinnert: "Die romantische Vorstellung vom Forscher, der reingeht in den Hotspot, das ist natürlich was Schönes, was den Beruf auch ausmacht", sagt Streeck. "Als wir nach Gangelt reinfuhren, dachte ich, ich muss mir 'Outbreak' noch mal anschauen."

"Blauäugig und naiv"

Seine Forschungen im Kreis Heinsberg machen Streeck schnell zu einem der bekanntesten Virologen des Landes. Als erster beschreibt er das typische Symptom des Geruch- und Geschmacksverlustes, das bei Covid-19-Erkrankungen häufig auftritt. Als Berater von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnt Streeck zugleich vor übertriebenen Ängsten und allzu scharfen Lockdown-Maßnahmen.

Die politische Brisanz seiner Rolle habe er anfangs unterschätzt, sagt Streeck heute. "Blauäugig und naiv" im Umgang mit Medien und Politik sei er damals gewesen. Auch fachliche Irrtümer räumt er ein. So habe er Sars-Cov-2 am Anfang für nicht gefährlicher als eine Grippe gehalten und die Wirksamkeit von Masken unterschätzt. Aber, so Streeck: "Als Wissenschaftler gehört der Irrtum dazu."

Streeck zeigt sich im Interview offen selbstkritisch, wehrt sich aber auch gegen Unterstellungen und Verleumdungen. Dass seine Thesen im Netz unter dem Hashtag #sterbenmitstreeck kommentiert wurden, habe ihn verletzt. Auch ihm gehe es selbstverständlich darum, Todesopfer zu vermeiden. Gleichzeitig müsse die Gesellschaft aber lernen, "mit dem Virus zu leben".

Öffnung an Hygiene-Konzepte binden

Streeck findet es richtig, dass Bund und Länder jetzt konkrete Öffnungsschritte planen und Tests für alle zur Verfügung stellen wollen. Die Öffnungen müssten aber an konkrete Hygiene-Konzepte geknüpft werden. "Die, die einen Schelltest am Eingang anbieten, wo man Abstand halten kann und wo es eine Terminvergabe gibt, da könnte man zuerst öffnen" - und zwar unabhängig von der Branche.

Bei der Umsetzung solcher Hygienemaßnahmen könne man "die Bürger aktiv miteinbeziehen und ihnen Tools geben", um aktiv mitzuarbeiten an der Bekämpfung der Pandemie. "Wir dürfen nicht anfangen, dass wir unser Leben durch Viren, Bakterien und Parasiten bestimmen lassen." Davon ist Hendrik Streeck überzeugt.

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Buch-Tipp

Hendrik Streeck: "Hotspot: Leben mit dem neuen Corona-Virus", Piper, 192 S., 18 €,

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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 10.3.2021, 19.35 Uhr

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