Eine Tankstelle in Schwerin
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Der Ölpreis ist zuletzt deutlich gestiegen. Das merken sowohl Autofahrer an der Tankstelle, als auch Unternehmen. Doch woran liegt das?

Tanken ist inzwischen wieder zu einer teuren Angelegenheit geworden. Überall in Deutschland haben die Preise zum Ärger der Autofahrer kräftig angezogen. Dabei hat sich der Anstieg in den letzten Monaten bereits angedeutet. Denn die Spritpreise hängen natürlich mit dem Ölpreis zusammen. Der hat sich seit Jahresbeginn um 16 Prozent erhöht. Der Grund dafür liegt laut Alexander von Gersdorff, dem Sprecher des Verbandes der Mineralölwirtschaft, vor allem im Handeln der Organisation erdölexportierender Länder.

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"Die OPEC hat schon vor anderthalb Jahren beschlossen, eine Förderobergrenze einzuziehen. Das heißt, nicht mehr so viel Öl zu fördern und zu verkaufen, wie auf dem Weltmarkt benötigt wird, sondern etwas weniger", erklärt von Gersdorff. Nach den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage bedeute das natürlich, dass der Ölpreis stetig gestiegen ist. Denn auch die Ölnachfrage weltweit sei im vergangenen Jahr gestiegen und steige in diesem Jahr weiter, sagt der Sprecher.

Wettbewerb und Schwankungen

Dazu kommen hohe krisenbedingte Produktionsausfälle in Venezuela, dem erdölreichsten Land der Erde. Dass Rußland auch die Fördergrenze der OPEC einhält, die steigende Nachfrage und schließlich Trumps Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran. Der Golfstaat könnte als künftiger Lieferant von Öl ausfallen. Aber es gibt auch hausgemachte Gründe für hohe Spritpreise: Die Tankstellenkonzerne machen sich die genannten Entwicklungen dabei zunutze. Denn die Preis-Schwankungen sind jetzt besonders groß.

"Wir haben seit drei Jahren die Markttransparenzstelle. Und das bedeutet, dass alle Preise brandaktuell im Internet oder auf Apps sichtbar sind und jeder Kunde genau gucken kann, wo in der Gegend es denn am billigsten ist. Das hat zu einem nochmal verschärften Preiswettbewerb geführt und auch zu diesen hohen Preisschwankungen", sagt von Gersdorff.

Marktbewegungen beobachten

Von den hohen Ölpreisen sind auch Firmen betroffen, die viel Treibstoff verbrauchen, wie zum Beispiel in der Luftfahrt. Airlines versuchen deswegen Schwankungen beim Ölpreis auszugleichen, denn die Treibstoffkosten machen einen großen Teil der Ausgaben aus. Eine Boeing 747, zum Beispiel, hat einen Tank mit mehr als 200.000 Litern. Da werden dann etwa 150.000 Euro für die Betankung fällig. In der gesamten Lufthansagruppe beispielsweise kommen so im Jahr Treibstoffkosten von mehr als 5,5 Milliarden Euro zusammen. Diese Unternehmen versuchen Schwankungen, vor allem Anstiege beim Ölpreis, über das Termingeschäft abzufedern. So kann Lufthansa sich das Recht auf zum Beispiel 40.000 Tonnen Kerosin zum Preis von heute als Papiergeschäft sichern und es zu einem späteren Zeitpunkt einlösen, wenn im Idealfall der Preis zum Stichtag höher oder gleich hoch ist.

Den Autofahrern rät von Gersdorff die Marktbewegungen zu beobachten und dann zu tanken, wenn es günstig ist. Etwa in den Abendstunden. Eine Strategie, die manche Autofahrer auch schon verfolgen. Einige Experten befürchten, daß es jetzt zu Pfingsten und dann im Sommer noch teurer wird. Aber: "Es gibt auch Gegenfaktoren. So steigt in den USA die Schieferölproduktion bei den hohen Preisen dramatisch an und das könnte in Zukunft für eine gewisse Entlastung auf dem Weltölmarkt sorgen. Also es ist keineswegs ausgemacht, dass die Ölpreiskurve jetzt immer weiter nach oben geht. Genaueres wissen wir aber erst in einigen Wochen und Monaten", so von Gersdorff.

Sendung: hr-iNFO, 16.5., 14:10 Uhr

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