Hubert Kleinert auf dem Grünen-Parteitag in Bremen 1995.
Hubert Kleinert auf dem Grünen-Parteitag in Bremen 1995. Bild © picture-alliance/dpa

Hubert Kleinert hat die Grünen in den 1980er-Jahren mitbegründet. Heute beobachtet der Politikwissenschaftler die Partie eher aus der Distanz. Sein Urteil: Die Grünen seien "freundlicher" geworden.

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Nein, gestrickt hat Hubert Kleinert früher nicht. Darauf legt der heute 64-Jährige Wert. Wohlwissend, dass die Bilder von strickenden Frauen und auch Männern schnell in Erinnerung kommen, wenn man an die Grünen der 80er-Jahre denkt. Hubert Kleinert war einer der ersten grünen Bundesabgeordneten und gehörte damit 1983 zu jenem bunten Haufen, der das politische Establishment in Bonn aufmischen wollte. Mit ganz neuen Regeln: So mussten grüne Bundestagsabgeordnete wie er damals noch "rotieren", das heißt, ihr Mandat nach in der Regel zwei Jahren wieder abgeben.

35 Jahre ist das her. Mittlerweile betrachtet Kleinert, der nach eigenen Worten immer noch Mitgliedsbeiträge zahlt, seine Partei aus der wissenschaftlichen Distanz. Die Grünen bezeichnet er als "Studienobjekt". Kleinert ist heute Professor an der Hochschule für Polizei und Verwaltung, Politikwissenschaft sein Metier. Und diesen Forscherblick richtet er auf die Grünen von heute. 

Keine klassische Volkspartei

Diese sind in der Mitte der Gesellschaft voll angekommen, das beweisen nicht zuletzt die Wahlerfolge in Bayern und Hessen. "Die Gesellschaft ist grüner geworden", sagt Kleinert. Grüne Themen seien stärker in die gesellschaftliche Mitte gerückt. Außerdem führt er die Erfolge auf das Führungspersonal zurück, das un-ideologisch, pragmatisch, ja "freundlich" daherkomme. Den Grünen komme auch mehr politische Verantwortung zu in einer Zeit, in der es den Volksparteien so schlecht gehe. Allerdings glaube er nicht, dass die Grüne Partei selbst zu einer Volkspartei im klassischen Sinne werden könne.

Den Grünen von heute empfiehlt der Politikwissenschaftler mehr Profil beim Thema "Innere Sicherheit". Außerdem gehöre Sozialpolitik zu wenig zum Markenkern der Partei. Er habe den Grünen keine Ratschläge zu geben, sagt Kleinert, aber er halte es für naheliegend, wenn die Grünen in Hessen das Sozialministerium beanspruchen.

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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 02.11.2018, 19.35 Uhr

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