Miku Sophie Kühmel

Miku Sophie Kühmel hat es mit ihrem Debütroman "Kintsugi" gleich auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Mit der einhergehenden Aufmerksamkeit muss die 27-Jährige noch umzugehen lernen.

Die Autorin Miku Sophie Kühmel hat mit gerade mal 27 Jahren ihren Debütroman "Kintsugi" vorgelegt. Und sie ist damit sofort durchgestartet. Das Buch hat den Jürgen-Ponto-Preis bekommen, den aspekte-Literaturpreis und ist in die Endrunde zum Deutschen Buchpreis gekommen. Ein riesiger Erfolg für die Newcomerin, die aus Gotha stammt und in Berlin lebt.

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Autorin Miku Sophie Kühmel mit hr-iNFO-Redakteurin Juliane Orth
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Kühmel wollte schon als Kind Schriftstellerin werden und erlebt gerade, wie dieser Traum in Erfüllung geht. Vieles habe sie sich schon oft so vorgestellt, aber dass es nun tatsächlich passiere, fühle sich auch immer wieder "surreal" an. Und manchmal auch "eher traumatisch als traumhaft". Das Leben von Miku Sophie Kühmel ist im Umbruch, es passiert ständig Neues: Autorenlesungen, Interviews, geballte Aufmerksamkeit, Druck. Sie müsse noch lernen, damit umzugehen.

Die Brüche zelebrieren

Umbrüche, Aufbrüche und Brüche an sich sind auch das zentrale Thema des Romans. Das zeigt sich schon im Titel ihres Debüts. Kintsugi ist ein traditionelles japanisches Kunsthandwerk, wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff "mit Gold zusammensetzen". Dabei wird wertvolles zerbrochenes Porzellan mit Harz aus japanischen Kiefern gekittet und mit Gold veredelt. Die Brüche werden somit nicht überdeckt, sondern gezielt sichtbar gemacht und zelebriert. Das zerbrochene Stück Porzellan gewinnt dabei an Wert.

Kühmel ist seit ihrer Jugend begeistert von Japan, wo sie diese Methode selbst ausprobiert hat. Sie sieht darin eine Grundidee der Zen-Ästhetik. "Schönheit bedeutet, dass man an etwas oder jemandem sehen kann, dass die Zeit vergeht", sagt sie. Für ihren Roman hat die Autorin in Kintsugi eine geeignete Metapher entdeckt. Kühmel wollte gerne wissen, wie Menschen mit Brüchen in ihrem Leben umgehen. Und davon gibt es einige im Buch.

Porzellan zerschlagen in der Uckermark

Im Zentrum steht ein homosexuelles Paar: Max, ein Professor für Archäologie, und Reik, ein international erfolgreicher Künstler. Die beiden sind ein Vorzeigepärchen: Seit 20 Jahren sind sie zusammen, sie werden von vielen darum beneidet, wie gut es bei ihnen läuft. Ihr 20-Jähriges begehen die beiden Männer mit zwei Freunden im eigenen Wochenendhaus an einem See in der Uckermark. Mit dabei sind Tonio, Musiker und Reiks erster Freund, und seine Tochter Pega, die von den drei Männern mehr oder minder gemeinsam aufgezogen wurde.

Pega startet gerade ins selbständige Leben, hat ein Studium begonnen und ist ansonsten noch sehr unsicher, wo es für sie lang geht. Alle kennen sich also schon lange oder meinen, sich zu  kennen. Aber das Wochenende am See bringt einige Überraschungen mit sich und viele Vorstellungen ins Wanken. Ein Kammerspiel, bei dem sinnbildlich und faktisch eine Menge Porzellan zerschlagen wird. Die Brüche treten offen zu Tage.

Der Roman "Kintsugi" von Miku Sophie Kühmel

Hauptsache keine Ich-Perspektive

Jeder der vier Beteiligten präsentiert in einem eigenen Kapitel seine beziehungsweise ihre Sichtweise. Immer wieder gibt es Passagen in Dialogform, die das Romangeschehen in kleine Minidramen verwandeln. Dass sich Kühmel ein homosexuelles Paar in den 40ern als Protagonisten ausgewählt hat, hat vor allem damit zu tun, dass sie in der Ich-Perspektive erzählen wollte, um sich dabei aber möglichst weit von sich selbst weg zu bewegen. Gleichzeitig findet sie Mutter/Sohn- sowie Vater/Tochter-Verhältnisse reizvoll und hat sie in den Personenkonstellationen verankert.

Sie wollte aber auch Queerness zeigen, und zwar möglichst beiläufig. Denn dass ihre Figuren homosexuell, heterosexuell oder bisexuell sind, habe für sie letztlich keine Rolle gespielt. Das haben nur die Gründe, warum diese Personen miteinander in Beziehung treten oder diese Beziehungen wieder auflösen oder verändern.

Und jetzt?

Wie geht es nun weiter für Kühmel? Durch die Preisgelder hat sie zum ersten Mal die Möglichkeit, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Das nächste Projekt steht noch nicht fest. Aber so viel verrät sie schon mal: Das zweite Buch könnte in Richtung eines historischen Romans gehen.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 15.10.2019, 19.35 Uhr

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