Norbert Scheuer

Unter den diesjährigen Finalisten für den Deutschen Buchpreis ist Norbert Scheuer der Senior. Es ist nicht das erste Mal, dass der 68-Jährige auf der Shortlist stand. Seine Romane aus der Eifel ernten regelmäßig viel Lob.

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Zum Artikel Norbert Scheuer – Autor des Romans "Winterbienen"

Norbert Scheuer und Oliver Günther (von links) duellieren sich am Tischkicker.
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Als Norbert Scheuer in die hr-Redaktion kommt, fällt sein Blick zuerst auf den Tischkicker. Und obwohl wir eigentlich zum Interview verabredet sind, fragt er erst mal, ob wir eine Runde spielen können. Klar, können wir.

Aus einer Partie werden schnell drei. Erst danach geht es ins Studio. Und da will ich von Norbert Scheuer prompt wissen, ob er eigentlich ein guter Verlierer ist. Schließlich sei er beim Deutschen Buchpreis ja jetzt schon zum zweiten Mal leer ausgegangen, nachdem er schon vor zehn Jahren mit seinem Roman "Überm Rauschen" nominiert worden war.

Geschichten aus der Heimat

Von "verlieren" will Nobert Scheuer aber gar nicht erst reden. Es sei schon ein großer Erfolg, unter die letzten sechs Finalisten gekommen zu sein. Diese "Anerkennung" bedeute ihm viel. Schließlich schreibe man als Autor zunächst mal für sich selbst, "aber trotzdem hat man wie so Tentakeln nach außen. Und die müssen was fühlen, zum Beispiel, dass es wahrgenommen wird."

"Winterbienen" jedenfalls wird wahrgenommen. Durchweg gute Kritiken, dazu auch Auszeichnungen wie den renommierten Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. Für Scheuer ist das aber keine neue Erfahrung. Seit Jahren bekommt er viel Lob für die Romane seiner "Eifel-Chronik", zu der auch "Winterbienen" zählt. Denn Scheuers Romane spielen immer in seiner Heimat, genauer: in dem Ort Kall in der Eifel, gelegen direkt an der deutsch-belgischen Grenze.

Das Buch "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Angst vor der Krankheit, vor den Bomben und der Enttarnung

Die karge, raue Landschaft dient Scheuer dabei auch in "Winterbienen" als Schauplatz einer ebenso ruhigen wie poetischen Erzählung, in deren Mittelpunkt der Protagonist Egidius Arimond steht, der in Tagbuchform von den letzten Kriegsmonaten in der Eifel im Winter 1944/45 erzählt. Arimond lebt alleine, ist an Epilespie erkrankt, was ihm einerseits den Kriegsdienst erspart, ihn aber andererseits der Gefahr aussetzt, jederzeit von den Nazis verhaftet zu werden, verfolgt als "unwertes Leben".

Bedrängt von diesem Risiko und gleichzeitig bedroht von immer heftigeren Bomberangriffen der alliierten Luftwaffe züchtet Arimond Bienen und bringt als Fluchthelfer Juden über die deutsch-belgische Grenze in Sicherheit. Es ist ein Leben zwischen Idylle und tödlicher Bedrohung, zwischen Einsamkeit, leidenschaftlichen Affären und ständiger Angst – vor einem neuen Epilepsie-Anfall, vor den Bomben der Alliierten, vor Enttarnung durch die Nazis. Und es ist eine Geschichte, die eine reale Vorlage hat.

Die Dekonstruktion des Wirklichen

Die Figur des Egidius Arimond habe es wirklich gegeben, erzählt Scheuer. Allerdings ist der "wahre" Arimond nur Ausgangspunkt dessen, was Scheuer als "die Dekonstruktion des Wirklichen und die Konstruktion des Literarischen" beschreibt. Die Eindrücke, Bilder und Geschichten seiner Heimat seien das Material, das er für seine Romane auseinandernehme, um es literarisch neu zusammenzusetzen.  

Folgerichtig antwortet Nobert Scheuer auch auf die Frage, ob er schon ein neues Buch plane: "Nein, da denke ich im Moment nicht drüber nach. Ich kann Ihnen aber sagen, dass es in Kall spielt" – und schiebt ein sympathisch-glucksendes Lachen hinterher. Wie nach einem gelungen Angriff am Tischkicker.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 18.10.2019, 19.35 Uhr

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