Julia Schnetzer gehört zu einer neuen Generation von Wissenschaftlerinnen. Die Meeresbiologin schreibt Bücher und macht öffentliche Wissens-Experimente. Am Meer war sie aber schon lange nicht mehr.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Julia Schnetzer - leuchtende Haie und pupsende Bakterien: Meeresforschung ist cool!

Julia Schnetzer
Ende des Audiobeitrags

Nein, das Stereotyp einer Wissenschaftlerin erfüllt Julia Schnetzer wohl nicht. Die Meeresbiologin ist jung und tätowiert, sie liebt Punk Rock und Whisky und vermittelt ihr Wissen auch mal gerne bei einem Science Slam.

Schnetzer ist der Meinung, dass Wissenschaft volksnah sein muss und sich nicht in einem Elfenbeinturm vermauern darf. Die Wissenschaft wird von der Öffentlichkeit finanziert, also muss sie der Öffentlichkeit auch etwas zurückgeben, ist Schnetzer überzeugt.

Fremder als der Weltraum

Als Meeresbiologin versucht die Mittdreißigerin, den Menschen das Meer näher zu bringen. Das ist aber gar nicht so leicht, denn: "Es wird weniger Geld in die Meeresforschung investiert als in die Weltraumforschung", sagt Schnetzer bei "Das Interview" von hr-iNFO. Es waren schon mehr Menschen auf dem Mond als auf dem Grund des Ozeans.

Über das Meer und seine Bewohner wissen wir noch verhältnismäßig wenig. Anschaulich wird das für Schnetzer oft dann, wenn sie sich einen Film anschaut. "Viele Aliens, die man in Filmen sieht, sind von Meeres-Lebewesen inspiriert", so ihre Vermutung. Beide sind dem Menschen fremd.

Weitere Informationen

Buch-Tipp

Julia Schnetzer hat ein Buch geschrieben. In "Wenn Haie leuchten" stellt sie kuriose und faszinierende Meeresbewohner vor. Das Buch ist bei Hanserblau erschienen und kostet 18 Euro.

Ende der weiteren Informationen

Kein Meer, keine Kneipe

Dabei ist doch gerade das Meer so immens wichtig für das Leben auf der Erde. "Einzellige Algen und photosynthetische Bakterien sind für mehr als die Hälfte des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre verantwortlich", erklärt Schnetzer, deren Fachgebiet die marine Mikrobiologie ist.

Die Wissenschaftlerin beschäftigt sich vor allem mit Viren und Bakterien unter Wasser. Wegen Corona war sie aber seit mehr als einem Jahr nicht mehr selbst am Meer. Ihre Wissensexperimente, die sie gemeinsam mit zwei Kollegen normalerweise in der Kneipe durchgeführt hat, musste sie ins Netz verlegen (www.ploetzlichwissen.de).

Plastik-Müll und Ozean-Versauerung

Das alles sei natürlich nervig, doch Schnetzer versucht, auch im Schlechten noch etwas Gutes zu finden. "Corona ist natürlich scheiße, aber das letzte Jahr war das stillste für den Ozean", ist so eine Nachricht. Die Lärmverschmutzung der Meere sei ein großes Problem. Es ist allerdings nicht das einzige.

Plastik sei natürlich ein großes Thema, allein schon, weil man es sehen kann. "Aber es gibt die Klimaerwärmung, die Ozean-Versauerung, radioaktiven Müll oder zu viel Düngemittel, die über Flüsse eingetragen werden", zählt Schnetzer auf. All diese Probleme müssten adressiert werden. Als Wissenschaftlerin ist es ihre Aufgabe, die Öffentlichkeit zu informieren. Hoffentlich schon bald wieder direkt bei einem Whisky in der Kneipe.

Das Interview führte Mariela Milkowa.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 24.04.2021, 18.35 Uhr

Jetzt im Programm