Khola Maryam Hübsch
Khola Maryam Hübsch Bild © hr

Khola Hübsch sieht sich als muslimische Feministin und kämpft in Talkshows für ein positiveres Islambild. Bald erscheint ihr neues Buch: "Rebellion der Sehnsucht: Warum ich mir den Glauben nicht nehmen lasse".

Khola Maryam Hübsch weiß, dass deutsche Talkshowmacher sie vor allem einladen, weil sie Kopftuch trägt. Sie sagt, früher habe sie das gestört. Aber mittlerweile glaubt sie, alle Talkshowgäste erfüllten eine Funktion. Und dass überhaupt eine Muslimin mit Kopftuch in einer Talkshow sitze, sei schon ein Erfolg. "Es ist gut, dass Menschen sehen, da ist jemand mit Kopftuch, der vielleicht eine andere Position vertritt, der sich aber durchaus einbringen kann, der auch vielleicht Dinge sagt, die vernünftig sind", sagt sie.

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Sendezeiten

Di., 26.6.18, 19:35 Uhr
Mi., 27.6.18, 21:35 Uhr
Sa., 30.6.18, 14:05 Uhr
So., 1.7.18, 10:05 Uhr und 18:35 Uhr

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Seitdem die AfD im Bundestag sitze, habe sich die Diskussionskultur schon verändert. Talkshows spitzten ihre Titel immer weiter zu. Die Sendungen boykottieren will Khola Hübsch trotzdem nicht. Sie glaubt nicht, dass das etwas bringen würde. Sie versucht weiter, den Islam von einer positiven Seite zu zeigen.

Allah hat meine Ehe arrangiert, nicht mein Vater

Wie ihr Vater sei auch sie eine Revoluzzerin, sagt sie. Denn heutzutage zu sagen, dass man an Gott glaube, sei revolutionär. Man werde gleich als naiv dargestellt. Sie habe aber einfach durch ihre Eltern erfahren, dass es Gott wirklich gebe und wolle sich ihren Glauben nicht nehmen lassen. Die 37-Jährige gehört der streng gläubigen Ahmadiyya Muslim Gemeinde an – einer muslimischen Minderheit, die in Indien und Pakistan auch von anderen Muslimen verfolgt und nicht anerkannt wird. Zum Glauben gezwungen habe sie niemand. Ihr Vater Hadayatullah Hübsch habe sie eher antiautoritär erzogen.

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zum Artikel Khola Maryam Hübsch - Journalistin, Muslima und Tochter eines Alt-68ers

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Dass geschrieben wird, ihr Vater habe ihre Ehe arrangiert, ärgert sie. Er habe einen jungen Mann kennengelernt und ihn ihr vorgestellt, sie hätte diese Ehe aber jederzeit ablehnen können. Wenn ihre Ehe jemand arrangiert habe, dann sei es Allah gewesen. Außerdem fände sie es besser, von einem Familienmitglied jemandem vorgestellt zu werden, als wenn ein Algorithmus entscheide, zu wem man passe. Überhaupt entscheidend sei aber immer das Gebet. Man bete, um zu erfahren, mit wem man eine Ehe eingehen soll. Das bedeute aber nicht, dass man sich nicht scheiden lassen dürfe: "Natürlich ist eine Scheidung der 'worst case', aber der Mensch ist immer frei", sagt Hübsch.

Wie kann man nicht für Soziale Gerechtigkeit kämpfen?

Dass ihr Vater Hippie in den 68ern in Frankfurt war und dann zum Islam konvertiert ist, ist für Khola Maryam Hübsch kein Widerspruch. Seine Suche nach Gerechtigkeit habe ihn zum Islam geführt. Gerechtigkeit sei eine Kernbotschaft des Islams. "Ich bin sehr links, aber auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich mir nur eine 8 geben, weil es dann doch bestimmte Werte gibt, da bin ich konservativer", sagt sie. "Das ist vom Islam geprägt.“ Die Publizistin glaubt, zurzeit seien die sozialen Unterschiede zu groß. Das sei das eigentliche Problem unserer Gesellschaft, nicht der Islam.

Sendung: hr-iNFO, 26.6.18, 19:35 Uhr

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