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Zum Artikel Manuel Andrack – Moderator und Wanderprofi

Manuel Andrack bei einer Wanderung auf der Traumschleife Rheingold bei Hirzenach.

Mit Ausblick auf Ferien in der Heimat schnüren derzeit immer mehr Deutsche die Wanderschuhe. Der ehemalige Moderator und Viel-Wanderer Manuel Andrack erklärt den Reiz des Ausflugs zu Fuß.

Wandern ist im Trend. Nicht erst seit diesem Jahr, aber in Zeiten von Corona und Urlaub in Deutschland entdecken noch mehr Menschen die Lust am Laufen. Einer, der diesen Trend längst erkannt hat, selber viel wandert und regelmäßig darüber schreibt, ist Manuel Andrack.

Genau der Andrack, der bis 2008 als Sidekick bei Harald Schmidt in der Late Night Show gesessen hat. Zusammen wandern waren sie nie, die Moderatoren-Ikone und sein Redakteur. Aber bereits 2005 hat Andrack sein erstes Buch über das Wandern geschrieben.

Nur acht Kilometern Wohlfühl-Wandern

Das Schreiben und Bloggen über das Laufen bestimmt seine Zeit nach Schmidt, inzwischen wird er auch mal "Wanderpapst" genannt. Bescheiden wie er ist, gefällt ihm aber der Titel "Wandermeister" besser. Nach einigen wilden Wanderjahren mit Riesenetappen und Rekorden kling sein Wander-Glaubensbekenntnis heute so: "Genusswandern im deutschen Mittelgebirge. Acht Kilometer am Tag. Feierabend!"

Feierabend bedeutet dann auch mal ein kühles Bier und regionale Leckerbissen. Es können natürlich auch 10 oder 15 Kilometer am Tag sein - Hauptsache man quält sich nicht mit immer neuen Streckenrekorden und bleibt beim Wohlfühl-Wandern.

Nicht gleich für tausend Euro ausrüsten

Für alle, die das mit dem Laufen in diesem Sommer mal probieren wollen, hat Andrack folgenden Tipp parat: "Am Anfang, wenn man es einfach mal ausprobieren will, dann muss ich jetzt wirklich nicht in den Laden gehen und mich für ein paar hundert, wenn nicht sogar tausend Euro ausrüsten. Als wenn es an die Alpenüberquerung rangeht! Nein, dann reichen einfach die sportlichen Schuhe, die bequeme Hose, die Jacke."

Und wenn‘s dann Spaß macht, dann lässt sich das Wanderoutfit Stück für Stück ergänzen: eine atmungsaktive Jacke, die schnell trocknet, ein Paar Schuhe mit ordentlich Profil. Aber das ist für Andrack eben erst der zweite Schritt. "Erst mal einfach losgehen!"

Bequeme Premiumwanderungen

Am besten geht das auf den vielen neu ausgeschilderten oder sogar neu angelegten "Premiumwanderwegen". "Prinzipiell bin ich wirklich absoluter Fan dieser Premiumwege. Man braucht eben keine Wanderkarte. Man braucht kein GPS-Gerät. Man muss nur wissen, wo fängt es an, wo geht's los?" Auf eine gewisse Qualität könne man sich dabei verlassen: dass die Markierungen stimmen, dass der Weg abwechslungsreich ist, dass es nicht nur breite Wege gibt, dass man nicht nur auf Asphalt "latscht". Das seien alles Sachen, "mit denen sich Wanderer vorher Jahrzehnte, um nicht zu sagen Jahrhunderte lang herumgeärgert haben. Und das ist halt bei diesen Premium wegen ausgeschlossen."

Häufig gibt es gute Informationen auch online: Karten zum Runterladen oder Tipps zur Anreise. Derzeit auch nicht selten der Hinweis, dass an schönen Wochenenden Strecken überlaufen und Parkplätze voll sind. Denn in Zeiten von Corona hat sich der Trend zum Wandern in Deutschland noch einmal verstärkt. Der Deutsche Wanderverband beobachtet deutlich mehr Wanderer, viele Familien, die sich auf den Weg machen. Weil es an beliebten Strecken sehr voll werden kann, gibt der Verband auf seiner Webseite Tipps zum Wandern in Zeiten der Pandemie.

Wandern und "jut druff" sein

Für Andrack, der gerne auch mal alleine läuft, ist es keine große Überraschung, dass Wandern immer beliebter wird. "Das ist halt einfach ein Glücksspender, dieses Wandern, das ist auch wissenschaftlich untersucht worden. Über 90 Prozent aller Wanderer sagen ja, nach einer Wanderung bin ich besser drauf, bin ich glücklicher als zum Start." Man könne sich auch Probleme wegwandern: "Das wird ja sogar - wenn man es jetzt klinisch sieht - als Antidepressivum verschrieben. Man ist, wie der Kölsche sagt, 'jut druff', wenn man wandert. Ich glaube, das fasziniert so viele daran."

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 04.07.2020, 6.05 Uhr

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