Maximilian Pollux

Es ist ein bemerkenswerter Lebenslauf: Mit zwölf die ersten kleinen Straftaten, mit 19 überzeugter Gangster, dann Haftbefehl und fast zehn Jahre Knast. Heute schreibt Maximilian Pollux Bücher, ist erfolgreicher YouTuber und macht Präventionsarbeit für Jugendliche. Im Interview spricht er über sein Leben als Dealer, seine Zeit im Gefängnis und darüber, warum er Jugendliche besser erreichen kann als andere.

Maximilian Pollux erzählt aus seinem Leben mit dieser ruhigen, freundlichen Stimme, die so ganz anders klingt als das, von dem er spricht. Da ist zum Beispiel sein Lebensentwurf, den er als Jugendlicher hatte: "Ich wollte ein Ganovenleben führen. Ich wollte ein Gangster sein. Ich fand alle Leute, die normal in die Arbeit gehen, sind Idioten. Ich dachte mir, Mann, sind die alle blöd."

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Das Interview mit Maximilian Pollux

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Und tatsächlich: Eine Zeit lang glaubte er, dass es klappen könnte. Sein Onkel vertickte Drogen im großen Stil, Max machte mit und hatte schnell jede Menge Bargeld in den Fingern. Cooles Gangster-Leben, Millionär mit 35 – eine Zeit lang glaubte er daran. "Wenn du jetzt als 17-Jähriger 10.000 Euro Verdienst, dann hast du das Gefühl, der König der Welt zu sein", sagt Pollux. "Ich habe auch tatsächlich sechsstellige Beträge in bar verwaltet und solche Sachen. Aber ich ich glaube, mit 19, 20 wusste ich schon - als ich dann den Haftbefehl hatte und weg musste aus Deutschland - da wusste ich schon: Okay, das wird er nichts werden."

Umdenken im Gefängnis

Das war der ersten Momente eines langsamen Umdenkens. Er versuchte zu fliehen, ging ins Ausland und landete schließlich doch im Knast. Das Gefängnis war auf einmal nicht der schlechteste Ort für den jungen Mann. Wenigstens war hier sein Leben nicht in Gefahr.

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"Pollux": Neue Reihe in der ARD-Mediathek

Maximilian Pollux und Goscha (links), eine Größe in der Frankfurter Kampf-Szene. Zwischen ihnen eine Kampf-Szene mit Goscha. (Collage)

Warum begehen Menschen Straftaten? Für die neue Reihe „Pollux“ in der ARD-Mediathek macht sich Matthias Pollux auf Spurensuche und schaut sich Menschen und Geschichten hinter den Schlagzeilen an. Er trifft Täter*innen, Opfer, Angehörige, Expert*innen. Und versucht zu verstehen: Wie konnte es so weit kommen? [zur ARD-Mediathek]

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"Draußen war es durchaus in Gefahr, weil ich war einer der Jüngsten in dieser Gruppierung", erzählt Pollux. "Und ich weiß heute auch und habe das damals auch gespürt, dass die Älteren darüber nachgedacht haben, ob man dieses Risiko eingehen soll, mich ins Gefängnis gehen zu lassen. Weil was ist, wenn ich dann doch alle verrate? Das hätte also sein können, dass man mich tötet, das war mir bewusst. Noch dazu hatte ich immer diese Angst vor der Polizei. Vielleicht erschießen die mich. Und dann war ich in Haft und ich wusste okay, hier schwimme ich oben und kam mir kann keiner wirklich wehtun."

Eigene Geschichte hilft ihm, Jugendliche zu erreichen

Denn in der Knast-Hierarchie steht einer wie Maximilian Pollux weit oben. Er war bekannt, er kam als Dealer, "und da ist auch Körperverletzung dabeigewesen und Waffenhandel. Ich sage immer unorganisierte Kriminalität, aber finanzorientierte. Also ich habe nicht aus Affekt einer Frau was getan. Und dann 13 Jahre, die deuten darauf hin, dass ich keine Aussage gemacht habe, weil die Höchststrafe wäre 15 Jahre gewesen. Und wenn dann jemand kommt und er hat 13 Jahre, dann weiß man: Okay, der hat nicht mit der Polizei kooperiert, weil sonst hätte er eine kleinere Strafe."

Das sorgte für den Respekt der anderen Inhaftierten, genauso wie der trainierte Körper des Kampfsportlers. Und dennoch wurde Maximilian Pollux immer klarer, dass das nicht alles sein konnte. Knast, Dealen, Gewalt und Lüge, dann ziemlich sicher wieder Knast und so weiter.  Als er nach zehn Jahren entlassen wurde, erfand er sich neu. Heute schreibt der 39-Jährige Bücher, hat einen Jugendhilfe-Verein gegründet und arbeitet als Coach und Anti-Gewalt-Trainer. Seine eigene Geschichte hilft ihm dabei, die Jugendlichen zu erreichen: "Es ist tatsächlich die Realität. Ich verstehe sie besser als jemand, der nicht diesen Weg gegangen ist."

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