Korhan Ekinci sitzt auf einer Bank.
Korhan Ekinci ist seit kurzem Vorsitzender des Landeselternbeitrats in Hessen. Bild © privat

Korhan Ekinci ist neuer Vorsitzender des Landeselternbeirates von Hessen. Als solcher macht er sich für mehr tatsächliche Ganztagsschulen im Land stark.

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Korhan Ekinci, der Vorsitzende des Landeselternbeirats in Hessen, fordert mehr tatsächliche Ganztagsschulen in Hessen. "Das Verständnis für Ganztag ist nicht einheitlich", sagt Ekinci. Es gebe Ganztagsschulen, da würden die Kinder nur "aufbewahrt". Dann gebe es Ganztagsschulen mit Hausaufgabenbegleitung, die aber ohne Abstimmung mit den Lehreren stattfinde. Schließlich gebe es noch das Modell, bei dem diese Abstimmung mit dem Lehrpersonal bezüglich der Inhalte erfolge. Das ist für Ekinci das beste Modell, weil hier die Lerninhalte auch von qualifizierten Lehrern vermittelt würden. "Da wollen wir hin." Derzeit befinde man sich in einer Transitphase. "Es ist nicht Fleisch und nicht Fisch."

Vieles hat mit Glück zu tun

Dass sich Ekinci für diese Ganztagsschulen einsetzt, hat auch persönliche Gründe. Ekinci, Deutscher mit türkischen und griechischen Wurzeln, ist in Berlin geboren. Der Vater ungelernter Schlosser, die Mutter arbeitete als Putzfrau. "In unserem Wohnzimmer, im Esszimmer, hatten wir keinen Tisch, an dem ich meine Hausaufgaben hätte machen können. Es gab keine ruhige Zone. Ich möchte einfach, dass das Elternhaus komplett außen vor gelassen werden kann."

Dabei konnte Ekinci einen guten Weg gehen, hat die Realschule besucht, Abitur gemacht, dann studiert. Ist das nicht ein Zeichen dafür, dass das Bildungssystem funktioniert? Nein, sagt Ekinci: "Ich sehe mich nicht als Regelfall. Ich hatte einfach in vielen, vielen Dingen ganz viel Glück. Ich hatte Lehrer an der Realschule, die mich gefördert haben in Situationen, wo ich dachte, ich gebe auf. Die gleiche Situation hatte ich in Gymnasien." Die meisten in seinem Umfeld hätten diesen Bildungsweg nicht einschlagen können, weil sie nicht so viel Glück gehabt hätten. Auch deshalb sagt Ekinci: "Ich möchte die Komponente 'Glück' aus unserem Bildungssystem draußen haben."

Respektvoller Umgang

Der 37 Jahre alte Ekinci lebt in Taunusstein. Er engagiert sich in diversen Elternbeiräten, hat Lehraufträge an Hochschulen und will im Herbst Bürgermeister in Schlangenbad werden. Obwohl er SPD-Mitglied ist, geht er nicht als SPD-Vertreter in den Wahlkampf, sondern "überparteiisch", wie er es nennt. Auch im Landeselternbeirat und gegenüber dem CDU-geführten Kultusministerium soll die SPD-Mitgliedschaft keine Rolle spielen.

Während die SPD-Fraktion im hessischen Landtag Kultusminister Ralph Alexander Lorz und seine Politik teils heftig kritisiert und scharf angeht ("Minister Ahnungslos"), will Ekinci einen anderen Weg gehen: "Es gibt vieles, mit dem ich aktuell zum Schulstart nicht einverstanden bin. Wir sind inhaltlich nicht einer Meinung", sagt er über Lorz. Dennoch wolle er ihn mit dem gebührenden Respekt behandeln. "Konstruktiv an der Sache orientiert."

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 10.8.2018, 19.35 Uhr

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