Martin ModerMartin ModerMartin Moder

Martin Moder ist seit vergangenem Jahr ein kleiner YouTube-Star. Der Molekularbiologe veröffentlich Videos, in denen er die Wirkung von Corona-Impfstoffen und die Langzeitfolgen einer Erkrankung erklärt. Dem RKI gefällt das, Atilla Hildmann eher weniger.

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Auf die Idee muss man auch erstmal kommen. In seinem YouTube-Video versucht Martin Moder so einfach und plastisch wie möglich zu erklären, wie so ein RNA-Impfstoff eigentlich funktioniert. Also bastelt er sich aus einer Orange und einigen Gewürznelken ein Coronavirus. Die DNA des Virus, beziehungsweise die RNA, wie es eben bei Viren heißt, ist ein langer Faden, den Moder zuvor in die Orange gestopft hat und nun langsam hinauszieht. So könne man sich das eben am besten vorstellen.

"Man kann die Dinge einfach zeigen, dann sind sie viel greifbarer", sagt der Molekularbiologe im Gespräch mit hr-iNFO. Wichtig sei es bei diesem Video gewesen, zuerst zu zeigen, was das Virus überhaupt macht. Erst im zweiten Schritt wendet er sich dann dem Impfstoff zu. "Weil die Impfung immer einen kleinen Ausschnitt von dem macht, was die Erkrankung selbst auch im Körper anrichten würde", so der Österreicher.

Make Europe gscheit again

Moder wollte schon lange einen YouTube-Kanal erstellen. Gemeinsam mit seiner Bekannten Christine, die im Health-Care-Bereich arbeitet, und seinem Physiker-Kumpel Florian hegt er schon seit Jahren die Idee, Wissenschafts-Kommunikation zu betreiben. Allein die Zeit fehlte. Mit Corona und dem ersten Lockdown änderte sich das – zumindest für den freischaffenden Wissenschaftler Moder. "Bei den anderen beiden nicht, weil die einen richtigen Job haben“, sagt er und lacht. Den Kanal haben die drei Freunde "Make Europe gscheit again" genannt. Oder einfach kurz: MEGA.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie beschäftigte sich Moder ohnehin kaum mehr mit etwas anderem als mit dem Virus. Mit Viren hatte der Molekularbiologe auch vorher schon zu tun, auch wenn es da in einem anderen Zusammenhang war. "Ich habe ohnehin schon den ganzen Tag damit verbracht, Studien zu lesen, und habe irgendwann damit angefangen, die Videos zu machen", so Moder. Und die kamen teilweise so gut an, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) auf sie aufmerksam wurde.

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Erst kommen die Fans, dann die anderen

Inzwischen schneidet der 33-Jährige seine Videos im Prinzip immer zweimal. Einmal für seinen YouTube-Kanal, auf dem er auch gerne mal ein wenig rumblödelt – und einmal, in der seriösen Variante, fürs RKI. "Ich schneide die argen Sachen raus, lasse die ganzen Informationen drin und hau‘ dann noch geschwind ihr Logo vorne hin – und dann ist die ganze Sache fertig."

Sein Spezialgebiet bringt ihm dieser Tage aber nicht nur Fans, sondern auch eher unschöne Kommentare ein. Das Verhältnis von Liebesbriefen zu Hass-Mails sei extrem zeitpunktabhängig, erzählt Moder. Publiziert er ein neues Video, reagieren als erstes die Fans, die den Kanal abonniert haben. Etwas zeitversetzt landen die Clips dann aber auch in anderen "Bubbles", wie das Neudeutsch heißt.

Atilla Hildmann und der "Dislike-Blitzkrieg"

"Das geht sogar so weit, dass dieser Atilla Hildmann, dieser deutsche Verschwörungstheoretiker, auf seinem komischen Telegram-Kanal dazu aufgerufen hat, meine Videos mit Down Votes zu versehen", sagt Moder. Hildmann nenne das "Dislike-Blitzkrieg". Moder erhielt unter anderem Kommentare, die ihn mit dem NS-Arzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele verglichen. Das mache ihm aber eigentlich nichts aus. „Ich nehme ja von niemandem ein Argument ernst, der Erklärungsversuche zum Spike-Proteinen mit Faschismus gleichsetzt."

Was dem 33-Jährigen sehr viel unangenehmer wäre? Wenn ihm ein fachlicher Fehler unterliefe. "Gott sei Dank ist so was in gröberem Zusammenhang noch nicht passiert", sagt er. Das Schlimmste, was ihm passiert ist: Er hat in einem seiner Videos mal eine Zucchini eine Gurke genannt. Moder nahm’s gelassen. "Das ist das Los des Fachidioten. Ich bin Molekularbiologe: Alles, was so groß ist, dass man‘s mit freiem Auge sieht, dafür fühle ich mich eigentlich nicht mehr zuständig. Und dann ist das auch kein Fehler, den ich mir übelnehme.“ Seine Fans tun es auch nicht.

Das Gespräch führte Corinna Tertel

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