Moritz Tschermak hat ein Problem mit der Arbeitsweise der Bild-Zeitung. Mit seinem Blog und einem Buch versucht er, die Defizite in der Berichterstattung des Boulevardblatts sichtbar zu machen.

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Zum Artikel Moritz Tschermak: "Ich will zeigen, wie Bild die Gesellschaft spaltet."

Moritz Tschermak
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Moritz Tschermak ist nicht gerade ein Freund von der Arbeit der Bild-Zeitung. Das ist kein großes Geheimnis. Tschermak ist Chefredakteur von Bildblog.de, das sich regelmäßig kritisch mit Berichten von Deutschlands größter Tageszeitung beschäftigt. Mit Mats Schönauer hat Tschermak jüngst das Buch "Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie die Bild mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet" herausgebracht. Eindeutiger kann man seine Abneigung kaum kundtun.

Verallgemeinerungen, aber nicht fake

Was Tschermak bei aller Kritik trotzdem versucht: fair zu bleiben. "Was das Thema Homosexualität angeht, ist die Bild deutlich offener als noch vor ein paar Jahrzehnten", sagt der Journalist in "Das Interview" bei hr-iNFO. Auch den Vorwurf der "Fake News" macht er den Blattmachern so gut wie nie. Denn das beinhaltet für ihn eine vorsätzlich falsche Berichterstattung. "Das ist in vielen Fällen nicht der Fall. Wir stoßen eher auf eine unsaubere Recherche oder einseitige Darstellung", so Tschermak.

Die Bild arbeite an Stereotypen, an einer Verallgemeinerung bestimmter Gruppen: die faulen Griechen etwa oder die Flüchtlinge als Sex-Mob. Letzteres Bild verfestigte sich in der Berichterstattung aber erst später, erklärt Tschermak. Als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, postulierte die Bild noch: "Refugees Welcome".

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Buchtipp

Moritz Tschermak und Mats Schönauer: "Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie die Bild mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet", KiWi-Paperback, 336 Seiten, 18 Euro.

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Das Bild geraderücken

"Warum es dann die Wende gab … Da ist unsere Vermutung, dass es wirtschaftliche Überlegungen waren", sagt Tschermak. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt habe in einem Interview mal gesagt, dass der Zeitung wirtschaftlich nichts so sehr geschadet habe wie die Willkommenskampagne. Nun drehten sich Berichte über Flüchtlinge hauptsächlich ums "Abschieben, Abschieben, Abschieben", so Tschermak.

Die Macher des Bildblogs wollen den Darstellungen der Bild etwas entgegensetzen. "Wir machen uns nicht die Illusion, dass wir den Springer-Verlag komplett umkrempeln werden", gibt Tschermak zu. Aber Korrekturen musste die Bild schon vornehmen, nachdem Bildblog auf falsche Zitate oder Zahlen hingewiesen hatte.

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Das Gespräch führte Christoph Scheffer

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