Muhammad Yunus spricht
Muhammad Yunus plädiert für einen sozialen Kapitalismus Bild © picture-alliance/dpa

Wenn wir unser Wirtschaftssystem nicht umstellen, dann ist die Menschheit spätestens 2050 am Ende, sagt Yunus. Als Lösung plädiert er für soziale Unternehmen, die ohne Profit arbeiten.

Muhammed Yunus ist ein Menschenfreund. Er verachtet Kredithaie: In den Augen des Friedensnobelpreisträgers beuten traditionelle Geschäftsbanken arme Menschen aus. Als Yunus daher 1983 seine Grameen-Bank gründete, machte er genau das Gegenteil von dem, was Geschäftsbanken machen. Er verlieh Geld nur an arme Menschen, fast ausschließlich an Frauen, und er nahm auch keine Sicherheiten. Sein Geschäftskonzept beruhe auf Vertrauen, sagt Yunus. Und der Erfolg gibt ihm Recht: Heute zählen Millionen von Menschen - 97 Prozent davon Frauen - auch außerhalb Bangladeschs zu seinen Kunden und seine Bank macht Gewinn.

Ein Kapitalismus mit sozialem Antlitz

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In seinem neuen Buch "Ein anderer Kapitalismus ist machbar" warnt der bengalische Wirtschaftswissenschaftler vor den Folgen des jetzigen Wirtschaftssystems: "Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt 99 Prozent des Weltvermögens. Das System begünstigt die Reichen und macht arme Menschen noch ärmer", beschwert er sich. Wenn die Menschheit überleben wolle, brauche sie deshalb ein neues System und das müsse auf sozialen Unternehmen basieren - sogenannten "Social Businesses". "Wir haben die Aufgabe, alle Menschen zu Unternehmern zu erziehen. Es liegt nicht in der Natur des Menschen, Almosen zu empfangen."

Das Soziale Unternehmen

Social Business ist ein Begriff, den Yunus selbst prägte. Er beschreibt Unternehmen, die ihren erwirtschafteten Gewinn für soziale und ökologische Projekte verwenden, um damit gesellschaftliche Probleme zu lösen. Im Unterschied zu herkömmlichen Unternehmen, verbleibt der Gewinn bei Social Business im Unternehmen und Dividenden werden fallbegrenzt.

Das jetzige Wirtschaftssystem beruht laut Yunus auf einer falschen Menschensicht. Der Mensch sei nicht nur egoistisch, sondern auch hilfsbereit und am Gemeinwohl orientiert, so der Banker. Wenn es gelingt, diesem Streben des Menschen Raum zu geben, dann sei das der Beginn einer zivilisatorischen Revolution. Und nichts weniger brauche die Menschheit, wenn sie überleben will.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 17.11.2018, 18:35 Uhr

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