Martin Grubinger bei einem Konzert in Salzburg

Geht es um harte Beats, macht Martin Grubinger niemand etwas vor. Der Österreicher liebt Schlaginstrumente – und den Fußball. Über die Gemeinsamkeiten von Musik und Sport würde der Perkussionist gerne mal mit Eintracht-Trainer Adi Hütter reden.

Es ist ein echtes Spektakel Martin Grubinger spielen zu sehen. Er wirbelt mit seinen Sticks und Schlägeln durch die Luft, dass man kaum mit den Augen folgen kann und springt zwischen Trommeln, Becken, Marimba und Kuhglocken hin und her, um den perfekten Sound zu erzeugen. Martin Grubinger macht das mit vollem Körpereinsatz, er trainiert dafür viele Stunden täglich.

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Das Interview Symbolbild
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Das Schlagzeug sei ein physisches Instrument sagt er: "Wir haben auch hier in Frankfurt letztens Tests gemacht in der Alten Oper. Es war unglaublich, der Spitzenpuls war 196, der Durchschnittspuls war 168, und viele tausend Kalorien verbrannt in einem Konzert, es ist tatsächlich vergleichbar mit den Werten eines Sportlers."

Einen Trommelwirbel für den Klopp-Konter

Kein Wunder, dass Grubinger den Fußball liebt. Er kickt nicht nur selbst, er ist auch ein großer FC-Bayern-Fan und findet, dass sich Musiker viel von Profisportlern abgucken könnten, aber auch Fußballer einiges von Musikern. Das richtige Timing zum Beispiel. Das könnten Fußballer mithilfe von Musik trainieren, indem sie etwa eine Passfolge im Walzertakt oder "einen klassischen Jürgen-Klopp-Konter" im Rhythmus eines Trommelwirbels trainierten.

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Martin Grubinger und Mariela Milkowa
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Grubinger holt dazu spontan seine Sticks heraus und trommelt auf der Tischkante und auf der Interview-Box, um zu erklären, wie der das mit dem richtigen Timing meint. "Ich denke, wenn man das oft wiederholt und sich das bei den Spielern im Unterbewusstsein verankert, dass sie das im Spiel umsetzen können." Scherzhaft appelliert er an seinen Landsmann und Cheftrainer der Frankfurter Eintracht: "Lieber Adi Hütter, melde Dich bei mir", um die eine oder andere musikalische Trainingsidee einmal gemeinsam auszuprobieren.

Ein selbstbewusster Sozialdemokrat und Euorpäer

Aber das Schlagzeug bedeutet dem 36-jährigen Österreicher noch viel mehr. Schon als ganz kleiner Junge lernte er das Spielen von seinem Vater, ebenfalls ein Schlagzeuger. Schlaginstrumente haben für ihn eine eigene Sprache. "Ich war ein relativ schüchterner Bursche", erzählt Grubinger, "dem Schlagzeug hab ich zu verdanken, dass ich in diesen jungen Jahren an der Pauke ein gewisses Selbstbewusstsein entwickelt habe. Das Schlagzeug gibt mir die Möglichkeit, Dinge und Emotionen auszudrücken, die sonst für mich nicht möglich wären."

Selbstbewusst und schlagfertig ist Martin Grubinger nicht nur als Musiker. Er ist auch einer, der politisch klar Stellung bezieht. Er bezeichnet sich selbst als überzeugten Sozialdemokraten und glühenden Europäer, setzt sich ein für eine multikulturelle und offene Gesellschaft und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Er will mit seiner Musik Brücken bauen und sucht das Gespräch mit den Menschen, auch mit denen, die politisch anders denken als er.

"Die Politiker sitzen ja da und sagen, wir sind ratlos, was sollen wir jetzt nur tun, die Leute folgen uns nicht, glauben nicht an unsere europäische Idee", konstatiert der Musiker. "Ich glaube, dass wir Künstler eher realistisch denken als mancher Politiker. Denn die haben schon aufgegeben, die sind irgendwie schon in ihrem Zynismus drin, dass sie sagen – hilft eh alles nichts mehr. Wir Künstler haben noch Ideen."

Open-Air-Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester

Martin Grubinger freut sich auf das Open-Air-Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester am Samstag in Fulda, mit dem auch 30 Jahre Mauerfall gefeiert werden sollen (ab 20 Uhr im Livestream). Mit Leonard Bernsteins Ouvertüre zu "Candide", Avner Dormans Schlagzeugkonzert "Frozen in Time" und Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie stehen drei Werke auf dem Programm, die perfekt zu Martin Grubingers Botschaft als Musiker passen. Er wünscht sich, "dass die Leute nach Hause gehen und sich europäischer fühlen, nachdem sie den europäischen Komponisten Dorman, den Super-Europäer Beethoven und den Weltmusiker Bernstein gehört haben und dass wir eine unglaubliche Freude haben, für die Leute vor Ort Musik zu machen."

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 30.08.2019, 19.35 Uhr

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