Pfarrer Schott

Volle Kirchen wird es an Weihnachten nicht geben, nur kleine Präsenzgottesdienste sind erlaubt. Pfarrer Hannes Schott sieht das Positive: Corona hat der Kirche einen "kreativen Schub" verpasst und die "digitale Wende" vorangetrieben, sagt er.

Für den evangelischen Pfarrer Hannes Schott wird Weihnachten im Corona-Jahr auf jeden Fall anders werden. Es sei "anders stressig" als normalerweise, weil man ganz andere Vorgaben erfüllen und sich Sicherheits- und Hygienekonzepte überlegen musste, sagt er in Das Interview bei hr-iNFO. Der 40 Jahre alte Pfarrer ist seit kurzem in der St. Jakobsgemeinde in Nürnberg tätig und hat die Weihnachtsgottesdienste für die Gemeinde schon auf YouTube vorproduziert. Aber ihm sei auch klar: "Auch ohne uns wird’s Weihnachten."

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Weihnachten im Corona-Jahr 2020 sei auch insofern "ein anderes Weihnachten", weil man auf Sicht fahre: "Von Tag zu Tag gibt's neue Entscheidungen. Letztes Jahr hatte ich schon zwei Wochen vorher meine Weihnachtspredigt", erzählt Schott, "aber das geht momentan nicht, eher wird kurzfristig noch was umgemodelt."

Es ist Kreativität gefordert

Überhaupt müssen Pfarrerinnen und Pfarrer sehr kreativ sein in Zeiten von Corona. Weil es volle Kirchen nicht geben wird, haben sich viele Gemeinden Alternativen überlegt, wie sie Weihnachten feiern können: von Hirtengottesdiensten unter freiem Himmel über "Weihnachten-To-Go-Aktionen", wo man zum Beispiel draußen einen Krippen-Stationen-Weg ablaufen kann, bis zu Online-Andachten und sogar einer Karaoke-CD für das Singen von Weihnachtsliedern zu Hause, sind viele neue Ideen entstanden.

"Ich bin völlig begeistert, denn Corona hat diese digitale Wende der Kirche vorangetrieben und hat auch wirklich so einen kreativen Schub nochmal gebracht", sagt Schott. Es sei egal, auf welchem Weg man die Menschen erreiche, viele seiner Kolleginnen und Kollegen wollten einfach jetzt den Menschen Trost geben und ihnen sagen: Fürchtet euch nicht. "Solange die frohe Botschaft bei den Menschen ankommt, ist doch alles wunderbar."

Weihnachten sei in diesem Jahr emotional noch aufgeladener als sonst, findet Schott. Auch unter seinen Kolleginnen und Kollegen herrsche Uneinigkeit, viele sagen Gottesdienste ab, manche lassen sie weiter stattfinden. "Und natürlich gibt’s auch die Menschen, die sagen, wie könnt ihr an Weihnachten die Kirche aufmachen, wenn alles andere zu hat?" Hannes Schott versucht, Ruhe zu bewahren. "Wie man’s macht, ist richtig."

Der Angst mit Fürsorge begegnen

Als Seelsorger in seiner Gemeinde versucht er, ganz nah bei den Menschen zu sein, und er bekommt mit, was sie in der Corona-Krise bewegt: von finanziellen Nöten bis zur Angst, den Job zu verlieren oder sich selbst mit dem Virus anzustecken. "Es ist ganz viel Angst da, wie es weiter geht. Aber auch immer wieder in dieser Angst gibt es kleine Momente des Behütetseins, und ganz viele Menschen, die sich umeinander kümmern und umeinander sorgen. Es ist immer noch eine ganz große Welle der Fürsorge da."

Bei seiner Arbeit helfe ihm vor allem auch der Humor. Kirche soll Freude machen, ist sein Credo, und im Gottesdienst darf gelacht werden. Schon lange vor Corona hat der aus Bayreuth stammende evangelische Pfarrer und Kabarettist mit ungewöhnlichen Ideen wie Wohnzimmer- oder Busgottesdienste auf sich aufmerksam gemacht. In seinem Buch "Raus aus dem toten Winkel" wirft er einen unkonventionellen Blick auf die Kirche von morgen.

Kabarett und Schlager

Als Mitglied der Kabarett-Gruppe "Das weißblaue Beffchen", die aus evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern besteht, nimmt Schott auf der Bühne den Alltag der Pfarrgemeinde aufs Korn, ob's um nervige Konfirmanden, anstrengende Kirchenvorstandssitzungen oder um die steigende Zahl von Kirchenaustritten geht. Schott ist auch Teil des Musik-Duos "Zammengebicht" und tritt mit Schlagerparodien auf - seine Paraderolle: Howard Carpendale. "Bei dem Sehnen nach Liebe und Gemeinschaft treffen sich Glaube und Schlager", ist Schott überzeugt.

Die Kirche könne eine gewisse "Sehnsucht nach heiler Welt" erfüllen und er überlege schon, einen Schlagergottesdienst zu machen. "Es gibt so tolle Schlager, über die man predigen kann. Das ist grad der Plan und ich hoffe, das wird irgendwann möglich sein."

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Buchtipp

Hannes Schott, Raus aus dem toten Winkel, Kösel Verlag, 208 Seiten, 18 €

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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 23.12.2020, 19.35 Uhr

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