Miriam Küllmer-Vogt

Miriam Küllmer-Vogt ist evangelische Pfarrerin und hat den 3. Ökumenischen Kirchentag mitgestaltet, der an diesem Wochenende in Frankfurt stattfindet. Im Interview spricht sie über eine solche Veranstaltung in Pandemie-Zeiten, die Lage der Ökumene in Deutschland und die Frage, ob sich Glaube besser vermitteln lässt, wenn man Theater spielen kann.

Die Musik ist ihre große Liebe. Klar – neben ihrem Mann Fabian. Aber beides hat bei Miriam Küllmer-Vogt viel miteinander zu tun. Denn auch ihren heutigen Ehemann lernte sie auf der Bühne kennen. Musik verbindet eben. Und sie habe auch die Kraft, Protestanten und Katholiken zu verbinden. So wie es bei diesem gemeinsamen Kirchentag gelingen soll.

Das Trennende kommt von den Institutionen

Ökumene werde doch an der Basis längst gelebt, sagt Küllmer-Vogt, die Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für den Ökumenischen Kirchentag. Das Trennende käme vielmehr von den Institutionen, "was uns dann auch im größeren Rahmen und auch weltweit schwächt, wenn wir uns so stark vereinzeln, obwohl wir an vielen Stellen so sehr nach dem Gleichen suchen und für das Gleiche stehen“, sagt die 48-Jährige.

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Miriam Küllmer-Vogt
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Der Kirchentag findet nun weitgehend online statt, wie kann es auch anders sein in Pandemie-Zeiten. Miriam Küllmer-Vogt hat das nur am Anfang bedauert: Klar seien Begegnungen von Menschen und Umarmungen wichtig, genauso wie das gemeinsame Singen auf den Straßen. Aber eine Absage sei für sie keine Option. "Gar nichts ist angesichts der Weltlage für mich überhaupt keine Alternative", sagt die Pfarrerin. "Kirchentag heißt auch gesellschaftlicher Diskurs, gesellschaftliche Debatte. Die geht auch digital und die sollten wir tun."

Sexualisierte Gewalt als eines der Top-Themen

Und so gibt es nun ein vielfältiges Programm fast komplett online. Podiumsdiskussionen, Musik, Kunst und Kultur. Doch auch im Frankfurter Stadtbild wird der Kirchentag präsent sein. Schon seit dem vergangenen Wochenende stehen an der Hauptwache große blaue Tische – zusammengewachsen zu einer langen Tafel und immer wieder "gedeckt". Nicht mit Geschirr und Besteck, sondern mit dem, was vielen wichtig ist.

Auch die Initiative Maria 2.0 hat ihren Auftritt, die sich für mehr Rechte von Frauen in der Katholischen Kirche einsetzt. Auch das gehöre zum Kirchentag, sagt Küllmer-Vogt. Genauso wie Debatten über Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt in katholischer und evangelischer Kirche. Das Thema sei eines der Top-Themen, denen sich der Kirchentag – und damit auch die Kirchen – stellen.

Künstlerin, Musikerin, Schauspielerin

Zu jedem Kirchentag gehört aber auch das Kulturprogramm mit viel Musik – und das wird es auch digital geben. Das ist Miriam Küllmer-Vogt wichtig. Schließlich steht sie selbst immer wieder auf der Bühne, studierte neben dem Pfarrerjob Gesang am Frankfurter Konservatorium.

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Hier geht es zur Webseite von Miriam Küllmer-Vogt.

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Ob sie lieber auf der Bühne oder der Kanzel steht? "Mir geht es darum, dass ich das, was ich von Gott verstanden habe, mit meinem Herzen, mit meinem Kopf, mit meinem ganzen Wesen mit anderen teile", sagt Küllmer-Vogt. "Zu sehen, wie Menschen ihr Leben verändern, zu sehen, wie Menschen nochmal Mut für den nächsten Schritt bekommen, wie Menschen getröstet werden, wie sie Ideen bekommen – das macht mich total froh."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 12.05.2021, 20.35 Uhr

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