Autor Frido Mann
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Der Musikwissenschaftler, Theologe, Psychologe und Schriftsteller Frido Mann war der Lieblingsenkel von Thomas Mann. Ein Gespräch auf der ARD-Bühne der Buchmesse über eine ganz besondere Enkel-Großvater-Beziehung und das politische Erbe von Thomas Mann.

Von 1942 bis 1952 war die Villa in Pacific Palisades ein Refugium für die Manns, ein Treffpunkt des Exils und ein Ort der Geborgenheit für den Enkel Frido Mann, wie er in seinem neuen Buch "Das Weiße Haus des Exils" schreibt. Vor zwei Jahren erwarb die Bundesregierung das Anwesen mit dem Ziel, dort ein Zentrum des transatlantischen Dialogs zu eröffnen. Kurz bevor es in diesem Sommer soweit war, kehrte Frido Mann dorthin zurück und sammelte Eindrücke und Erinnerungen bei einem Rundgang. Er erinnert sich zum Beispiel an lange Spaziergänge mit seinem Großvater und an Nachmittage, an denen Thomas Mann ihm in seinem Arbeitszimmer Märchen vorlas.

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Obwohl die Mann-Familie überschattet war von Neurosen, Depressionen, Drogen und Selbstzerstörung fand er im Haus seiner Großeltern die Aufmerksamkeit und Liebe, die ihm die eigenen Eltern nicht geben konnten, erzählt Frido Mann. Das Klischee vom gefühlskalten Intellektuellen Thomas Mann lässt der Enkel nicht gelten. "Angeblich soll er ein unnahbarer Vater gewesen sein", sagt Frido Mann, "das war er mir gegenüber nicht. Ich habe ihn immer als sehr angenehm und sehr nahe erlebt". Als er das Buch über die Mann-Villa im Exil schrieb, habe er vor allem "den politischen Thomas Mann" erlebt, "der gekämpft hat für Menschenrechte, Humanismus und gegen den Faschismus und dann aber auch nach dem Krieg in Amerika gegen die McCarthy-Zeit, die erschreckende Ähnlichkeit hat mit der jetzigen Zeit in Amerika".

"Einen gemeinsamen Nenner finden"

An die Geschichte der intellektuellen Auseinandersetzung mit diesen antidemokratischen Bewegungen in den USA soll das Haus in Los Angeles wieder anknüpfen. Frank-Walter Steinmeier hatte noch in seiner früheren Rolle als Bundesaußenminister den Kauf des Hauses unterstützt und von einem "Weißen Haus des Exils" gesprochen, in dem "um Wege zu einer offenen Gesellschaft" gerungen wurde und auch wieder gerungen werden soll. Mittlerweile sind in diesem Sommer die ersten Stipendiaten eingezogen, um mit dem deutsch-amerikanischen Dialog zu beginnen.

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Buchtipp

"Das Weiße Haus des Exils" von Frido Mann
S. Fischer Verlag
20 Euro

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Frido Mann, der sich selbst als "Brückenbauer" sieht, hofft dass dieses Projekt inspirierend ist für die verhärteten deutsch-amerikanischen Beziehungen. Er wünscht sich, "dass Menschen, auch wenn sie noch so unterschiedlich denken und verbissen sind in ihrer Ideologie, trotzdem einen gemeinsamen Nenner" finden durch dieses Projekt. Auch wenn ein Austausch zwischen Intellektuellen, Künstlern und Wissenschaftlern vielleicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. Der Mann-Erbe macht keinen Hehl aus seiner Hoffnung, die er daran knüpft: "Trump muss weg" sagt er im Interview auf der ARD-Bühne und erntet dafür Applaus. "Amerika ist sehr wandelbar – diese jetzige Situation kann dauern, vielleicht auch nicht so lange. Ich glaube immer noch, es kann sich auch wieder mal umdrehen", ist Frido Mann überzeugt. "Jetzt haben wir ja in ein paar Wochen Kongresswahlen und wir können uns überraschen lassen." 

Sendung: hr-iNFO, 14.10.18, 19:35 Uhr

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