Benedikt Gehrling auf dem Pausenhof seiner Schule

Schule ist nicht mehr das, was sie mal war: In Corona-Zeiten sind Änderungen quasi unumgänglich. Trotzdem versucht der Frankfurter Schulleiter Benedikt Gehrling, seinen Schüler*innen so viel Normalität wie möglich zu bieten.

Wenn Schulleiter Benedikt Gehrling ein Bild machen müsste von seiner Schule am Ende des Corona-Jahres 2020, dann würde er die Kinder in der Pause auf dem Schulhof fotografieren: "Mit Maske spielen, mit Maske auf die Kletterspinne hochklettern, mit Maske im Labyrinth rumrennen, mit Maske Fangen spielen, mit Maske Fußball spielen: Das ist für mich ein starkes Zeichen für diese Zeit, für diesen Winter 2020", sagt der Pädagoge.

So viel Normalität wie möglich

Wenig in der Erich-Kästner-Schule im Norden Frankfurts lässt sich noch vergleichen mit der Vorweihnachtszeit im vergangenen Jahr. "Außer dass es kalt ist", so der Schulleiter. Gemeinsames Singen, der Adventsbasar: Vieles, das Gemeinschaft stiftet, muss in diesem Jahr ausfallen. Und trotzdem versucht Gehrling zusammen mit seinen Kolleg*innen, einen geregelten Schulalltag in schwierigen Zeiten zu organisieren.

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"Ich versuche, in der Schule so viel Normalität wie nur irgend möglich aufrecht zu erhalten: dass die Rituale stimmen, wie der Tag anfängt, wie der Tag seinen typischen Rhythmus hat und wie er auch abgeschlossen wird. Ich glaube schon, dass wir da genug Vorsorge treffen, damit die Kinder nicht auch in einer Weise traumatisiert sind oder an diese Zeit voller Grauen zurückdenken", so Gehrling. Was die Kinder sicher nicht vergessen werden, ist ein neues Schul-Ritual: das Lüften.

Lüften: ja, Masken: nein

Die Stadt hatte der Schule Messgeräte versprochen, mit denen die Luftqualität in den Klassenräumen gemessen werden kann. Die sind immer noch nicht angekommen und so organisiert sich die Schule, wie so oft, einfach selbst. "Eigentlich ist eine ganz gute Messgröße: 20 Minuten. Da haben wir in den Klassen auch Kinder, die so einen Timer in die Hand bekommen. Nach 20 Minuten klingelt der und die Kinder gehen dann einfach zum Fenster und öffnen das. Und fünf Minuten später werden die wieder geschlossen."

Dazu gehört, dass die Kleinen Jacken tragen im Klassenraum. Masken dagegen müssen die hessischen Schüler*innen im Unterricht weiterhin erst ab der fünften Klasse tragen. Darüber ist Gehrling froh. Er ist davon überzeugt, dass die Masken von Grundschulkindern nicht gut getragen werden können im Unterricht. "Nicht über so einen langen Zeitraum. Die werden nass, die sind nicht mehr steril, die schützen nicht mehr und nach der Frühstückspause ist da noch eine schöne Nutella-Schleife drauf", so der Schulleiter.

Das Digitale ist keine Option

Dass an seiner Schule bislang nur fünf von insgesamt 450 Kindern infiziert waren, bestärkt Gehrling in seiner Überzeugung. In den Wochen bis zu den Weihnachtsferien will er seine Schule möglichst offen halten und Präsenzunterricht anbieten. Für digitale Angebote ist sein Haus schlicht nicht gut genug ausgerüstet. Außerdem zweifelt der Pädagoge daran, dass digitale Formate in der Grundschule mehr sein können als eine Notlösung.

Während des harten Lockdowns im Frühling hat er beobachtet, wie Kinder, die zu Hause nicht ausreichend unterstützt wurden, zurückgefallen sind. Aber auch für die anderen Schüler*innen war es keine gute Zeit: "Die haben völlig ihren Kompass verloren, die haben ihren Rhythmus verloren."

Schule schafft Stabilität

Die Lehrer*innen der Erich-Kästner-Schule haben zu dieser Zeit Lehrmaterial im Stadtviertel verteilt und wieder eingesammelt. Über Handys haben sie mit den Kindern kommuniziert, kleine Videokonferenzen organisiert. Notlösungen eben. Seine Schule, davon ist Benedikt Gehrling überzeugt, steht aber für viel mehr: "Was wir hier leisten können an Schule, an gesellschaftlicher Stabilität, das ist nicht zu unterschätzen. Die Kinder haben einen Rhythmus, die haben einen festen Fixpunkt am Tag der, indem sie geordnet arbeiten und geordnet zusammengeführt werden." Würde man die Schulen schließen, würde das zu starken Problemen und Verwerfungen führen in den Familien, ist der Schulleiter überzeugt.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 26.11.2020, 19.35 Uhr

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