Kati Schmidt
Kati Schmidt hat sich in San Francisco verliebt. Bild © Sol Cherne, instagram.com/soledadcherne

Kati Schmidt lebt seit 2015 in San Francisco. Sie hat die Wohnungsvermittlungsplattform "Airbnb" mit aufgebaut. In einem Blog steht die 33-Jährige anderen Auswanderern mit Ratschlägen zur Seite. Im Interview gibt sie Einblicke in ihren Berufsalltag und das Leben in Kalifornien.

Acht Mal hat die 33-Jährige bei der Green-Card-Lotterie mitgemacht, bevor ihr großer Traum in Erfüllung ging und sie im Januar 2015 von Münster nach San Francisco auswandern konnte. 2010 war Kati zum ersten Mal in San Francisco, als sie hier ihre Master-Arbeit über Soziale Netzwerke schrieb. Damals habe sie sich total in die Stadt verliebt, erzählt sie ARD-Korrespondent Marcus Schuler: "Mich hat damals schon der Spirit der Innovation sehr angesteckt, da hat mich das Fieber gepackt und seitdem wollte ich wieder zurückkommen." Die Master-Arbeit hat ihr die Tür zum Silicon Valley geöffnet, heute arbeitet sie bei dem großen Internetunternehmen Airbnb, das die Welt des Übernachtens revolutioniert hat. Kati kümmert sich dort um "Experiences", die man über die Plattform bei lokalen Gastgebern buchen und vor Ort erleben kann.

Einfach mal machen

Mittlerweile ist Airbnb kein Start-up mehr, berichtet Kati Schmidt: "Aber ich erinnere mich noch gut daran, als ich vor über sechs Jahren bei Airbnb angefangen habe, da waren meine Familie und meine Freunde eher skeptisch, dass es sich in Deutschland durchsetzen würde. Und niemand inklusive mir hätte gedacht, dass es so schnell wächst." Schmidt liebt den Gründerspirit und die "Can-Do-Attitude" in San Francisco. "Ich finde es interessant, an welchen Ideen Menschen tüfteln. Es geht auch nicht immer nur ums Geld, es gibt auch viele Social-Business-Ideen. Man packt an, man möchte die Welt verändern, das sieht man in den leuchtenden Augen der vielen Gründer, die man hier so kennenlernt."

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Sendezeiten

Fr., 29.12., 19.35 Uhr
Sa., 30.12., 14 Uhr
So., 31.12., 10 & 18.30 Uhr

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Sympathisch findet die Münsteranerin auch die "Pay Forward"-Mentalität der Kalifornier. Zunächst gehe es darum, Kontakte zu knüpfen, sein Netzwerk zu vergrößern und unvoreingenommen zu sehen, wie man anderen Gründern helfen könne, um dann vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt selbst jemanden um einen Gefallen bitten zu können. Das unterscheide die Amerikaner von den Deutschen. "Die denken immer nur, was habe ich denn davon, das bringt mir doch nichts."

Die deutsche Mentalität kommt durch

In ihrem Job landen oft Projektmanagement-Aufgaben bei ihr, erzählt sie. Meistens mit dem Kommentar, sie könne das doch so gut: "Wenn ich Lust darauf habe, nehme ich es als Kompliment." Manchmal spiele sie auch damit, deutsch zu sein: "Ich komme manchmal absichtlich fünf Minuten zu spät und dann sage ich: Oh, das ist aber jetzt gar nicht deutsch von mir." Was ihr persönlich schwerfalle, sei Small talk. Bei einem amerikanischen Meeting rede man erst einmal über das Wetter und die Kinder. Nach fünf Minuten werde sie dann sehr ungeduldig: "Leute, die mich gut kennen, lachen dann auch, die wissen, ich bin deutsch und ich möchte jetzt gern mal anfangen."

Neben ihrer Arbeit bei Airbnb schreibt Schmidt einen Blog für andere deutsche Amerika-Zuwanderer, damit sie Anfängerfehler, die sie selbst gemacht hat, vermeiden können. Auf kaliforniakati.com erklärt sie, wie man eine Kreditkarte oder einen Führerschein beantragt oder wie man bei der Greencard-Lotterie mitmacht. Schmidt hat im Interview mit Marcus Schuler auch ein paar Tipps parat, wie man möglichst schnell in die Stadtgesellschaft eintaucht: "Ich bestelle in Cafés gerne das gleiche, damit mich der, der mich bedient, wiedererkennt und vielleicht sogar mit Namen kennt. Man fühlt sich einfach wohl, wenn man das Gefühl hat, man trifft bekannte Gesichter auf der Straße. Deshalb investiere ich viel ins local Business und laufe sehr viel zu Fuß."

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Living my Dream – Deutsche in Kalifornien

Hier geht es zu Teil 2 mit Katharina Borchert, Chef-Innovatorin bei Mozilla.

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Sendung: hr-iNFO, 29.12.2017, 19.35 Uhr

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