Katharina Borchert
Katharina Borchert ist Chef-Innovatorin bei Mozilla (Archiv-Foto) Bild © Imago

Bevor Katharina Borchert nach Kalifornien gezogen ist, hat sie schon mehrfach im Ausland gelebt. Als "rastlos" beschreibt sie sich selbst, was sich auch in ihrem Lebenslauf niederschlägt. 15 Jahre lang war sie im Journalismus beschäftigt. Heute ist sie Chef-Innovatorin der Internetfirma Mozilla.

Der Wunsch, ins Silicon Valley zu gehen, entstand vor einigen Jahren: "Je öfter ich hier war, je mehr ich gesehen habe, wie enorm der Einfluss von Technologieunternehmen und Produkten auf unser Leben, unseren Alltag, unsere Kultur und unser gesellschaftliches Zusammenleben ist, desto mehr ist mir klar geworden, dass ich da eigentlich ganz gern mal für eine Weile hingehen würde."

Vor vielen Jahren hatte Borchert die Mozilla-Gründerin Mitchell Baker kennengelernt: "Sie ist eine richtige Silicon Valley-Ikone und Visionärin. Und sie hat ein Talent: Leute zu Mozilla zu ziehen und erst einmal dazu zu kriegen, ehrenamtlich zu arbeiten. Hier gehen fantastische Leute ein und aus, nur weil Mitchel die mal in ihrem Dunstkreis hatte."

Zur Entspannung nach Sausalito

So begann auch Borcherts Silicon-Valley-Karriere. Immer, wenn sie für Spiegel Online beruflich vor Ort war, habe sie mit Mitchel Kaffee getrunken und schließlich jedes Mal ein bis zwei Tage Urlaub genommen, um ehrenamtlich bei Mozilla tätig zu sein. Dann kam das Angebot, in den Aufsichtsrat und schließlich als Chef-Innovatorin ins operative Geschäft von Mozilla zu wechseln.

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Sa., 30.12., 10 & 18 Uhr
So., 31.12., 14 Uhr

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Borchert kommt viel herum. Fünf Monate im Jahr ist sie unterwegs, um ihr weltweit angesiedeltes Team zu besuchen oder Vorträge zu halten. Wenn sie in Kalifornien ist, muss sie früh aufstehen, um die Zeitverschiebung wett zu machen. Gerne mietet sie sich auch mal für ein paar Tage ein Hausboot vor Sausalito, wenn sie mal einen Perspektivwechsel braucht. Im Schnitt ist sie alle sechs Wochen in Berlin, kein Grund also, Deutschland zu vermissen.

Im Herzen Westfälin

Was Katharina Borchert dennoch manchmal vermisst, sind deutsche Charaktereigenschaften, sagt sie im Interview: "Deutsche sind international verrufen dafür, dass sie so sehr direkt sind, was andere Kulturen als unhöflich empfinden. Mir fehlt das aber manchmal." Die Kommunikationskultur in Kalifornien sei ausgesucht höflich, was Borchert toll findet, wenn sie Essen geht oder Taxi fährt: "Es ist nicht so wie in Berlin, wo man quasi darum bitten muss, dass jemand das eigene Geld entgegennimmt." In einem beruflichen Kontext sei es aber schwierig, wenn Menschen extrem höflich seien und man sich nicht direkt sagen könne, was Sache sei: "Meine Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, ist nicht besonders ausgeprägt. Die hemdsärmelige, westfälische Art fehlt mir manchmal."

Zu schätzen weiß Katharina Borchert das Entwicklungstempo in Kalifornien: "Wenn man eine Idee hat und es gelingt, zwei, drei Leute dafür zu begeistern, dann probieren wir Sachen einfach aus, da gibt es nicht sechsmonatige Debatten und Gremiendiskussionen und nochmal fünf Leute, die ihren Senf dazugeben." Im Silicon Valley denke man viel größer, manchmal auch größenwahnsinniger, beobachtet die Deutsche: "Auch mal Projekte angehen, die vielleicht ein bisschen irrsinnig und überambitioniert erscheinen, damit auch die Freiheit, sich selbst neu zu erfinden, das fasziniert mich und das genieße ich sehr."

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Living my Dream – Deutsche in Kalifornien

Hier geht es zu Teil 1 mit Kati Schmidt, Mitbegründerin von Airbnb.

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Sendung: hr-iNFO, 30.12.2017, 10 Uhr

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