Portrait des Kunsthistorikers Thomas Gaehtgens
Kunsthistoriker Thomas Gaehtgens Bild © Imago

Seit 2007 leitet Thomas Gaehtgens das Getty Research Institute in Los Angeles - mit einem riesigen Kunsthistorischen Archiv und beispiellosen Forschungsmöglichkeiten. Bald geht es für ihn zurück nach Berlin. Mit Reinhard Spiegelhauer aus dem ARD-Studio Los Angeles blickt er zurück.

Einen Trip in den Grand Canyon oder nach Las Vegas hat Thomas Gaehtgens in zehn Jahren Los Angeles nicht geschafft. An der schönen Landschaft und dem tollen Wetter kann man seine Begeisterung für Kalifornien also nicht festmachen. Es sei die Energie in diesem Land, sagt Gaehtgens im Interview: "Was mich begeistert hat, ist die Dynamik, das immer weiter Fortschreiten. Wenn ich nach Deutschland kucke und meine Kollegen sehe, dann hat man manchmal den Eindruck, es ist alles ein bisschen bürokratisiert."

Thomas Gaehtgens ist jetzt seit über zehn Jahren Teil der Getty-Welt in Brentwood. Er residiert mit seinem Institut, genauso wie das bekannte Getty-Museum, in einem spektakulären Bau auf einem Hügel über Los Angeles. In das Museum pilgern die Touristen, in das Getty Reseach Institute kommen Kunsthistoriker und Forscher aus aller Welt. Hier werden Archive und Nachlässe von Künstlern, Architekten und Kunsthistorikern angekauft, restauriert, katalogisiert und der Forschung zugänglich gemacht. "Wenn ein Kollege einen Brief von Max Ernst oder von Kirchner benötigt, dann digitalisieren wir den und schicken ihn zu", ergänzt Gaehtgens.

"Wir bewahren viele Bauhaus-Akten auf"

In Deutschland gibt es nicht genügend Orte, an denen Nachlässe und Archive professionell aufbewahrt werden, beklagt Gaehtgens. Deshalb wandern auch viele deutsche Sammlungen in sein Haus. "Wir bewahren hier zum Beispiel einen großen Teil der Bauhaus-Akten auf", ergänzt er. Liegt es nur am Geld, das der Milliardär J. Paul Getty einst gestiftet hat? Nein, sagt Gaehtgens, den größten Teil der Archive bekomme er heute als Schenkung. Viele Künstler seien froh, wenn sich das Getty meldet. Sie wüssten, dass hier professionell gearbeitet werde. "Was nützt es, wenn Werke und Dokumente in Kisten in der Ecke stehen", argumentiert Gaethgens, wenn er Archive außer Landes bringt.

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Di., 1.5.18, 07:05, 11:35 und 16:35 Uhr

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Gaehtgens will aber nicht als Beutejäger dastehen. Bei Ankäufen wird deshalb zunächst überlegt, ob man Dinge im Herkunftsland belassen kann. So sei das auch bei einem großen Coup gewesen, den Gaehtgens landen konnte: den Ankauf des Harald Szeemann-Archivs. An der riesigen Sammlung des Kunsthistorikers und Ausstellungsmachers Harry Szeemann habe auch die Stadt Kassel Interesse gehabt. Doch letztlich gab es nach Worten Gaehtgens "X-Gründe", warum andere Institute ablehnten. "Ich hätte es auch besser befunden, wenn das Archiv in Europa geblieben wäre", sagt er.

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Serie: Living my Dream - Deutsche in Kalifornien

Teil 1: Kati Schmidt: "Es geht nicht immer nur ums Geld"

Teil 2: Katharina Borchert: "Die hemdsärmelige Art fehlt mir manchmal"

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Bald geht Thomas Gaehtgens' Zeit am Getty Research-Institute in Los Angeles zu Ende. Er kehrt dann zurück nach Berlin. Nach Kalifornien will er immer mal wieder reisen – das hat er sich fest vorgenommen. Nicht zuletzt, um endlich einmal die einzigartigen Landschaften zu bereisen.

Sendung: hr-iNFO, 01.05.18, 07:05 Uhr

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