Stephan Thome im hr-iNFO-Studio
Bild © hr

Mit seinem Roman "Gott der Barbaren" taucht Stephan Thome tief ein in die Geschichte des kaiserlichen China im 19. Jahrhundert. Gleichzeitig hat das Buch aber ganz viel mit uns heute zu tun.

Die Interview-Box für Stephan Thome
Ein Blick in die Interview-Box für Stephan Thome Bild © hr

"Ach Du meine Güte", das ist die erste Reaktion, als Stephan Thome mitten im Interview mit hr-iNFO den Deckel der Das Interview-Box öffnet.  In der Box: eine Panda-Figur, chinesische Essstäbchen, eine Teetasse – und eine Winkekatze. Alles Dinge, die man hierzulande mit China in Verbindung bringt. Und alles Dinge, die für den studierten Sinologen Thome nicht zuletzt eins zeigen: Auch heute beherrschen vor allem Klischees unser Bild von China.

Ein Bild bestimmt von Vorurteilen

Audiobeitrag

Podcast

zum Artikel Stephan Thome - Schriftsteller

Ende des Audiobeitrags

Und damit sind wir eigentlich mittendrin in Thomes neuestem Roman: "Gott der Barbaren", dessen Geschichte im China des 19. Jahrhunderts spielt. Der sogenannte Taiping-Aufstand erschüttert das riesige Kaiser-Reich. Und nicht nur das: Auch die Briten wollen China ihrem "Empire" einverleiben – vor allem, um gute Geschäfte zu machen - Opiumgeschäfte.  Inmitten dieser historischen Kulisse erzählt "Gott der Barbaren" davon, wie jede Seite die andere allein als Barbaren wahrnimmt und nicht in der Lage ist, den anderen zu verstehen. Das Bild bestimmen die eigenen Vorurteile und – eben – Klischees.

Eindrücklich beschreibt Thome anhand dreier Protagonisten, einem deutschen Missionar, einem chinesischen General und einem englischen Lord, wie sehr die Beteiligten in ihrer eigenen Wahrnehmung gefangen sind, und wie sehr sie dadurch zum Spielball der Ereignisse werden. Ereignisse, die Thome im Stile eines Abenteurer-Romans beschreibt. Er wolle "die Leser mitten hineinwerfen in diese sehr turbulente Zeit", erzählt der Autor.

Wenig Wissen über China

Dazu kommt ein zweites hochaktuelles Element: die chinesischen Taiping-Aufständischen werden angefeuert von einer kruden christlichen Lehre, importiert durch Missionare und - falsch verstanden - Grundlage für ein besonders rabiates und gewaltsames Vorgehen. Die zerstörerische Kraft eines religiösen Fanatismus. Stephan Thome empfand das von Anfang an als einen zweiten zentralen Punkt, der uns heute mehr denn je betrifft. "Wir hören religiöser Fanatismus und denken sofort an den Islam oder den Islamismus, aber im China des 19. Jahrhunderts waren es eben christliche Fanatiker", sagt Thome. 

Weitere Informationen

Gott der Barbaren

von Stephan Thome
Suhrkamp Verlag
25,70 Euro

Ende der weiteren Informationen

Womit wir auch wieder bei den Gegenständen aus der Interview-Box sind. Heute scheint uns China zwar näher, aber nach wie vor bestimmen Klischees die europäische Sicht aus China. Wer weiß in Deutschland schon etwas von der blutigen Taiping-Revolution mit geschätzten 20 bis 30 Millionen Toten, oder von der Rolle der christlichen Missionare aus Europa bei diesem Aufstand. Für Thome, der aus dem hessischen Biedenkopf stammt, aber seit vielen Jahren in Taipeh, Taiwan lebt, ist das ein Problem: "Wenn man sich mit Chinesen auseinandersetzt, ist man sofort in einer defensiven Position, weil die Chinesen sofort argumentieren, bevor der Westen uns kritisiert, sollte er erst mal ein bisschen mehr über unser Land wissen".

Sendung: Das Interview, 10.10.18, 19:35 Uhr

Jetzt im Programm