Tote Schweine hängen in einem Schlachthof

In Deutschland wurden zuletzt 7,8 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Zwei Drittel davon kommen vom Schwein. Das bekommen die Schweinebauern aber gar nicht mehr alles unter die Leute.

Fleisch im Supermarkt ist oft billig. Darunter leiden die Bauern. Vor allem die Schweinebauern stöhnen schon lange: Sie exportieren weniger, sie bekommen weniger Geld für die Tiere und der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland geht seit Jahren zurück. Vor 20 Jahren aß jeder hierzulande noch rund 40 Kilo Schweinefleisch pro Jahr, mittlerweile sind es 32.

2020 wurden in Deutschland 53 Millionen Schweine geschlachtet: Das waren 5,1 Millionen Tonnen Schweinefleisch für Schnitzel, Hackfleisch oder Wurst. Knapp die Hälfte des Schweinefleisches geht in den Export. Durch Corona ist die Nachfrage allerdings nicht nur in Deutschland zurückgegangen.

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Schweine stehen in einem Stall. (dpa)
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Keine halben Schweine

Weniger Restaurantbesuche, keine Veranstaltungen oder Grillfeste: Viel Schweinefleisch lagert jetzt in Kühlhäusern. Und seit vor gut einem Jahr auch in Deutschland die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen ist, darf nicht mehr nach China exportiert werden, sagt Thorsten Staack.

"Da kann eben nichts mehr hingeliefert werden, und das ist auch wichtig, weil da Teile hingehen, die in Europa nicht gegessen werden, also Pfoten und Schweineköpfe", so der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands. "Für den Bauern geht es ja immer darum, das ganze Schwein zu verwerten, er kann ja keine halben Schweine züchten."

Schweine sind nicht mehr rentabel

Die Preise für Schweinefleisch sind in den vergangenen knapp zwei Jahren in den Keller gerauscht. Für ein Ferkel gibt es derzeit 20 Euro, nur noch ein Viertel von dem, was es Anfang 2020 gab. Für ein Kilo Schweinefleisch gibt es im Moment zwischen 1,25 und 1,30 Euro – vor eineinhalb Jahren waren es noch knapp 2 Euro.

"Derzeit verliert jeder Schweinehalter pro Schwein 60 bis 70 Euro", rechnet Staack vor. "Wir haben es mit einer Absatzkrise zu tun, weil die Niedrigpreisphase ja schon eineinhalb Jahre dauert, und dann ist es klar, dass viele Betriebe vor dem wirtschaftlichen Aus stehen."

Billigfleisch aus anderen Ländern

Auf dem Schweinefleisch-Markt herrscht ein harter Wettbewerb: In den letzten zehn Jahren haben gut 11.000 Schweinebauern aufgegeben. Aktuell gibt es deutschlandweit nur noch knapp 20.000 Betriebe, die Schweine züchten und mästen. Der Bestand an Schweinen ist von knapp 28 auf rund 25 Millionen zurückgegangen.

In anderen Ländern wie etwa in Spanien wird hingegen zunehmend Schweinefleisch produziert und exportiert. Die Folge für Verbraucher: Schweinefleisch ist billig. Im Supermarkt um die Ecke gibt es 500 Gramm Hack für 2,99 Euro. "Ich würde so was nicht essen", sagt zwar Staack, Tatsache ist aber: Die meisten Kunden kaufen billig. Und die Kühlhäuser sind noch immer randvoll: Rund 260.000 Tonnen Schweinefleisch lagern hier. Einige Discounter haben jetzt angekündigt, in großen Aktionen mehr Fleisch billig verkaufen zu wollen.

Der Druck auf die Bauern steigt

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter begrüßt das: "Es klingt absurd und paradox, aber es ist die wirksamste Akutmaßnahme, die man momentan machen kann. Der Preis wird sich erst erholen, wenn wir diese hohen Lagerbestände weg haben, so bitter das auch für die Bauern ist", erklärt Staack.

Laut einer aktuellen Umfrage des Verbandes will die Hälfte der Schweinebauern innerhalb der nächsten zehn Jahre aussteigen. Die Situation sei insgesamt einfach zu angespannt und der Druck auf die Bauern dürfte weiter wachsen. Politik, Kunden und auch Handelsketten fordern zunehmend bessere Haltungsbedingungen für die Schweine. Derzeit wird laut statistischem Bundesamt gerade einmal ein Prozent von ihnen in Deutschland ökologisch gehalten.

Umbau als Millionenprojekt

Schweinebauer Norbert Klapp hält die meisten seiner Tiere konventionell. Für einige hat er den Stall zwar schon umgebaut, aber eben längst nicht für alle. "In diesem Stall ist es schwer bis unmöglich, den umzubauen. Das ist ein Stall wie er bis vor zehn Jahren noch gefördert wurde, hier können wir nicht einfach eine Wand rausnehmen und dann sagen, das ist ein Außenklimastall", sagt er.

Mit anderen Worten: Er müsste neu bauen. Es wäre ein Millionenprojekt. Aber möglicherweise wäre das zukunftsträchtig. Der Bund fördert den Umbau zunehmend – und auch viele Verbraucher wären bereit, mehr für ihr Fleisch zu zahlen, wenn das Tierwohl berücksichtigt wird.

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