Ein älterer Herr sitzt am Empfang und telefoniert

Immer mehr ältere Menschen sind erwerbstätig und der Blick in die Zukunft zeigt: Die Bevölkerung wird künftig noch wesentlich stärker als heute von älteren Menschen geprägt sein.

Aktuell ist jeder fünfte Bürger in Deutschland im Seniorenalter - Tendenz steigend. Der Anteil der 65- bis 69-Jährigen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, hat sich laut Statistik in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Aber immer noch ist es als älterer Arbeitsloser schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, sagt Katja Gramsch. Sie ist im Jobcenter Frankfurt für ältere Arbeitnehmer zuständig. "Weil viele Arbeitgeber doch noch den jüngeren Mitarbeiter suchen", sagt sie. Oft sehe man in Stellenausschreibungen den Satz "Junges Team sucht". "Und da wissen Sie ganz genau, da müssen Sie sich mit 50 nicht mehr drauf bewerben“, sagt Gramsch.

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Doch es hat auch bei manchen Unternehmen ein Umdenken stattgefunden. Auch den Firmen bleibt der demografische Wandel nicht verborgen. Teilweise haben sie die Situation erkannt, so der Soziologe Oliver Nüchter: "Es gibt Untersuchungen, die sagen, dass Betriebe durchaus wissen, dass sie die Älteren brauchen, und auch sagen, das ist eine wichtige Ressource für die zukünftige Fachkräfte-Sicherung, weil immer weniger Junge nachrücken".

"Wenn der Leidensdruck groß genug ist, bewegen sich die Betriebe"

Viele Unternehmen würden den Arbeitnehmern Teilzeit anbieten, doch dieses Modell ist eher dafür geeignet, sie aus dem Unternehmen ausscheiden zu lassen. Firmen die Lebens- und Arbeitserfahrung älterer Mitarbeiter nutzen möchten, und vielleicht auch müssen, weil die Belegschaft einfach älter, wird versuchen, so die Beobachtung von Oliver Nüchter, Lösungen zu finden. "Wir sehen natürlich, dass Betriebe, die heute schon den Handlungsdruck haben, weil sie wissen, dass sie zukünftig sehr viele Ältere haben, jetzt schon mehr tun", so Nüchter. "Das ist ein Effekt, den wir oft feststellen. Wenn der Leidensdruck groß genug ist, dann bewegen sich die Betriebe auch.“

Aber es gibt auch Betriebe, die ohne Druck oder Zwang aktiv ältere Mitarbeiter suchen, um ihrer Mitarbeiterstruktur eine andere Mischung  zu geben. Die Bahn geht diesen Weg aus verschiedenen Gründen. 19.000 Stellen müssen dieses Jahr besetzt werden und der  Arbeitsmarkt ist leergefegt. Hans Peter Zollinger von der DB Cargo beschreibt die Situation im Bayrischen Fernsehen so: "Wir legen schon bewusst Wert darauf, auch erfahrene Menschen zu bekommen, die uns in der Organisation insgesamt helfen. Wir wollen einen guten Mix haben aus jungen, vielleicht nicht so ganz lebenserfahrenen Bewerbern und lebenserfahrenen Bewerbern".

Mehr als finanzielle Anreize

Zu diesen gehört der 55-jährige Ralf Hädeke, früher war er Mediendesigner und Fotograf. Seit April macht er eine Ausbildung zum Triebfahrzeug-Führer. Eine Chance, mit der er kaum noch gerechnet hatte. "Es war schon frustrierend", sagt er, "da hat man ehrlich gesagt gedacht, da kommt nicht mehr viel. Und dann macht man plötzlich so ein Erlebnis mit und dann findet man eine Stelle, wo man hingehört".

Aber nicht nur finanzielle Aspekte spielen bei älteren Mitarbeitern eine Rolle. Rund 90 Prozent der Befragten zwischen 58 und 69 Jahren gaben an, sie hätten Spaß bei der Arbeit, bräuchten den Kontakt zu anderen oder wünschten sich eine Aufgabe. Das geht aus der Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung  hervor.

Sendung: hr-iNFO, 18.10.18, 16:10 Uhr

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