Landwirtschaft Feld Dünger Traktor

Einerseits sind Felder, Wiesen und Weiden Lebensräume für zahlreiche Arten. Andererseits will die industrialisierte Landwirtschaft das Letzte aus den Böden herausholen. Als bitterer Lohn für den Kampf um das Bestehen auf den Märkten geht die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft seit Jahren zurück.

Lange galt sie als ein Garant für Arten- und Lebensraumvielfalt in unserer Kulturlandschaft: die Landwirtschaft. Doch inzwischen zählt sie zu den treibenden Kräften für den Verlust biologischer Vielfalt. Die Entwicklung setzte schleichend seit den 50er-Jahren ein. Das Bundesumweltamt nennt für sie vor allem zwei Gründe: Nämlich, dass der Anbau von Nutzpflanzen immer intensiver betrieben wird. Und dass das Halten von Tieren immer mehr industrialisiert worden ist.

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In dem Maß, in dem die Landwirtschaft intensiviert wurde, entstanden Monokulturen. Es verschwanden Flurgehölze, Hecken und Blühstreifen, aber auch Wiesen und Weiden. Sie sind einer der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas – wenn man sie bestehen lässt und nicht zu Ackerland macht. Ein Trend, zu dem auch die Förderung des an sich sinnvollen Anbaus nachwachsender Rohstoffe wie Raps und Mais beigetragen hat.

Steigender Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln

Ein Hauptproblem auf den Äckern, so das Bundesumweltamt, ist der steigende Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln. Sie lassen Ackerkräuter gar nicht erst wachsen. Und sie beeinträchtigen die Vielfalt der Bodenlebewesen – die übernehmen aber wichtige Funktionen beim Erhalt der Ertragsfähigkeit und Bodenfruchtbarkeit. Ein weiteres Problem sind steigende Düngermengen. Weite Teile unserer Pflanzen- und Tierwelt drohen derzeit wegen Übersättigung auszusterben.

Der Rückgang an Vielfalt betrifft auch Nutzpflanzen und Nutztiere. Ein Beispiel: Etwa jede zehnte der rund 340.000 Pflanzenarten der Erde ist potenziell für den Menschen nutzbar. Doch seit dem 19. Jahrhundert ging das Spektrum zurück, weil sich die Landwirtschaft konzentrierte und spezialisierte. Heute spielen für die menschliche Ernährung nur rund 150 Pflanzenarten eine bedeutendere Rolle. Und von denen decken 30 rund 95 Prozent des weltweiten Kalorienbedarfs.   

Forderung: Radikale Kehrtwende in der Landwirtschaft

Was tun? Gesetze im Bereich des Pestizid- und Düngereinsatzes brachten punktuelle Verbesserungen, reichen aber für eine Umkehr beim Verlust der Artenvielfalt nicht aus. Naturschutzverbände fordern deshalb eine radikale Kehrtwende in der Landwirtschaft. Den Agrarsektor ökologisch nachhaltig neu aufstellen, diese Hoffnung verbinden sie mit der für Herbst 2019 angekündigten Ackerbaustrategie der Bundesregierung und mit der Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik.

Gesucht werden Lösungen, die das Wohl der Umwelt mit dem Wohl der Landwirte verbinden. Auch die gibt es schon punktuell – so fördert etwa das WWF-Projekt "Landwirtschaft für Artenvielfalt" die langfristige Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Doch auch hier steigt die Effektivität, wenn sich Naturschutz, Landwirtschaft und Politik noch besser verzahnen. Dafür gibt es auch konkrete Vorschläge. Etwa, dass Betriebe, die wenig zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beitragen, künftig weniger Unterstützung bekommen. Aber bis es dazu kommt, wird vermutlich noch einige Zeit ins Land gehen – hoffentlich nicht zu viel.

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