Zwei junge Muslima mit Kopftuch sitzen auf einer Wiese.

Das islamische Kopftuch polarisiert. Doch Kopfbedeckungen für Frauen gibt es in vielen Religionen. Ein Überblick.

Dass Frauen ihr Haar sittsam bedecken sollen, gibt es nicht nur im Islam. Orthodoxe Jüdinnen gehen ebenfalls nicht ohne Kopftuch, ohne ihr "Tichel" aus dem Haus. Und für Katholikinnen war noch bis ins 20. Jahrhundert vorgeschrieben, bei der Messe den sogenannten Kommunionschleier anzulegen. Diese sogenannte Mantilla sieht man heute noch, wenn der Papst Frauen in Audienz empfängt - sie müssen dann Schleier tragen. Selbst Melania Trump kam züchtig bedeckt zu Franziskus.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Symbol der Würde oder Unterdrückung? Kopftuch-Konferenz an der Frankfurter Goethe-Uni

Podcast aktuell
Ende des Audiobeitrags

Auch in allen orthodoxen Kirchen, bei manchen Baptisten oder den Hutterern gilt bis heute generelle Schleier-Pflicht. Weil der Apostel Paulus (1 Korinther 11, 5-6) forderte, dass Frauen beim Gebet den Schleier tragen sollen, und weil man unablässig beten soll, ergab sich das Gebot für diese christlichen Gruppen folgerichtig. Klosterfrauen trifft man ebenfalls nicht ohne Kopfbedeckung. Wer ins Kloster eintritt, nimmt zum Zeichen seiner Bindung an Gott bei der sogenannnten Jungfrauenweihe ebenfalls den Schleier und ist dann "unter der Haube".

Keine Pflicht zum Kopftuchtragen im Koran

Im Islam gehört der Schleier fest zur Kleiderordnung. Im Koran allerdings sucht man eine Pflicht zum Kopftuchtragen vergeblich. Im heiligsten Buch der Muslime heißt es nur, dass die Frau ihre Blöße bedecken soll, weil damals die altarabischen Gewänder offenbar vorne einen großzügigen, Einblicke gewährenden Schlitz hatten, den man bedecken soll. Erst die später zusammengestellten sogenannten "Hadithe" - Aussprüche und Anweisungen des Propheten - lieferten den Rechtsgelehrten den Stoff für die Schleierpflicht der Frau.

Wie das umgesetzt wird, ist kulturell sehr unterschiedlich: Von der Burka mit Augenschlitz wie in Pakistan oder sogar mit Stoffgitter vor den Augen wie in Afghanistan bis zum lockeren Kopftuch wie in der Türkei gibt es eine ganze Bandbreite. Ob das Tuch nun Symbol patriarchaler Machtausübung ist oder Frauen in ihrer Würde schützt, ist Gegenstand des Streits um dieses Stück Stoff. Ein religiöses Symbol im engeren Sinn ist es auf jeden Fall nicht - und für die Pflicht es zu tragen, kann man den Koran nicht in Anspruch nehmen.

Jetzt im Programm