DHL-Paketbote im Einsatz
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Die Post könnte bald das Porto wieder erhöhen. Doch bei den Paketzustellern kommen die neuen Einnahmen nicht an. Unser Reporter hat einen von ihnen bei seinem knochenharten Job begleitet.

Es dämmert gerade und die Morgensonne versucht sich zögerlich durch die Wolken über den Kasseler Bergen hindurchzuschieben. Ich treffe Frank mit seinem gelben LKW. DHL steht auf der Seitenwand in großen schwarzen Lettern geschrieben. Frank bietet mir aus seiner Thermoskanne einen Becher heißen Kaffee an. "Wenn Sie älter werden, werden Sie auch erfahrener, routinierter, werden gelassener, ruhiger. Vor allen Dingen: Sie sind dann auch ein bisschen klüger", sagt Frank und meint damit, dass er morgens gerne eine Viertelstunde früher anfängt. Man könne zwar auch auf den Gongschlag kommen, sagt er. Aber dann habe man Stress. "Dann haben Sie Stress, weil die Straßen voll sind, die Ampeln rot sind. Dann gibt's einen Unfall, die ganze Stadt ist zu und dann fahren Sie nur der Zeit hinterher", erzählt er von seinem Alltag.

Der LKW ist bereits komplett beladen, mit Postsendungen für Großkunden, so erklärt mir Frank. Die seien eigentlich immer sehr nett, meint der Paketzusteller, der bereits seit 30 Jahren in Sachen Post unterwegs ist und seitdem tausende von Kilometern hinter sich gebracht hat. Es sei ein harter Job, meint der Mann mit den grauen Haaren. Natürlich hätten die Pakete auch so ihr Gewicht – aber das sei es nicht. Was den Job so schwer machen würde, meint Frank, sei die Ellenbogenmentalität, mit der er tagtäglich zutun bekäme, zum Beispiel auf den Straßen Nordhessens. Stecke man im Verkehr fest, lasse einen niemand durch. "Das interessiert keinen", sagt er.

"Kein Paketdienst nagt am Hungertuch"

Und dann der monatliche Blick auf den Kontoauszug – nicht gerade berauschend. Dabei ginge es ihm ja eigentlich auch noch ganz gut. "Für 13,25 Euro plus Zulagen – da kann ich für einen Zehner auch irgendwo putzen gehen. Da habe ich keine Verantwortung", sagt Frank. Von den Preiserhöhungen, die die Post nun für Großkunden, also seine Kunden, plant, da wird wohl nicht viel in seiner Gehaltsabrechnung landen, lacht Frank und tritt im gleichen Augenblick scharf auf die Bremse, weil sich ein Kleinwagen mit Macht noch schnell einen Platz vor ihm an der Ampel erkämpft. Alles sei nur für die Aktionäre, sagt er. "Das sind die Leute, die daran verdienen."

Sigrun Rauch, von der Bundesverwaltung Verdi in Berlin und zuständige Bereichsleiterin Postdienste Spedition und Logistik, kennt die Probleme der Paketzusteller. "In Deutschland sind fünf große Paketdienste aktiv. Kein Unternehmen davon nagt am Hungertuch." In Sachen DHL sei man da sogar noch ganz gut aufgestellt, so die Gewerkschafterin weiter. "Die Einkommen wurden hier am 1. Januar 2018 um drei Prozent erhöht. Und nächstes Jahr im Januar gibt es eine weitere Erhöhung um zweieinhalb Prozent. Ende 2019 geht es dann in eine neue Tarifrunde."

Die gelben LKWs unter Zeitdruck

Wir stoppen an einem Tor zu einer bekannten nordhessischen Einrichtung. Das Tor öffnet sich und Frank lässt den LKW vor das Empfangsgebäude rollen. Man kennt ihn hier seit Jahren und so werden ein paar nette Worte gewechselt. Dann die Unterschrift für die empfangenen Pakete auf einem digitalen Display und es geht schon wieder weiter zur nächsten Firma. Immer wieder das Gleiche. Anmelden, Abladen, Unterschreiben und weiter. Ich frage, ob ich da nicht helfen kann. Frank lacht. Das gehe nicht. Das sei eine Frage der Versicherung und außerdem würde ich nur sein System durcheinander bringen. Nach fünf Stunden machen wir eine Pause. Ich will noch wissen, ob Frank sich heutzutage noch einmal den Job als Paketzusteller suchen würde. Frank überlegt. "Also wenn ich einen Sechser im Lotto machen würde, würde ich keinen Tag mehr kommen. Ich mache ihn aber gerne, den Job."

Ich verabschiede mich von dem netten Fahrer, der mir einen halben Tag lang Einblick in seinen Job gewährt hat. Und ich nehme mir vor, in Zukunft auch im Straßenverkehr noch intensiver auf die gelben LKWs zu achten. Von deren Fahrern ich nun weiß, wie sehr sie zeitlich unter Druck stehen, wenn sie die Pakete zu den Kunden bringen.

Sendung: hr-iNFO, 22.8.18, 8.10 Uhr

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