Radweg in Baden-Württemberg
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Sehr prestigeträchtig ist das Projekt Schnellradweg zwischen Frankfurt und Darmstadt nicht mehr. Wird es dennoch eine Verbesserung sein?

Zwischen Darmstadt und Frankfurt entsteht in den kommenden Jahren ein etwa 30 Kilometer langer Fahrradweg. Die Verbindung sollte Hessens erster Radschnellweg und ein Prestigeprojekt werden. Doch der Ausbau wird viel bescheidener ausfallen, als ursprünglich angekündigt.    

Für Heiko Nickel ist der Fall klar: Die künftige Radverbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt werde die Infrastruktur für Radler im Rhein-Main-Gebiet nachhaltig verbessern, sagt der überzeugte Radfahrer und Landessprecher des VCD, des Verkehrsclubs Deutschland. „Ich glaube, das ist ganz essenziell. Gerade für Frankfurt sind alternative Möglichkeiten, in die Stadt zu kommen, wegen der Pendlerthematik ganz wichtig. Eine gut ausgebaute, leicht befahrbare, sichere und querungsfreie Strecke ist da ganz wichtig“, sagt Nickel.

Es fehlt an Konsequenz

Die eine oder andere Straße werden die Radler schon überqueren müssen. Und dass das Projekt, das achteinhalb Millionen Euro kosten soll, offiziell gar nicht mehr als Radschnellweg bezeichnet wird, hat Gründe. Für solche Fahrrad-Autobahnen gibt‘s klare Kriterien. Und die wird das hessische Modellprojekt nicht erfüllen. Weder wird die Strecke vier Meter breit ausgebaut, noch wird sie durchgehend asphaltiert und beleuchtet sein. Im Frankfurter Stadtwald soll es gar keine Bodenversiegelung geben. Bertram Giebeler, der verkehrspolitische Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Frankfurt, hält das für falsch. „Da herrscht einfach die Vorstellung: In unseren Wald kommt kein Asphalt. Das Umweltdezernat hat offenbar gar kein Interesse daran, den Radverkehr ernsthaft zu steigern", sagt er.

Giebeler begrüßt die Direktverbindung. Was er vermisst, ist Konsequenz. „Natürlich haben wir nichts dagegen, dass man das jetzt so macht. Andererseits ist das Resultat so, dass ich nach Fertigstellung dieser Raddirektverbindung keine Sekunde schneller auf dem Stadtgebiet Frankfurt unterwegs sein werde, als ich das jetzt schon bin“, sagt Giebeler.

Besser als jetzt werde es allemal

Genau das sollte diesen Weg eigentlich auszeichnen: Dass man dort als Radfahrer nicht nur sicher, sondern eben auch schnell vorankommt. Das werde trotz einiger Abstriche auch so sein, sagt Manfred Ockel. Der Bürgermeister von Kelsterbach ist Geschäftsführer der Regionalpark Südwest GmbH. Die ist für den Bau der Radtrasse verantwortlich. Dass das Vorhaben sinnvoll ist, steht für Ockel außer Frage: „Es lohnt sich auf jeden Fall. Wir wollen für die Fahradfahrer neue Wege schaffen. Auch wenn vielleicht dieses Projekt nicht optimal an der einen oder anderen Stelle verläuft, so sind wir, glaube ich, in einer guten Situation, eine Alternative insbesondere zum Auto zu bieten.“

Im Rhein-Main-Gebiet werden schon die nächsten Fahrrad-Schnellverbindungen geplant – zum Beispiel die Strecke Hanau, Maintal, Frankfurt. Manfred Ockel hofft auf eine Art Dominoeffekt. „Ein Pilot soll vor allen Dingen auch andere Fahrrad-Direktwege oder Fahrrad-Schnellwege generieren. Und die Erfahrungen die wir machen, positiver und negativer Art, wollen wir weitergeben", sagt Ockel.

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Im Oktober sollen die Arbeiten an der Rad-Direktverbindung Darmstadt – Frankfurt beginnen. Sie mag nicht so spektakulär werden wie angekündigt. Aber besser als jetzt werde es allemal, sagt VCD-Sprecher Heiko Nickel. „Status Quo ist, dass man bei starkem Regen irgendwo im Wald versackt und überhaupt nicht mehr weiterkommt. Wenn der Weg überhaupt wenigstens mal ganzjährig befahrbar ist durch eine etwas befestigte Oberfläche. Wenn ich weiß, dass ich Querungshilfen habe und dass es beschildert ist, dann ist das schon super. Ob das dann den Definitionen eines Radschnellweges entspricht, das ist für den Radfahrer am Ende gar nicht so wichtig.“

Sendung: Freitag, 20.4.2018, 16.30 Uhr

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