Faltige Hände halten Kleingeld

Die Grundrente soll es für Menschen geben, die nach 35 Jahren Arbeit im Alter nicht das Sozialhilfeniveau erreichen oder Grundsicherung im Alter bekommen. Aber wie groß ist das Problem eigentlich?

Die Kosten für die Grundrente würden sich auf etwa fünf Milliarden Euro pro Jahr belaufen - für Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) notwendig, damit Menschen nach einem langen Arbeitsleben nicht mit ein paar hundert Euro Rente auskommen müssen: "Im Moment ist es so, wenn man beispielsweise ein Leben lang nur Mindestlohn verdient, hat man ungefähr 517 Euro."

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Das Sozialhilfeniveau bzw. die Grundsicherung im Alter liegt mit Wohngeld je nach Einzelfall bei rund 900 Euro. In die 35 Jahre werden auch Zeiten der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen eingerechnet.

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Er wolle, "dass die deutlich über der Grundsicherung sind und das heißt dann eher so Richtung 900 Euro", so Heil. Der Mindestlohn liegt derzeit etwas über neun Euro. Um in der Rente auf Sozialhilfeniveau oder eben Grundsicherung im Alter zu kommen - also rund 900 Euro - muss man durchgängig über zwölf Euro pro Stunde verdient haben.

Drei Millionen Menschen könnten profitieren

Rund drei Millionen Menschen könnten von der Grundrente profitieren. Das hat unter anderem das Deutsche Insitut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet. Für viele der rund 650.000 Beschäftigten in der Gebäudereinigung sei es beispielsweise utopisch, auf 900 Euro Rente zu kommen, sagt Hans Joachim Rosenbaum von der IG BAU: "Ein Gebäudereiniger hat wirklich keine Chance, da ranzukommen." Viele müssten in der Rente Grundsicherung im Alter beantragen oder weiter arbeiten gehen.

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Der Koalitionsausschuss wollte sich eigentlich am Wochenende beim Streitthema Grundrente einigen, doch die Entscheidung wurde vertagt. Die SPD will, dass die Grundrente ohne Prüfung der tatsächlichen Bedürftigkeit gezahlt wird, die Union lehnt das ab.

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Der Armutsforscher Stefan Sell geht davon aus, dass die Zahl der Menschen mit niedrigen Renten in den kommenden Jahren zunimmt. Derzeit arbeiten laut Sell über vier Millionen Menschen in Vollzeit und verdienen brutto weniger als 2.000 Euro – das reiche nicht mal für eine Rente auf Sozialhilfeniveau. Vor allem im Osten nehme das Problem der Altersarmut deutlich zu: Nach der Wende seien dort viele Menschen arbeitslos gewesen oder hätten zu sehr niedrigen Löhnen gearbeitet.

Problem in Ost- und Westdeutschland

Diese Menschen kämen jetzt alle in die Rente und hätten "Renten, die unterhalb der Sozialhilfeschwelle liegen, aber keine weiteren Einkommensquellen wie zum Beispiel Betriebsrenten", sagt Sell. Und das sei nicht nur im Osten so: "Denken Sie auch an die vielen Menschen im Westen, die jetzt seit Mitte der 90er-Jahre mit niedrigen Löhnen und oder Teilzeitarbeit und oder Arbeitslosigkeit konfrontiert waren."

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Zum Artikel Ausweg aus der Altersarmut? Die GroKo und die Grundrente

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Etwa im Einzelhandel: In Hessen arbeiten hier rund 250.000 Menschen, über die Hälfte von ihnen nur in Teilzeit mit Einkommen von 1.500 bis 1.800 Euro brutto, sagt Bernhard Schiederig von der Gewerkschaft Verdi Hessen: "Die durchschnittliche Rente dieser Menschen beträgt 600 bis 800 Euro. Das bedeutet, sie können ihren Lebensunterhalt mit dieser Rente nicht bestreiten. Das ist kein Randphänomen, sondern es ist eine Feststellung, die insbesondere für Frauen zutreffend ist."

"Die sind absolut verzweifelt"

Dirk Pollert von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände hält eine Grundrente für ungerecht - gerade denjenigen gegenüber, die viel gearbeitet haben und am Ende nur wenig mehr als die Grundrente bekommen. Vor allem aber sei es viel zu teuer für die Steuerzahler.

Teuer? Ja. Für Hans Joachim Rosenbaum von der IG BAU aber notwendig. Er hat immer wieder Rentner oder angehende Rentner aus der Gebäudereinigung in der Beratung: "Und dann stehen die da und sind absolut verzweifelt und kommen nicht mehr weiter – und dann müssen sie sich natürlich was dazu verdienen. Da wäre eine andere Rentenregelung für diese Menschen ein Segen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 21.10.2019, 6 bis 9 Uhr

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