Geldanlage

Das Land Hessen will mit seinem Pensionsfonds nur noch in nachhaltige Unternehmen investieren. Eine Fastfoodkette und ein Automobilhersteller passen da auf den ersten Blick nicht ins Bild. Doch ob ein Unternehmen nachhaltig ist oder nicht, darüber lässt sich oft streiten. Wir erklären, worauf Verbraucher achten sollten.

Der Pensionsfonds des Landes Hessen beläuft sich mittlerweile auf über vier Milliarden Euro. Etwa ein Viertel dieses Geldes steckt in Aktien - und diese werden seit vergangenem Jahr noch gezielter als bisher ausgesucht nach nachhaltigen Kriterien. Das Land will dabei zum Beispiel nur in Unternehmen investieren, die besonders umweltfreundlich wirtschaften oder anderweitig positiv herausstechen.

Tatsächlich wurde zuletzt allerdings Geld investiert in eine Fastfoodkette, einen Softdrink-Hersteller, Tabakkonzerne und Automobilhersteller - nicht gerade der Inbegriff von Nachhaltigkeit also. Aber wie kann das sein? "Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht definiert und nicht geschützt", sagt Thomas Küchenmeister von der Nichtregierungsorganisation Facing Finance.

Auto-Industrie - nachhaltig oder nicht?

Ob ein Unternehmen nachhaltig ist oder nicht, darüber lässt sich gerade bei den Automobilherstellern trefflich streiten. Für Facing Finance steht fest: "Wir haben auch den Automobilsektor als nicht-nachhaltig identifiziert, weil er ja mit sehr viel CO2 und Feinstaub-Emissionen in Verbindung zu bringen ist." Damit sind Autohersteller aus Sicht von Facing Finance klare Klimasünder

Christian Klein, Professor für Nachhaltigkeit an der Universität Kassel, sieht das etwas anders. Klar sei Autofahren grundsätzlich schlecht für das Klima: "Aber deswegen jetzt die Automobil-Industrie nicht mehr zu finanzieren, wäre der falsche Weg. Vielmehr sollten wir uns angucken, welche Autohersteller bereit sind, die Transformation Richtung einer C02-neutralen Wirtschaft mitzugehen, und das sind die Unternehmen, in die man gezielt investieren sollte.“

Anbieter müssen transparent sein

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt: Beim Thema Nachhaltigkeit scheiden sich die Geister. Und das macht es auch für Verbraucher schwer, die selbst Fonds für die Altersvorsorge nutzen und ihr Geld dabei nachhaltig anlegen wollen. Ihnen dürfte nichts anderes übrig bleiben als sich darüber vorher im Detail bei dem Fondsanbieter zu informieren, meint Nachhaltigkeitsexperte Christian Klein. Es sei "ganz klar Aufgabe der Anbieter zu erklären, was mit dem Geld passiert", meint er. "In seinen Prospekten sollte der Anbieter erklären, wie er Nachhaltigkeit definiert und wie er gedenkt, das umzusetzen.“

Dabei kann sich herausstellen, dass das Geld investiert wird in umstrittene Energiekonzerne oder Unternehmen, die auch Rüstungsaufträge annehmen. Und dann müssen die Kunden für sich selbst abwägen, ob sie solche Investitionen akzeptabel finden.

Kunden können sich darüber hinaus aber auch an Güte-Siegeln orientieren, zum Beispiel am sogenannten FNG-Siegel. Das verspricht bei der Geldanlage auch gewisse Mindest-Standards. Finanziell müssen die Kunden dabei keine Abstriche machen, sind die Forscher der Uni Kassel überzeugt. Denn sie erzielen mit nachhaltigen Geldanlagen mindestens eine genauso gute Rendite wie mit konventionellen Geldanlagen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 30.11.2020, 06-09 Uhr

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