Alexander Gerst bei der Live-Schalte mit der Band Kraftwerk

Die Erde hat ihn wieder: Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst ist nach einem halben Jahr von seiner zweiten Mission zur ISS zurückgekehrt. Wie hat er da oben die Erde gesehen?

Das sind überirdische Klänge: Alexander Gerst macht Musik, zusammen mit der Band "Kraftwerk", während eines Konzerts in Stuttgart am 20. Juli. Überlebensgroß erscheint er auf einer Videoleinwand, zugeschaltet von der Raumstation. In der Hand: Ein Tablet-Computer, umgewandelt zum Synthesizer. Diese Gelegenheit nutzt Alexander Gerst auch, um ein bisschen Werbung zu machen für seine Mission. "Über 100 verschiedene Nationen arbeiten hier friedlich zusammen und erreichen Dinge, die eine einzelne Nation niemals erreichen könnte", erzählt er vom Weltall aus.

Alexander Gerst bei einem Außeneinsatz

Solche Momente genießt er sichtlich, weil sie kostbar sind. Sein Alltag ist normalerweise vollgepackt mit Arbeit. Die Station am Laufen halten, Reparaturen durchführen, wissenschaftliche Experimente machen. Gut zwölf Stunden täglich, von Montag bis Samstag. Letztendlich habe man eine Stunde am Tag, in der man aus dem Fenster schauen könne. Da könne man auch mit seiner Familie telefonieren und mit seinen Freunden. Und das sei sehr wichtig.

Schnappschüsse aus der Umlaufbahn

Sein Lieblingsort auf der Raumstation ist deshalb die sogenannte "Cupola": Eine Aussichts-Kuppel mit Panoramablick auf unseren Planeten. "Wir sind über Afrika entlanggeflogen und haben unter uns ein riesiges Gewitterband gesehen, wo man tausende Blitze sehen konnte", erzählt er. Da seien mindestens 20 bis 30 Blitze zu jedem Zeitpunkt gleichtzeitig gewesen. Das sei sagenhaft gewesen. "Und solche Momente, die bleiben in Erinnerung. Die faszinieren einen immer und immer wieder", sagt Gerst.

Für die nächsten Monate das Zuhause von Alexander Gerst: Die ISS

Und die zeigten aber auch, wie zerbrechlich dieser Planet sei. Wie sehr man auf ihn aufpassen müsse und wie sehr begrenzt alles sei. "Wir sehen Regenwälder, die gerodet werden. Es ist noch mehr geworden, als beim letzten Flug." Tatsächlich habe er die Unterschiede gesehen: Viele Gletscher, die seitdem kleiner geworden seien, Seen, die noch mehr ausgetrocknet sind. Das sei erschreckend, dass man so vieles sehen könne.

Diese Eindrücke teilt Alexander Gerst mit Millionen Menschen auf der Erde: Über die sozialen Medien schickt er als "Astro-Alex" Schnappschüsse aus der Umlaufbahn. Er wird live zugeschaltet in seinen Heimatort Künzelsau, zum Sommerfest des Bundespräsidenten in Berlin, erzählt in der "Sendung mit der Maus" oder den Tagesthemen, was er alles erlebt. Und was ihn nachdenklich macht: Denn neben der Schönheit der Erde kann er aus dem All auch Kriegsgebiete erkennen – mit dem bloßen Auge.

Raumfahrt ist nicht Standard

"Wir, meine Kollegen und ich, wir haben uns hier oben schon ein paar Mal gefragt, wenn wir tatsächlich mal, hypothetisch, Besuch von irgendjemandem von weiter draußen bekommen würden, der zum ersten Mal unseren Planeten sieht, wie würden wir demjenigen erklären, dass das, was er zuerst sieht, das ist, dass wir unsere Umwelt zerstören, uns gegenseitig bekriegen, das ist für uns hier oben nicht verständlich", sagt Gerst.

Weitere Informationen

Gersts Mission in Bildern sehen Sie hier (tagesschau.de).

Ende der weiteren Informationen

In der Außenwand der Sojus-Kapsel, seinem Rückflugtaxi zur Erde, wird ein kleines Loch entdeckt – die Astronauten müssen es flicken. Am 11. Oktober dann der Fehlstart einer Sojus-Rakete mit der neuen Mannschaft. Nur das automatische Notrettungs-System verhindert Schlimmeres. Sollte Alexander Gerst das beunruhigt haben, merkt man es ihm zumindest nicht an.

Wenn man an der Grenze des technisch Machbaren arbeite, dann gebe es auch ein bestimmtes Risiko. "Das wissen wir Astronauten schon lange." Für solche Fälle werde trainiert. "Wenn ein Loch im Raumschiff ist, wenn es einen Startabbruch gibt, wir trainieren dafür und für Dinge, die noch sehr viel schlimmer sind", sagt Gerst. Der Astronaut denkt, dass das ein bisschen wie ein Weckruf für die Umgebung sei, zu sehen, dass Raumfahrt nicht Standard sei, nicht Routine, sondern, dass man da immer aufpassen müsse.

Die Weihnachts-Feiertage wird er übrigens mit einer Art Reha-Programm verbringen: Seinen Körper wieder an die Schwerkraft gewöhnen, den Wissenschaftlern und Weltraum-Medizinern weitere Daten liefern. Zwischendurch wird er aber auch mal Zeit für ein Wiedersehen mit Freunden und Familie haben. Wird auch Zeit – nach einem halben Jahr auf dem Außenposten der Menschheit im All.

Sendung: hr-iNFO, 19.12.2018, 8.10 Uhr

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