Gerhard Schröder mit einer Flasche Bier
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Essen ist oft ein wichtiger Programmpunkt, wenn Politiker sich treffen. Und meist geht's um mehr als um Nahrungsaufnahme: So manch politischer Streit wurde schon bei Tisch gelöst. Manche enstanden aber auch erst beim Essen.

Aller Anfang steht – wie so oft – in der Bibel. "Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach‘s und gab‘s seinen Jüngern und sprach" ... Der Rest ist bekannt. Und natürlich ging es bei diesem Abendmahl nicht darum, die Bäuche der Jünger zu füllen. Jesus weiß, dass seine Zeit gekommen ist. Und er will sein politisches Vermächtnis weitergeben, bringt seine Botschaft auf den Punkt. Ganz so groß ist die Symbolik in Berlin heutzutage nicht. Aber Fingerspitzengefühl ist schon gefragt, zum Beispiel wenn ein Staatsgast kommt.

Jan-Göran Barth, der Küchenchef im Schloss Bellevue, legt beispielsweise viel Wert darauf, Deutschland auf den Teller zu bringen. Und ins Glas. Im Amtssitz des Bundespräsidenten serviert man deutsche Weine, zum Staatsbankett Rheingauer Sekt. Und die Soße nicht zu dünn, soll sich ja keiner bekleckern.

Essen als Statement

Gemeinsame Mahlzeiten können weitreichende Konsequenzen haben: legendär das Wolfratshauser Frühstück im Januar 2002. Danach war die Kanzlerfrage zwischen CDU und CSU gelöst. "Wir haben bei diesem Frühstück vereinbart, dass Edmund Stoiber der Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2002 sein wird", sagte Angela Merkel damals nach dem Frühstück.

Essen kann in der Politik ein Statement sein. Kanzlerin Merkel erwähnt gerne, dass sie es bodenständig mag: Bulette, Kartoffelsuppe und so. Und ihren Vorgänger Gerhard Schröder brachte eine beiläufige Bemerkung ("Hol' mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik' ich hier") sogar in die Charts.

Essen kann in der Politik etwas sehr Verbindendes haben. Peter Altmaier, der aktuelle Wirtschaftsminister, macht aus seiner Leibesfülle kein Geheimnis. Ein offenes Geheimnis ist in Berlin auch: Wenn der Peter dich zum Klöße-Essen einlädt, hast du sein Vertrauen.

Kulinarische Fettnäpfchen

Die europäische Einigung – undenkbar ohne die Verbundenheit von Helmut Kohl und Francois Mitterand, beide der guten Küche zugeneigt. Ihr Beispiel zeigt aber auch, dass Essen in der Politik immer auch gut ist für ein Fettnäpfchen. Beim Pfälzer Saumagen wurde Mitterand jedenfalls skeptisch, erinnert sich Gabriele Schreieck vom Haus am Weinberg in der Pfalz, die die beiden Politiker einst bewirten durfte.

Der berühmteste sozialdemokratische Fettnapf stammt von Peer Steinbrück, als er mal Bundeskanzler werden wollte. "Zehn Euro sind zwei Pinot Grigio à fünf Euro. Gläser meine ich, nicht Flaschen. Die Flasche, die nur fünf Euro kostet, würde ich nicht kaufen", sagte Steinbrück einst. Kam damals gar nicht gut an. So gar nicht bodenständig.

Jüngstes Beispiel: Islamkonferenz vergangenen November. Auf dem Buffet neben anderen Speisen: Blutwurst. Kann sich doch jeder Gast am Buffet nehmen was er will, sagen die einen. Ein Affront, sagen die anderen. Schweinefleisch beim Islamgipfel und dann auch noch ausgerechnet Blutwurst. Der Shitstorm war Innenminister Horst Seehofer sicher.

Merke: das Kulinarische und die Politik – eine schwierige Melange …

Sendung: hr-iNFO, 2.1.2019, 15.10 Uhr

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