Parkplätze in der Stadt: ein rares Gut

Gebühren für Anwohnerparkausweise könnten in vielen hessischen Städten bald kräftig steigen. Der Bund hat die bisherige Obergrenze von 30,70 Euro pro Jahr gekippt. Was droht hessischen Autobesitzern?

Frankfurt ist bekannt als teures Pflaster. Die Anwohnerparkgebühr ist aber noch ziemlich moderat. 50 Euro kostet der Ausweis -  für zwei Jahre. Doch das könnte sich bald ändern. Auf hr-Anfrage teilt die Pressestelle mit: eine Gebührenerhöhung sei angedacht, wenn es das Land möglich mache. "Gut, wenn's teurer wird, dann wird man in den sauren Apfel beißen, denn ein Abstellplatz für einen Pkw kostet bis zu 180,- Euro im Monat und das ist ja kaum machbar für einen normalen Menschen," sagt Willi Baldt, Anwohnerparkausweis-Besitzer aus dem Ostend.

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Eine Gebühr von mehreren hundert Euro wie sie in einigen Städten in Baden-Württemberg droht. Die würde er aber nicht bezahlen. "Ich würde - wenn sich der Preis in diese Richtung bewegt - aufs Auto verzichten. Komplett, das heißt, ich würde es abschaffen."

"Kann nicht mit dem Zug auf die Baustelle fahren"

Innenstadtbewohner zum Umstieg auf Bus, Bahn oder E-Bike bewegen. Genau das ist auch das Ziel vieler Großstädte und der Grund für den kräftigen Dreh an der Parkgebühren-Schraube. In der Darmstädter Innenstadt müssen Anwohner wie Boris Merker schon jetzt 120 € pro Jahr für einen Dauer-Parkausweis zahlen. "Jetzt im Moment finde ich die gerade noch so angemessen", sagt er. "Aber wir haben zwei Autos, das muss man auch mal so rechnen. Diese 120,- Euro mal Zwei, die sind schon schmerzhaft."

Doch selbst, wenn es noch teurer werden würde, wäre das für den selbständigen Baugutachter kein Anreiz für den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. "Ich kann ja nicht mit dem Zug auf die Baustelle fahren. Ich bin in Frankfurt unterwegs, bin in Mainz unterwegs - wie soll ich da hinkommen? Wir brauchen zwei Autos."

Entscheidung über Erhöhungen demnächst

Gebühren über der gesetzlichen Obergrenze konnten bislang nur in Zonen mit Parkscheinautomaten erhoben werden. In Darmstadt wird es dort wohl erstmal keine weitere Erhöhung geben. Dafür aber in allen anderen Bewohnerparkzonen, wie die Stadt auf hr-Anfrage mitteilt: "Mit der Rechtsänderung wird nach derzeitigem Kenntnisstand geplant, die Gebühren für die Bewohnerparkzonen an die Preise der Ausnahmegenehmigung anzugleichen, um Ungleichheiten zu bereinigen."

Heißt also: Anwohnerparkausweise werden voraussichtlich im gesamten Stadtgebiet bald 120 Euro pro Jahr kosten. Sobald das Land dafür grünes Licht gibt. Auf den neuen Rechtsrahmen warten auch noch Kassel, Fulda, Offenbach und Wiesbaden. Erst dann soll über mögliche Gebührenerhöhungen entschieden werden. In allen vier Städten bewegt sich der Preis für Anwohnerparken auch in Zonen mit Parkscheinautomaten noch im Rahmen der bisherigen Obergrenze von 30 Euro 70 pro Jahr.

 Sendung: hr-iNFO, 24.08.2021, 6 bis 9 Uhr

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