Eine Bahn vor der Frankfurter Skyline
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Trotz vieler Verspätungen nutzen immer mehr Menschen die Bahn. In den vergangenen Jahren sind die Fahrgastzahlen kontinuierlich gestiegen. Das ist zwar gut für die Deutsche Bahn, bringt aber neue Herausforderungen mit sich.

"Rekordumsatz, Gewinnplus und mehr Fahrgäste im Fernverkehr. Die Deutsche Bahn hat ihre wirtschaftlichen Ziele 2017 erreicht." So präsentiert die Bahn in einem Video auf ihrer Internetseite ihre Erfolge aus dem vergangenen Jahr. Was sie nicht so gerne herauskehrt, sind die Schattenseiten. Ob Pünktlichkeit, zu volle Züge oder zu hohe Preise: Viele Kunden sind genervt.

Rund 142 Millionen Mal sind die Bahnkunden 2017 in Fernzüge der Deutschen Bahn eingestiegen. Bahnchef Richard Lutz zeigte sich im März bei der Vorstellung der Bilanz für 2017 zufrieden: "Das sind so viele wie nie zuvor. Und das ist übrigens im dritten Jahr in Folge eine Steigerung der Fahrgastzahlen. Vor allem unsere neue Schnellfahrstrecke Berlin-München brummt."

Schon kleinere Verspätungen können große Probleme machen

Wie sich die Zahlen im ersten Halbjahr 2018 entwickelt haben, will sich die Bahn vorab nicht in die Karten schauen lassen. Ein Bahnsprecher verweist auf die anstehende Pressekonferenz. Erste Schätzungen gibt es aber schon: Die Passagierzahlen sollen 2018 auf über 145 Millionen steigen. Mehr Passagiere, die die Bahn pünktlicher als bisher ans Ziel bringen will.

Ein Ziel der Bahn für 2018: Die Pünktlichkeit der Fernzüge im Schnitt auf 82 Prozent zu steigern. Aber schon jetzt zeichnet sich ab: Das wird wohl nichts. Im Januar konnte sie diesen Zielwert zwar noch erreichen. Im Juni waren aber nicht mal mehr 75 Prozent der Fernzüge pünktlich. Und mit "pünktlich" meint die Bahn alle Züge, die weniger als sechs Minuten zu spät ankommen.

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn hält diese Zahlen für unerträglich. Während es in der Großstadt noch viele Anschlusszüge gebe, sei das Problem in ländlicheren Gegenden fataler. "Wenn Sie weiter wollen, dorthin wo der Zug nur alle Stunde oder gar zwei Stunden fährt, sind verpasste Anschlüsse um fünf Minuten besonders ärgerlich, weil sich dann die ganze Reise um ein oder zwei Stunden verlängert.“

Investitionen bringen neue Schulden

Deshalb brauche die Bahn mehr Infrastruktur in der Region, so Karl-Peter Naumann. Und dafür sind Investitionen nötig. Investitionen, die in der Vergangenheit versäumt worden seien. Das gilt laut Experten zum Beispiel auch für die Züge. Die Bahn hat etwa 250 ICE-Züge - zu wenig, um auf Ausfälle flexibel reagieren zu können. Die nächste Generation sei mit dem neuen ICE 4 zwar bestellt, aber die neuen Züge würden nur nach und nach fertiggestellt. Bis alle neuen Züge auf der Schiene sind, dauert es also noch etwas.

2018 will die Bahn kräftig in ihr Schienennetz investieren – mehr als neun Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2017 lag der Gewinn der Bahn vor Zinsen und Steuern nur bei rund zwei Milliarden Euro. Damit häuft die Bahn auch neue Schulden an. Ende 2017 hatte die Bahn 18,6 Milliarden Euro Schulden. Experten rechnen damit, dass sich der Schuldenstand in diesem Jahr auf 20 Milliarden Euro erhöht.

Sendung: hr-iNFO, 24.7.18, 06:10 Uhr

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