Das Kraftwerk Niederaußem von der RWE Power. Bergheim-Niederaußem,
Das Kraftwerk Niederaußem von der RWE Power Bild © picture-alliance/dpa

Hitze, Ernteausfälle, Überschwemmungen und neue Migrationswellen: Das sind nur einige Szenarien der Erderwärmung. Der Weltklimarat drängt deshalb in einem Sonderbericht zum Handeln. Wie ist die Bilanz der Bundesregierung in Sachen Klimaziele?

Wer beim Thema Deutschland und Klimaziele mal etwas richtig Positives lesen will, der muss sozusagen ins Kleingedruckte schauen, sprich: auf die kleinen Sektoren. Denn da ist das angepeilte Ziel teilweise schon fast erreicht: etwa, bis 2020 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990. Zwei Beispiele:

Abfallwirtschaft

Minus 74 Prozent Emissionen im Vergleich zu 1990 sind geschafft und es wird auch in Zukunft weiter runtergehen. Einer der Hauptgründe dafür ist das verstärkte Recycling.

Gewerbe/Handel/Dienstleistungen

Auch dieser Einzelsektor über-erfüllt das Klimaziel schon jetzt: minus 50 Prozent seit 1990. Erreicht vor allem durch energieeffizientere Gebäude, Verfahren und Produkte.

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Kommentar zur Klimapolitik der Bundesregierung: Deutschland, setzen!

Kurz vor der UN-Klimakonferenz warnt der Weltklimarat vor den Auswirkungen der Erderwärmung und drängt zu schnellem Handeln. Die Bundesregierung verhalte sich indes wie die berühmten drei Affen - und schade damit nicht nur den Bürgern, sondern auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland, meint unsere Kommentatorin. [mehr]

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Das Problem: Diese beiden Vorzeige-Bereiche machen nur einen verschwindend geringen Anteil am deutschen Gesamtausstoß an Treibhausgasen aus: Zusammen gerade mal fünf Prozent. In den großen Sektoren, wo Veränderungen richtig auf den Gesamt-Ausstoß durchschlagen, hat sich teilweise auch schon einiges getan, oft aber nicht genug:

Energiewirtschaft/Stromerzeugung

Sie ist mit Abstand der größte Verursacher von Treibhausgasen, ist für fast 38 Prozent des kompletten deutschen Ausstoßes verantwortlich. In den vergangenen Jahrzehnten wurde durchaus etwas erreicht: Im Vergleich zu 1990 gibt es aktuell 26 Prozent weniger Emissionen, entscheidenden Anteil daran hat der Ausbau der erneuerbaren Energien. Aber vor allem, weil der Ausstieg aus der Kohle weiter auf sich warten lässt, wird der Energie-Sektor das 2020er-Ziel wohl knapp verfehlen: minus 38 statt minus 40 Prozent werden erwartet.

Industrie

Die gute Botschaft: Der deutschen Wirtschaft geht es so gut wie lange nicht. Die Kehrseite: Wer fleißig produziert, stößt auch fleißig klimaschädliche Gase aus, vor allem die besonders Energie-intensiven Industriezweige. Seit 1990 haben sich die Emissionen bisher um ein Drittel reduziert, bis 2020 könnten die angestrebten 40 Prozent noch drin sein.

Haushalte

Wie viel Warmwasser benutze ich, wie sehr heize ich mein Haus auf? Da hat sich einiges getan: Die Deutschen sparen beim Wasserverbrauch, viele Häuser sind besser gedämmt, viele Heizungen effizienter geworden. So sind die Emissionen dann auch um fast ein Drittel zurückgegangen, das Ziel 'minus 40 Prozent bis 2020' ist durchaus drin.

Verkehr

Er ist das größte Sorgenkind. An minus 40 Prozent ist nicht zu denken, im Gegenteil: Wir liegen zurzeit sogar über den Emissions-Werten von 1990. Und in den nächsten Jahren wird allenfalls eine leichte Reduzierung erwartet. LKW statt Schiene, Auto statt ÖPNV, Elektromobilität viel beschworen, aber wenig auf der Straße zu sehen - all das trägt zu den miserablen Werten bei.

Fazit: In manchen Sektoren läuft es richtig gut, in manchen mittelprächtig und in manchen sehr wichtigen sehr schlecht. Unterm Strich reicht es nicht für die Erfüllung der Klimaziele. Insgesamt wird Deutschland bis 2020 vermutlich 32 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990, nicht 40 Prozent weniger. Zu schaffen wäre es noch, meinen Wissenschaftler, dafür aber wären viel radikalere Methoden als bisher notwendig. Wie sagte am Montag einer der IPCC-Klimaforscher? Alle technischen Voraussetzungen seien da, aber die Politik handele nicht entsprechend.

Sendung: hr-iNFO, 8.10.2018, 16:10 Uhr

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