Biotechnologie

Der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmes BioNTech ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie wichtig biotechnologischer Fortschritt für unsere Gesellschaft sein kann. Wo spielt die Biotechnologie sonst noch eine Rolle? Ein Überblick.

In welchen Bereichen - neben der Entwicklung von Corona-Impfstoffen - spielt Biotechnologie zurzeit noch eine Rolle?

In unglaublich vielen Bereichen, gewissermaßen von der Joghurt-Herstellung bis zur Behandlung von Krankheiten. Um da nicht den Überblick zu verlieren, wird die Biotechnologie in mehrere Zweige aufgeteilt. Zum Beispiel geht es in der Grünen Biotechnologie um Anwendungen für Landwirtschaft und Pflanzenschutz, blaue Biotechnologie beschäftigt sich mit Ressourcen aus dem Meer. Außerdem steckt in vielen industriellen Produkten Biotechnologie - vom Waschmittel bis zur Hautcreme. Das ist weiße Biotechnologie. Und das, was BioNTech macht, ist sogenannte medizinische oder rote Biotechnologie, die immer etwas mit Medizin zu tun hat.

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Eine Frau in medizinischer Schutzkleidung hält ein Fläschchen mit Biontech-Comirnaty-Impfstoff. ()
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Anwendungsvielfalt ist verblüffend


Welcher Bereich der Biotechnologie spielt in Deutschland die größte Rolle?

Die überwiegende Zahl der deutschen Biotechnologie-Unternehmen ist in der medizinischen oder roten Biotechnologie tätig. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie arbeitet die Mehrzahl der rund 700 deutschen Unternehmen an Arzneimitteln oder diagnostischen Verfahren – oder sie bieten Dienstleistungen in diesem Bereich an. Der Corona-Impfstoff Cominarty ist gerade sehr prominentes Beispiel für solche „Biopharmazeutika“, also für ein neues, auf Basis von Biotechnologie entstandenes Arzneimittel. Die haben momentan übrigens einen Anteil von einem guten Drittel am gesamten deutschen Pharmamarkt.

Wie kommt dieser relativ große Anteil zustande?

Die Anwendungsvielfalt ist sehr verblüffend: Es geht zum Beispiel um Medikamente gegen Diabetes, Alzheimer oder Parkinson. Oder um nochmal zu BioNTech zurückzukehren: Dort werden schwerpunktmäßig Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten entwickelt oder besondere Proteintherapien gegen seltene Krankheiten oder auch Therapien gegen Krebs. Im Moment etwa arbeitet BioNTech an einem Impfstoff gegen Krebs. Das Unternehmen gab gerade letzte Woche bekannt, man habe einem ersten Patienten mit unheilbarem Hautkrebs eine Dosis dieses Impfstoffkandidaten verabreicht - im Rahmen einer Phase-2-Studie, bei der neue Wirkstoffe erstmal an Erkrankten eingesetzt werden.

Futuristische Biochips

Spielt sich die rote Biotechnologie also vor allem im Labor beziehungsweise auf genetischer Ebene ab?

Da läuft viel molekular ab, aber genetisch muss es dabei gar nicht werden. Biotechnologie nutzt Lebewesen oder Teile dieser Lebewesen für im weitesten Sinn technische Anwendungen. Und eines der ältesten Beispiele dafür ist das Bierbrauen. Da spielen Enzyme von Hefepilzen eine Rolle, aber keine Gene. Biotechnologie heute ist allerdings sehr interdisziplinär und greift immer öfter auf Gentechnologie zurück. In deren Verlauf muss Erbsubstanz isoliert und gezielt verändert werden. Ein Beispiel dafür sind die Gentherapien. Spricht: Es gibt Krankheiten, die durch defekte Gene verursacht werden, und wenn man diese defekten Gene durch intakte Gene austauscht, tritt Heilung ein. Das wird zum Beispiel als Therapie gegen Grünen Star erforscht, da wird auf diese Weise beschädigtes Gewebe im Auge repariert.

Gibt es ein weiteres Beispiel für aktuelle, wegweisende Forschung im Bereich der medizinischen Biotechnologie?

Ja, das sind die Biochips. Das wirkt sehr futuristisch, weil dabei auch Mikrosystemtechnik ins Spiel kommt: Biochips sind fingernagelgroße Träger aus Glas oder aus anderen Materialien. Auf denen sind in hoher Anzahl und Dichte Biomoleküle fixiert - Erbsubstanz oder Enzyme zum Beispiel. Und damit können dann Test gemacht werden. Das braucht man bei der Medikamentenentwicklung zum Beispiel dafür, um gleichzeitig die Wirkung vieler Substanzen auf biologisches Material zu überprüfen – und zwar im Schnelldurchlauf.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.6.2021, 6 bis 9 Uhr

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