Kassenbon mit Münzen

Pünktlich zum Jahresanfang ist das neue Kassengesetz in Kraft getreten. Im Kampf gegen Steuerbetrug soll jeder Umsatz erfasst werden und dazu gehört: bei jedem Einkauf ein Beleg. Was bedeutet das in der Praxis? Wir haben eine Bäckerei in Hanau besucht.

Morgens in der Bäckerei "Ferdinands Backgenuss" im Hanauer Stadtteil Steinheim: In der Theke liegen frisch gebackene Brötchen, Croissants und Torten. Der Laden ist voll, die Kunden kaufen ihr Frühstück. Seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen die Verkäuferinnen ihren Kunden aber nicht nur Wechselgeld, sondern auch Kassenbons geben.

Bäckerei-Inhaber Mathias Schilling sieht die geplante Kassenbon-Pflicht kritisch. "Es ist auf jeden Fall Papierverschwendung. Ich glaube, der Kunde, der morgens hier ein Produkt für ein bis zwei Euro einkauft, hat kein Interesse daran, einen Kassenbon mitzunehmen", sagt Schilling.

Neues Kassengesetz erfordert neue Kassensysteme

Egal, ob ein Kaffee to go, eine ganze Torte oder ein Brötchen für wenige Cent – ab dem 1. Januar muss für jeden Kunden ein Kassenbon gedruckt werden. So will es die "Belegausgabepflicht". Die ist Teil des neuen Kassengesetzes. Damit soll Steuerhinterziehung vermieden werden.

Mathias Schilling findet das paradox. Denn für das neue Kassengesetz braucht es auch neue Kassensysteme. In seinen insgesamt sechs Filialen nutzt Mathias Schilling die schon und weiß deshalb: "Die Kassen zeichnen heute ganz genau alle Kassenabläufe auf, die werden gespeichert. Und das Finanzamt hat das Recht, jederzeit auf die Daten zuzugreifen."

Für die Kunden oft unnötig

Eine Stichprobe am Tresen zeigt: Auch die Kunden finden die Kassenbon-Pflicht unnötig. Der Bund für Naturschutz und Umwelt (BUND) kritisiert die Pläne und spricht von Papierverschwendung. Die Kassenbons aus sogenanntem Thermopapier sind außerdem nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit, erklärt Professor Samuel Schabel vom Fachbereich Papiertechnik der Technischen Universität Darmstadt.

"Bisphenol A als einer der Wirkstoffe in Thermopapier hat das Problem, dass es Erbgut verändernd wirken kann", erklärt der Experte. Er denke, dass, "dass wir als Gesellschaft schauen müssen, dass wir unsere Bedürfnisse decken, ohne mehr Ressourcen zu verbrauchen. Und das wäre jetzt eine Sache, wo wir mehr verbrauchen als vorher."

Hoffnung, dass Verordnung wieder gekippt wird

Denn das neue Kassengesetz trifft nicht nur Bäckereien, sondern zum Beispiel auch Metzgereien oder Diskotheken. Sie alle erwarten Kosten wegen der ausgedruckten Kassenbons. Mathias Schilling schätzt für seine Bäckereien die Mehrkosten auf rund 2000 Euro im Jahr. Das könnte Auswirkungen haben auf die Preise für Brötchen, Croissants oder Torten.

Zuletzt hat auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier die Kassenbon-Pflicht kritisiert. Viele Einzelhändler hoffen deshalb, dass die Verordnung doch noch gekippt wird, so wie Bäcker Mathias Schilling: "Diese Hoffnung haben wir alle, denn wir sollten doch dem Bürger selbst überlassen, ob er einen Beleg haben will oder nicht. Und so kann man eine wahnsinnige Menge an Altpapier einsparen. Die Politik spricht von CO2-Bilanzen – die werden durch mehr Papier auch nicht besser", sagt er und widmet sich in seiner Backstube lieber wieder Brötchen, Croissants und Torten.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 2.1.2020, 6-9 Uhr

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