Baumrinde mit Spuren des Borkenkäfers / Borkenkäfer

Er ist klein, kaum sichtbar und doch eine große Gefahr für den hessischen Wald: Der Borkenkäfer hat sich in diesem Jahr besonders stark vermehrt. Die hessischen Förster und der Landesbetrieb Hessenforst sind in Sorge.

Wir streifen durch den Wald bei Gilserberg. Revierförster Michael Hickmann hat vor allem die Fichten im Blick, denn die liebt der Borkenkäfer besonders. Wir stehen vor einem Stoß gefällter Fichten. Hickmann holt eine Art Schäleisen aus der Tasche und löst die Rinde des Stamms. "Hier sieht man sehr schön einen Muttergang, den der weibliche Käfer anlegt, und hier sieht man auch Larven", sagt er.

Das Wetter war für die kleinen Plagegeister in diesem Jahr ideal, erzählt Hickmann. Vor allem ausgetrocknete Fichten sind für Buchdrucker, Kupferstecher und Co. wahre Paradise. "Ein Hauptproblem war der Windwurf im Januar, wo wir sehr lange gebraucht haben, um den aufzuarbeiten, rauszubringen, zu verkaufen", erzählt Hickmann. "Dadurch hat sich eine Borkenkäfer-Population entwickelt, vor allem im ersten halben Jahr in diesen Windwurf-Bäumen. Und die zweite Generation der Borkenkäfer sind dann in die stehenden Bäume gegangen und haben die befallen.“

Zu viel Holz, zu wenig Zeit

Die Invasion ist derart heftig, dass der Borkenkäfer in diesem Jahr sogar die Laubbäume befällt - die sind sonst vor den Angriffen der Käfer gut geschützt. Hickmann zeigt auf eine Buche, die Rinde ist an mehreren Stellen angekratzt, das Holz darunter vertrocknet. Hier hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet. Das Problem: Noch sind die Schäden von Friedericke aus dem Frühjahr nicht komplett aufgearbeitet – und jetzt startet bereits die neue Holzernte. "Wir haben noch relativ viel Holz im Wald liegen und es kommt noch immer mehr, und wir bekommen es nicht in dem Tempo aus dem Wald, wie wir es gerne hätten“, sagt Hickmann.

Ist ein Baum erst mal vom Borkenkäfer befallen, dann heißt es für den Förster: schnell handeln, der Baum muss raus aus dem Wald. Zum Beispiel auf einen Nassholzlagerplatz - doch die sind derzeit alle voll. Auch der Lagerplatz bei Rengshausen im Knüll. Hier lagern auf einer Fläche so groß wie ein Fußballfeld Fichten und Buchenstämme. "Der Markt ist nicht aufnahmefähig, sodass das Holz, um es vor dem Wertverlust zu schützen, hier unter Wasser gelegt wird, um es zu konservieren", sagt Forstamtsleiter Florian Koch.

Die Lösung: ein nass-warmer Winter

Zurück im Wald bei Gilserberg – derzeit werden hier spezielle Borkenkäferfallen eingesetzt. Die können aber bei großem Befall kaum helfen. Und der Einsatz von Chemie ist die letzte Option, sagt Förster Hickmann: "Wir haben das in Ausnahmefällen gemacht, aber es kann nicht die Lösung sein". Doch wie kann man nun den kleinen Plagegeistern zu Leibe rücken? Am besten wäre es, die Natur würde selber helfen. "Der kalte Winter ist nicht die Lösung, wie man immer denken würde", sagt Hickmann, "sondern am besten wäre ein nass-warmer Winter, weil er dann verpilzt".

Und wenn nicht? Dann haben der hessische Wald und die Förster ein Problem, das sie dann auch nächstes Jahr beschäftigen wird. "Wir müssen nächstes Frühjahr präsent sein, die Bestände kontrollieren, wo Befall war, und schnellstmöglich dann handeln", sagt der Förster. "Wenn uns nochmal ein Windwurf überrascht, dann wird es sehr schwierig für uns."

Sendung: hr-iNFO, 15.10.18, 06:10 Uhr

Jetzt im Programm