Knapp 300 Elefanten sind in Botsuana zum Abschuss freigegeben.

In Botsuana hat am Dienstag die umstrittene Jagd auf Elefanten begonnen. Die Tiere stehen zwar auf der Liste der bedrohten Arten, breiten sich in dem Land wegen des erfolgreichen Artenschutzes aber immer mehr aus - und werden zum Problem für die Menschen. Doch das ist nicht der einzige Grund für die Freigabe zum Abschuss.

Was will Botsuana mit der Jagd auf Elefanten erreichen?

Die Behörde für Nationalparks und Wildtiere sagt, sie will damit den Jagdtourismus in Botsuana ankurbeln, der aktuell wegen der Corona-Pandemie brachliegt. Deshalb seien auch viele Abschusslizenzen im vergangenen Jahr nicht genutzt worden. Der Tourismus ist die zweitwichtigste Einnahmequelle des Landes.

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Elefant in Botswana.
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287 Lizenzen zur Tötung eines Elefanten sind versteigert worden, vor zwei Jahren hatte Staatschef Masisi das wieder eingeführt, weil – wie er sagt – in Botsuana die Elefanten immer mehr werden und den Menschen Probleme machen. Dass sie mehr werden, bezweifeln Naturschutzorganisationen wie „Elephants Without Borders“, aber die Probleme sind real: Elefanten zertrampeln Felder, zerstören Wassertanks, manchmal gibt es auch Tote. Man versucht, sie fernzuhalten von Siedlungen - mit Elektrozäunen, mit Bienen oder Chilidämpfen, der neueste Schrei sind solarbetriebene Disco-Lampen, die mit farbigen Stroboskopblitzen die Dickhäuter abschrecken. Auch das Umsiedeln hat man in Botsuana versucht, und in Namibia sind gerade 170 Elefanten aus "Problem-Hotspots" verkauft worden. Ganz lösen konnte man die Konflikte zwischen Mensch und Tier so aber nicht.

Insgesamt werden die Elefanten in Afrika aber immer weniger. Vor kurzem sind sie von der internationalen Naturschutzorganisation IUCN hochgestuft worden in die Kategorie „gefährdet“ bzw. „stark gefährdet“. Wie kann das sein?

Tatsächlich werden die Elefanten in Afrika nur in den Nationalparks in Namibia, Südafrika, Simbabwe und Botsuana mehr, aber 80 Prozent der Tiere leben laut der Naturschutzorganisation WWF außerhalb dieser geschützten Zonen. Deshalb werden es insgesamt jedes Jahr weniger, vor allem durch Wilderei, aber auch weil ihr Lebensraum schrumpft und ihnen der Klimawandel zusetzt. So hat eine aktuelle Studie ergeben, dass es in den Wäldern Zentralafrikas jetzt 80 Prozent weniger Samen und Früchte als Nahrung für Elefanten gibt als noch vor 30 Jahren. Die Elefantenart, die dort lebt - afrikanische Waldelefanten -, hat laut IUCN in dieser Zeit um fast 90 Prozent abgenommen. Der Bestand der anderen Art, Savannenelefanten in Ost- und Südafrika, soll sich halbiert haben seit 1970.

Es gibt aber mittlerweile Schutzprogramme. Bringen sie nicht viel oder werden sie falsch umgesetzt?

Es gibt sie in der Tat, fast jedes Land Afrikas hat einen Managementplan, aber die Regierungen haben – so hart das für uns Europäer auch klingt – auch andere Probleme: extreme Dürre, Heuschreckenplagen, drohende Hungersnot, hohe Arbeitslosigkeit. Da ist es manchmal ein Abwägen - und manchmal eben auch eine Entscheidung gegen Elefanten – wie zum Beispiel jetzt im größten Naturschutzgebiet Afrikas, Kavango-Zambezi, im Nordosten von Namibia. Dort hat ein kanadisches Unternehmen (ReconAfrica) die Erlaubnis für Probebohrungen vier Kilometer tief nach Erdöl erhalten. Das Unternehmen vermutet dort mehr Öl als in Saudi-Arabien und will das 25 Jahre lang fördern. In diesem Schutzgebiet leben aber schätzungsweise 250.000 Elefanten, mehr als die Hälfte aller Exemplare Afrikas.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.4.2021, 15 bis 18 Uhr

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