Brexit

3.000 Briten in Hessen haben die Einbürgerung beantragt, seitdem ihre Landsleute für den Ausstieg aus der EU gestimmt haben. In der Nacht zum Samstag ist es nun so weit. Wie erleben das die "neuen" Hessen?

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Sue Demerell lebt seit 30 Jahren in Frankfurt. Die pensionierte Lehrerin fühlt sich als Weltbürgerin, wie sie sagt. Und genauso fühlt sich die agile Wahl-Frankfurterin auch als Europäerin. "In Frankfurt hat man diese Gelegenheiten, andere Nationalitäten und Kulturen kennenzulernen. Das ist sehr wichtig für mich."

Und so bedeutet es ihr auch viel, heute beide Pässe zu haben: sowohl den britischen als auch den deutschen. Symbolisch, sagt sie, um die Grenzen zwischen den Nationen zu verkleinern. "Diese Frage von Nationalität ist mir im Endeffekt nicht so wichtig", sagt sie. "Dass ich meinen britischen Pass behalten konnte und auch den deutschen Ausweis bekommen konnte, ist für mich genau richtig."

Sauer über die Lügen von Boris Johnson

Die Idee, den deutschen Pass zu beantragen, hat sie lange mit sich herumgetragen. Die Entscheidung stand fest, nachdem das britische Volk für den Brexit gestimmt hatte. Sie selbst hatte nicht abstimmen können, weil sie schon zu lange im Ausland gelebt hatte. Wenigstens das deutsche Wahlrecht wollte sie nun haben.

Sie hatte damals nach dem 23. Juni 2016 extra den Wecker auf sechs Uhr morgens gestellt, um den Ausgang der Wahl im Radio zu hören. "Ich war nicht nur schockiert, sondern traurig. Als ob wir den Idealismus von unserer Jugend verloren hätten von unserer Peace-and-Love-Generation, als ob es weggeschmissen wird." Die 65-Jährige ist vor allem sauer über die Lügen, die Boris Johnson dem britischen Volk erzählte, wie sie sagt, und dass so viele Menschen sie glauben und sich wieder die britische Souveränität wünschen.

Ausgeträumt, aber nicht hoffnungslos

Susan F. wohnt ebenfalls seit Jahrzehnten in Hessen und auch sie ging kurz nach dem Referendum zur Stadtverwaltung, um den Einbürgerungsantrag zu stellen: "Ehrlich gesagt, weil ich schon 30 Jahre hier lebe. Ich mag das hier, es ist schön, hier zu leben". Die 73-Jährige ist fest verankert in dem kleinen Taunusstädtchen, in dem sie lebt, auch ihre Familie wohnt in der Nähe.

Der Traum Europa hat sich für die beiden Britinnen nun erst mal ausgeträumt. Aber beide sagen, man muss die Hoffnung behalten, dass der europäische Gedanke möglicherweise eines Tages in anderer Form für Groß-Britanien weiterlebt.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 30.1.2020, 6 bis 9 Uhr

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