Zwei Figuren sind mit einem Gendersternchen abgebildet.

Wohl kaum etwas in unserer Sprache ist so umstritten wie das Gendersternchen: albern, überflüssig oder unästhetisch finden es die einen. Für die anderen ist es ein wichtiges Mittel, um niemanden auszuschließen. Wir haben mit einer Befürworterin und einer Gegnerin gesprochen.

Wer Zeitungen, Radio oder Fernsehen nutzt, dem und der ist in letzter Zeit eventuell etwas aufgefallen: Immer häufiger wird hier gegendert. Sprich, es ist entweder ein *, ein Unterstrich oder ein Doppelpunkt zwischen der männlichen und der weiblichen Form zu lesen – oder eben zu hören. Doch die Meinungen darüber, ob das nötig ist, und wenn ja, wie eine gendergerechte Sprach ohne diese gesprochene Lücke aussehen könnte, darüber gehen die Meinungen nach wie vor auseinander.

Für Rechtschreibrat nach wie vor ein Fehler

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So ist die Verwendung des Gendersternchens für den deutschen Rechtschreibrat nach wie vor ein Rechtschreibfehler, so seine Geschäftsführerin Sabine Krome: "Da wird massiv die Wortbildung verletzt und Konventionen gebrochen, aber die Rechtschreibung ist nunmal amtlich geregelt und das hat ja ihren Sinn." Ein Sinn sei zum Beispiel, das Lesen nicht zu kompliziert zu machen, so Krome: "In Lauftexten, in fließenden Texten ist es wirklich schwierig, wenn überall ständig Sternchen auftauchen. Auch die Stilitstik muss ja stimmen, man muss das Interesse an den Texten wecken."

"Wir Frauen sind auch mal dran"

Anders sieht das Friederike Sittler, sie ist die Leiterin des Journalistinnenbundes – und nimmt sehr wohl Veränderungen wahr, die sich in den letzten Jahren in Sachen gendergerechte Sprache getan haben: "Sprache ändert sich, auch an vielen anderen Stellen, wir haben viele Sprachgewohnheiten. Junge Menschen bringen das mit und viele ältere sagen: 'Aha, ich habe Respekt vor dem, was die Jüngeren uns lehren' und sprechen es inzwischen auch." Wie sehr Sprache das Bewussstein präge, macht sie an diesem Beispiel fest: "Wenn wir sagen, es sind 100 Soldaten aus Afghanistan zurückgekommen, dann würde ich davon ausgehen, es sind 100 Männer, oder?" Sie findet es von daher absolut wichtig, beide Geschlechter zu benennen.

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hr-iNFO-Redakteur Julius Tamm
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Auch gegen das Gendersternchen wehrt sie sich nicht. Vor allem Männern, die sich darüber beschweren und gendergerechte Sprache als nervig empfinden, hält sie entgegen: "Liebe Männer, ihr habt lange genug eure männlichen Formulierungen gehabt, wir Frauen sind auch mal dran und die Menschen mit Trans-Identitäten sind auch dran. Also das müssen wir jetzt alle mal gemeinsam aushalten und mit Sprache arbeiten." Und das müsse nicht zwangläufig bedeuten, Lücken zu sprechen. Manchmal gehe das auch ganz einfach: "Ja, der Bürger*innensteig – welch Quatsch. Nee, das ist der Gehweg, und schon hab ich's aufgelöst. Oder aber jeder und jede ist alle - und schon ist auch das Problem gelöst."

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.2.2021, 6 bis 9 Uhr

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