Kanzlerkandidatinnen Bundestagswahl 2021

Diesmal hat Deutschland die Auswahl zwischen drei Kanzlerkadidat:innen - grün, schwarz und rot. Der Vergleich zeigt: Alle drei hatten ganz unterschiedliche Wirkungen auf die Umfragewerte ihrer Parteien. Persönlichkeit? Kann ein Trumpf sein - oder das Gegenteil.

Die Grünen sind in chronischer Aufbruchstimmung, schon seit November 2019, als Annalena Baerbock und Robert Habeck die Spitze der Partei übernommen haben. Eine Art Dreamteam, immer locker, immer sympathisch und zugewandt - und dann auch noch in Harmonie. Und jetzt? Beginne "ein neues Kapitel für unsere Partei. Und wenn wir es gut machen, auch für unser Land", sagt Annalena Baerbock am 19. April, am Tag ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Ein Kampfansage an die anderen Parteien. Die Grünen, zum ersten Mal mit eigenen Ambitionen aufs Kanzleramt. Und dann noch mit einer 40 Jahre alten Politikerin. 

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Die Reaktionen aus Union und SPD sind respektvoll, zum Teil sehr wohlwollend. Baerbock kommt gut an, sogar bei Wählerinnen und Wählern anderer Parteien, hält die Grünen in einem Umfragehoch – und sie hat die Zustimmung sogar nochmal hochgeschraubt. "Ich möchte eine Politik anbieten, die vorausschaut, die was Neues wagt, die den Menschen zuhört und ihnen auch was zutraut", sagt Baerbock. Sie bietet an, sie will zuhören und den Menschen etwas zutrauen. Sie fordert nicht, sie haut nicht auf den Tisch: Sie ist vermutlich die unangenehmste politische Konkurrentin, die sich die anderen jemals haben vorstellen können.

"Kein Wahlkampf wie in Amerika"

"Ich gratuliere Annalena Baerbock zu dieser Wahl. Es wird ein fairer, ein frischer, vielleicht auch manchmal ein fröhlicher, jedenfalls ein ernsthafter Wahlkampf werden", sagt Armin Laschet noch am gleichen Tag, und damit kurz bevor er sicher wissen konnte, dass er diesen Wahlkampf als der Kanzlerkandidat der Union anführen würde. Nach einem unerwartet chaotischen Machtkampf muss er jetzt Scherben aufkehren: "Versöhnen, zuhören, auch Gegensätze wieder zusammenzubringen, das braucht jetzt die CDU." 

Armin Laschet – auch er will zuhören, allerdings ist das zunächst als Therapie gedacht für die eigene Partei. Der Ministerpräsident von NRW steht aber seit jeher für Integration, für die freundliche Ansprache, für den Dialog. Aber nicht fürs Zupackende. In der Coronapolitik ist er einen Schlingerkurs gefahren. Seine Wahl als Kanzlerkandidat war eine Qual für die Union, das Medienecho von Langeweile und viel Spott für die Union geprägt. Die Umfragewerte? Sind mit Armin Laschet, seit er CDU-Chef geworden ist Mitte Januar, fast immer nur gesunken. Er hat der Partei bisher nicht helfen können, im Gegenteil. Aber Laschet hat einen langen Atem und ein enormes Durchhaltevermögen. Und er gibt zu, dass er lernt: "Jedenfalls haben die Grünen uns gelehrt, wie man den Prozess stiller lösen kann." Er wolle keinen Wahlkampf führen wie in Amerika, wo man danach nicht mehr miteinander reden kann, sagt er. "Diese gegeneitige Fairniss, die können wir beide voneinander lernen."

"Wie soll sich unser Land entwickeln?"

Wir beide, das ist eine interessante Formulierung: Hat Laschet da nicht jemanden vergessen? Oder auf spitzbübische Art und Weise absichtlich ignoriert? Das ist der Laschet, dem man dann eben doch die harte politische Auseinandersetzung - trotz aller Nettigkeiten - zutraut und abnimmt. Wie war das jetzt mit dem dritten Kanzlerkandidaten im Bunde? "Unter denjenigen, die sich für das Kanzleramt bewerben", sagt Olaf Scholz, "glaube ich, bin ich schon derjenige mit der meisten Erfahrung dafür, wie man ein so großes Land regiert, das in Europa eine so wichtige Rolle spielt."

Olaf Scholz als Kanzlerkandidat der SPD: Das ist bekannt seit August 2020. Breite Zustimmung gab es in der SPD, auch vom linken Flügel, die anderen Parteien waren wenig überrascht. Und dass er als spröde und dröge, aber auch als zuverlässig und erfahren gilt, das war überall zu lesen, zu sehen und zu hören. Seitdem wartet die SPD auf bessere Umfragewerte. "Wir mussten ja mal alle warten", sagt Scholz, "wann sind denn die Kanzlerkandidaten der Grünen, die Kanzlerkandidaten der CDU/CSU benannt, so dass wir drei dann nun miteinander um die besten Argumente und die Frage streiten können, wie soll unser Land sich entwickeln?". Acht Monate hatte Scholz Zeit, die SPD aus dem Umfragetief von rund 15 Prozent zu holen. Aber: Es rührt sich kaum etwas. Ob wegen oder trotz Olaf Scholz, ist ungewiss. Er selbst aber glaubt an ein Wahlergebnis von weit über 20 Prozent. 

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.5.2021, 6 bis 9 Uhr

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