Cyril Ramaphosa, Präsident von Südafrika (r) und Xi Jinping, Präsident von China (M)
Cyril Ramaphosa, Präsident von Südafrika (r) und Xi Jinping, Präsident von China (M) in Peking Bild © picture-alliance/dpa

Der China-Afrika-Gipfel in Beijing findet dieser Tage statt. Chinas Engagement in Afrika ist sowohl militärisch als auch wirtschaftlich wichtig. Doch die Chancen bergen auch Gefahren. Wird Afrika zur Kolonie Chinas?

Wie so oft vor politischen Großveranstaltungen in China schwingt auch dieses Mal viel Pathos mit. Die vielen Werbevideos für den China-Afrika-Gipfel heißen: Gemeinsame Träume, ewige Freundschaft, die Früchte der Kooperation oder gleich: Eine neue Ära der China-Afrika-Beziehungen. Das chinesische Staatsfernsehen CGTN trommelt – und feiert dabei ausgiebig die Vorfreude der afrikanischen Gäste auf den Gipfel in Peking. Unter anderem mit Kenias Präsident Uhuru Kenyatta.

Man lege weiter den Fokus darauf die Infrastrukturen zu entwickeln, so Uhuru Kenyatta. "Wir freuen uns über attraktive Investitionen der Chinesen in Kenia", sagt Kenyatta. Aber er sei auch daran interessiert das Handelsdefizit mit China zu reduzieren und für Produkte aus Kenia mehr Möglichkeiten zu schaffen. Vor allem mehr Zugänge zum chinesischen Markt, sagt Kenias Präsident.

Wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten?

Kenia ist für China ein Einfallstor nach Ostafrika. Die kenianische Wirtschaft wächst seit Jahren beständig, auch durch milliardenschwere Infrastrukturprojekte, die vor allem von chinesischen Unternehmen realisiert werden. Straßen, Stromleitungen oder die neue Eisenbahnlinie von der Hafenstadt Mombasa in die Hauptstadt Nairobi. Am Indischen Ozean bauen chinesische Unternehmen einen neuen Container-Hafen. Kenia gehört in Afrika zu den Hauptprofiteuren von Chinas Megaprojekt Neue Seidenstraße. Es sind diese Projekte, die jetzt vorm Gipfel in den chinesischen Staatsmedien besungen werden. Sogar vom chinesisch-afrikanischen Familientreffen ist die Rede.

Aber Chinas Investitionen haben auch eine Kehrseite. Die Volksrepublik ist mit Abstand Kenias größter Gläubiger. Etwa zwei Drittel seiner Auslandsschulden hat das afrikanische Land bei China. Kritiker der chinesischen Investitions- und Kreditpolitik warnen vor einer Schuldenfalle, die nicht nur Kenia, sondern auch andere afrikanische Länder treffen könnte. China schaffe wirtschaftliche und auch politische Abhängigkeiten.

Diplomatischer Höhepunkt des Jahres

Das sei eine neue Form des Kolonialismus, so der Vorwurf. Afrika-Experte Wang Hongyi bestreitet das. Er forscht beim regierungsnahen China-Institut für Sozialwissenschaften in Peking. Er definiert Kolonialismus wie folgt: Dass er aufgezwungen sein muss und dass es in dem Land eine große Anzahl von Menschen aus dem Land gibt, von dem das jeweilige Land abhängig ist. "Diese beiden Bedingungen für Kolonialismus erfüllt China nicht", so Hongyi. Das chinesische Engagement in Afrika sei nicht an politische Bedingungen geknüpft, so der Forscher. "Und wir zwingen auch keinen, weder politisch noch militärisch, sich gemeinsam mit uns zu entwickeln. Es gibt zwar viele Chinesen in Afrika, aber die leben dort nicht für eine längere Zeit. Sie machen ihre Arbeit und gehen wieder zurück", sagt Hongyi. Mit Kolonialismus habe das nichts zu tun.

Kritische Zwischentöne sind beim China-Afrika-Gipfel eher nicht zu erwarten. Seit Tagen fliegen afrikanische Staatschefs in Peking ein. Etwa 50 von ihnen sollen teilnehmen, dazu der Generalsekretär der Vereinten Nationen und knapp 30 afrikanische und internationale Organisationen. Für Peking ist der Gipfel ein diplomatischer Höhepunkt des Jahres, sagt Cheng Cheng von der Renmin Universität in Peking. Er ist dort Chefökonom einer Denkfabrik, die sich mit Afrika befasst.

Afrikas Chance im Handelskonflikt

China sei zwar schon seit vielen Jahren Afrikas größter Handelspartner, aber die Dynamik nehme noch weiter zu. Nach 2016 habe der Handel zwischen China und Afrika nochmal deutlich zugenommen, so Cheng Cheng. Besonders in den ersten sechs Monaten dieses Jahres belaufe sich das Handelsvolumen zwischen China und Afrika auf über 100 Milliarden US-Dollar. "Der gegenseitige Handel wird dieses Jahr voraussichtlich um etwa 20 Prozent steigen, verglichen mit 2017", sagt der Ökonom. Auch im Handel seien die chinesisch-afrikanischen Beziehungen nochmal dynamischer geworden.

Unter Präsident Xi Jinping haben sich die Beziehungen zu Afrika insgesamt intensiviert. Auch für diesen Gipfel wird erwartet, dass der chinesische Staats- und Parteichef neue Kredite und Finanzzusagen an afrikanische Länder in Milliardenhöhe verkündet. Und: Vor dem Hintergrund des Handelskonfliktes zwischen China und den USA kann Afrika eine besondere Rolle spielen, sagt Wirtschaftswissenschaftler Cheng Cheng. In den vergangenen sechs Monaten habe man Fälle beobachtet, in denen afrikanische Länder China mit Sojabohnen versorgt haben oder angefangen haben, sie anzubauen. Das erfordere zwar viel Kapital und Technologie, aber Afrika solle versuchen, diese Möglichkeit zu nutzen, sagt der Ökonom. "Auch wenn es derzeit die USA als Lieferant von Sojabohnen noch nicht ersetzen kann. Aber auch in anderen Bereichen wie Mais, Getreide oder frische Früchte hat Afrika viel Potenzial", sagt Cheng Cheng.

Chancen und Gefahren

Ein Fokus des Gipfels liegt deshalb auf mehr Kooperation in der Landwirtschaft. Auch um China unabhängiger von den USA zu machen. Aber es geht nicht nur um Getreide, Obst und Gemüse, sondern auch um Militär- und Sicherheitspolitik. Afrika gilt für Präsident Xi Jinping als zentrale Region, um seine globale Agenda voranzutreiben. 2017 hat China Soldaten im ostafrikanischen Kleinstaat Dschibuti stationiert, es war die erste chinesische Militärbasis im Ausland. Auch ein Zeichen für den neuen, globalen Führungsanspruch der Volksrepublik. China hat außerdem mehr Soldaten in multilateralen Friedensmissionen in Afrika stationiert als jedes andere Land im UN-Sicherheitsrat.

Und mit Blick auf das Projekt Neue Seidenstraße wird die chinesische Investitionspolitik in Afrika noch weiter gehen. Neun afrikanische Länder haben ein chinesisches Memorandum dazu bereits unterschrieben, rund 20 Länder sollen noch folgen. Afrika bleibt eine Kernregion für den Versuch einer Globalisierung chinesischer Prägung. Für Afrika kann das Chancen eröffnen, birgt aber auch viele Gefahren.

Sendung: hr-iNFO, 3.9.2018, 9.10 Uhr

Jetzt im Programm