Thomas Hitzlsperger

Vor fünf Jahren bekannte sich Thomas Hitzlsperger nach seinem Karriereende als Profifußballer zu seiner Homosexualität. Keiner seiner Ex-Kollegen ist seinem Beispiel bisher gefolgt. Im Interview mit der ARD-Radio-Recherche Sport kritisiert der Ex-Nationalspieler Bedenkenträger, die aktiven Fußballprofis von einem Coming Out abraten.

Fünf Jahre nach seinem Coming Out ermutigt Thomas Hitzlsperger homosexuelle Fußballprofis, seinem Beispiel zu folgen. Der ehemalige Nationalspieler sieht durchaus Fortschritte im Kampf gegen Homophobie, doch das Problem seien oft Berater, die von einem Coming Out abraten. "Die Erfahrung habe ich auch gemacht", sagt er. "Die meisten dachten, das geht nicht gut. Man muss da auf seine eigene Stimme hören. Ich habe gemerkt, dass viele Bedenkenträger Unrecht hatten, dass Ängste, die in die Zukunft projiziert werden, gar nicht so eintreffen."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Präsident Peter Fischer zu Coming Out von Profi-Fußballern

Peter Fischer bei der Jahreshauptversammlung der Eintracht
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Hitzlsperger widerspricht damit auch Eintracht-Präsident Peter Fischer, der zwar selbst als sehr liberal und aufgeschlossen gilt, im ARD-Interview aber sagte, die Zeit sei noch nicht reif für ein Coming Out eines aktiven Spielers. "Dafür muss man sich einfach schämen und dafür schäme ich mich für die Gesellschaft", so Fischer. Wenn ein junger Spieler "mitten in seiner Karriere" zu ihm käme und früge, ob er ihm zum Coming Out raten würde, "müsste ich im Prinzip auch nein sagen", so Fischer.

Hitzlsperger wünscht sich "positiveren Ansatz"

Das sei genau das falsche Signal, findet Hitzlsperger: "Alle Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollten ermutigende Worte sprechen. Ich würde mir da einen positiveren Ansatz wünschen. Da muss man vielleicht auch noch ein wenig Aufklärungsarbeit leisten". Fußball-Deutschland sei schon viel weiter. Das Thema sexuelle Vielfalt sei heute nicht mehr so stark tabuisiert wie noch vor fünf Jahren. "Es gibt, glaube ich, jetzt eine ganz andere Gesprächsebene", so der Ex-Nationalspieler.

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zum Video Hitzlsperger: "Die Fankurven sind nicht das Problem"

Thomas Hitzlsperger
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Explizit erwähnt Hitzlsperger dabei auch das Bemühen des Deutschen Fußball-Bundes im Kampf gegen Diskriminierung. Der ARD-Fußball-Experte ist auch Botschafter für Vielfalt beim DFB. Der heutige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim VfB Stuttgart widerspricht auch der weit verbreiteten Ansicht, die Fans in den Stadien könnten negativ auf homosexuelle Spieler reagieren: "Ich glaube, dass die Fankurven definitiv nicht das Problem sind".

Die Fußball-Fans seien viel aufgeklärter und aufgeschlossener. Eine Befragung aller schwul-lesbischen Fanclubs in der Bundesliga bestätigt den Tenor, dass homophobe Sprüche auf der Tribüne abgenommen haben. Zumindest homosexuelle Fanclubs fühlen sich in den Stadien inzwischen akzeptiert.

Sendung: hr-iNFO, 08.1.19, 06:10 Uhr

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