Die Zahl der Corona-Erkrankungen wird in den kälteren Jahreszeiten zunehmen, warnen Experten. hr-iNFO erklärt, warum.

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Zum Artikel Schnupfen oder Covid19? Corona-Herbst in Hessen

Symbolbild: Ein Coronavirus umgeben von anderen Krankheitserregern.
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Immer wieder haben wir im Sommer gehört: Im Herbst und Winter könnte es mit den niedrigeren Corona-Infektionszahlen vorbei sein. Die Befürchtung: Wenn die typische Erkältungssaison kommt, könnte auch in Deutschland die Corona-Pandemie wieder aufflammen.  

"Das ist einfach die Natur der Sache"

Auch für den Bonner Virologie-Professor Hendrik Streeck steht fest: Herbst und Winter werden die kritische Phase der Pandemie. "Ich rechne damit, dass wir hohe Infektionszahlen bekommen werden. Das ist einfach die Natur der Sache, dass wir enger beieinander sind, in den Innenräumen sind und dass sich das Virus da besser übertragen kann", sagte der Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn im ZDF.

Über den Sommer waren die Infektionszahlen in Deutschland deutlich niedriger als im Frühjahr und: Es gab wesentlich weniger schwere Verläufe von Covid-19-Erkranungen und kaum Tote. Aber das gilt nicht nur für Covid-19. "Virale Pneumonien, also schwere Virus-Lungenentzündungen, treten im Sommer fast nie auf", so Streeck.

Heizungsluft, Durchblutung, geschlossene Räume

Das deckt sich mit der Alltagserfahrung: Sobald es draußen nass und kalt wird, nehmen Husten und Schnupfen wieder zu und die Grippewelle kommt meist ab Januar hinzu. Das liegt daran, dass die Schleimhaut der oberen Atemwege bei trockener Luft, also bei Heizungsluft, anfälliger für eine Infektion ist.

Außerdem nimmt bei Kälte die Durchblutung ab: So gelangen weniger körpereigene Abwehrzellen in die Schleimhäute, die vor Erkältungs- und Grippeviren schützen könnten. Und wir befinden uns viel mehr in geschlossenen Räumen. Gute Bedingungen für Viren, die beim Husten, Niesen, Sprechen und Atmen von einer infizierten Person ausgestoßen werden.

Viel Lüften hilft

Speziell beim neuen Coronavirus sind hier die kleinsten Partikel, die Aerosole im Fokus. Denn sie können über längere Zeit in der Luft schweben bleiben und sich verteilen. "Sobald wir uns im Raum aufhalten, bewegt sich immer die Luft. Das sind kleine Geschwindigkeiten, aber die reichen aus, um die kleinsten Aerosole im ganzen Raum zu bewegen", sagte Martin Kriegel, der genau dazu forscht, dem NDR.

Kriegel leitet das Institut für Energietechnik an der Technischen Universität Berlin. Sein Rat: "Man muss viel Luft austauschen im Raum und die Dauer des Aufenthalts spielt eine Rolle. Wenn wir an Aerosole denken: Die atmen wir die ganze Zeit ein. Und je mehr wir einatmen, desto höher wird das Risiko sein."

Die drei Grundregeln weiter beachten

Auch, wenn mit einem Anstieg der Corona-Infektionen in den kommenden Monaten zu rechnen ist, haben wir doch Einfluss, betont Lothar Wieler. "Das Verhalten von uns Menschen wird den Fortgang der Pandemie ganz entscheidend bestimmen", sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts im NDR. Also: Maske tragen, Abstand halten und Hände waschen. Das alles bleibt zentral. Gerade für Herbst und Winter.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 21.09.2020, 6-9 Uhr

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