Foto aus einem Seniorenheim. Zu sehen ist sind betende Hände einer im Rollstuhl sitzenden Person. Am Rollstuhl hängt eine OP-Maske. Daneben steht eine Weihnachtsstern-Pflanze.

Trotz weitreichender Schutzmaßnahmen schafft es das Coronavirus immer wieder in Seniorenheime und sorgt für viele Tote. So etwa auch im Haus Geist im Odenwald. Wie es dazu kommen konnte und weshalb es noch immer schwierig ist, für hundertprozentige Sicherheit zu sorgen, erzählt Heimleiter Reinhard Geist.

Reinhard Geist ist erleichtert. Seit gut anderthalb Wochen ist das Seniorenheim Haus Geist in Lützelbach im Odenwald wieder Corona-frei. Langsam kehr wieder ein bisschen Normalität ein mit gemeinsamen Mahlzeiten und Vorlesestunden. Bis Dezember gab es im Haus Geist keinen einzigen Coronafall, dann plötzlich aber gelangt das Virus in die Einrichtung.

50 von 54 Bewohnern erkrankten

"Wir hatten eine Bewohnerin, die zu einer Chemotherapie in einer Praxis war", erzählt Leiter Reinhard Geist. Man habe bis dahin immer anderen, fachlich kompetenten Einrichtungen vertraut. Doch dann wurde klar, dass die Bewohnerin bei diesem Besuch Kontakt mit einer "positiven Kraft" gehabt habe und der Ausbruch sei losgegangen: "Der nächste war ihr Tischnachbar, der das hatte, und so fing das Ganze an bei uns", erzählt Geist.

50 von 54 Bewohnern erkrankten innerhalb kürzester Zeit, 16 von ihnen starben. In anderen Seniorenheimen im Odenwaldkreis sieht es nicht besser aus. Bisher sind dort 145 Menschen an und mit dem Coronavirus gestorben. Wieso es ausgerechnet den kleinen, ländlichen Odenwaldkreis so hart trifft, weiß niemand. Aber laut Reinhard Geist sei es unfassbar schwer, das Virus aus den Pflegeheimen rauszuhalten.

Ansteckend trotz negativem Test

"Generell liegt die Schwierigkeit darin, dass das Virus vom Körper getragen wird, aber noch nicht nachweisbar ist, man aber dadurch schon ansteckend sein kann", so Geist. Auch wenn man also ein negatives Testergebnis habe, bestehe die Gefahr, dass die Person das Virus übertragen könne. Deshalb würden neue Bewohner inzwischen zehn Tage isoliert. Bei den Mitarbeitern ist das aber schwieriger: "Die könnte ich täglich testen und immer noch nichts ausschließen können. Auch wenn er einen negativen Abstrich hat, könnte er ansteckend sein."

Küchenleiterin Heike Hutterer haben die letzten Wochen besonders hart getroffen. Die meisten ihrer Kollegen seien in Quarantäne geschickt worden. Dafür sprangen glücklicherweise ehrenamtliche Helfer ein – unterstützten im Haus Geist beim Kochen, Waschen oder sogar bei der Pflege. Trotzdem ist sie erschöpft: "Für mich war es schon sehr schwer mitzuerleben, dass mir ein Mitarbeiter nach dem anderen aus der Küche rausgezogen wurde. Ich habe rund um die Uhr gearbeitet, weil ich auch nicht mehr schlafen konnte vor lauter Stress."

Hoffen auf die Impfung

Von jetzt an machen die Mitarbeiter im Haus Geist zwei Mal pro Woche einen Schnelltest. Doch Richard Geist ist nicht besonders überzeugt, denn die Tests brächten keine hundertprozentige Sicherheit und seien außerdem schwer zu organisieren. 140 Tests müssen pro Woche gemacht werden, alle zu unterschiedlichen Zeiten, weil die Mitarbeiter nicht alle zur gleichen Zeit anfangen zu arbeiten. "Das ist ein richtiges Logistikproblem. Wir müssten theoretisch von morgens um 6:20 bis abends um 20 Uhr jemanden da haben."

Da bis auf vier Bewohner im Haus Geist alle schon Corona hatten, gibt es dort eine gewisse Sicherheit. Reinhard Geist hofft, dass die Impfung weiter dazu beiträgt, dass es solche Ausbrüche wie in den vergangenen Wochen nicht mehr gibt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.1.2021, 6 bis 9 Uhr

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