Home-Office

Corona hat unser Leben in vielen Bereichen verändert. Neben all den Herausforderungen rücken aber auch Probleme in den Fokus, für die es vorher kaum Aufmerksamkeit gab. Hat die Krise also auch ihr Gutes?

Arbeiten am Küchentisch, Videokonferenzen aus dem Schlafzimmer und Vorstellungsgespräche in der Joggingshose: Für manche sieht so der Corona-Alltag aus - ein neuer Alltag. Arbeiten von zu Hause aus, das geht besser als mancher vor der Pandemie dachte  – auch in der Politik.

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Zum Artikel Bleibt alles anders? Unsere Zukunft nach Corona

Symbolbild: Ein Coronavirus umgeben von anderen Krankheitserregern.
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So hat sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD vorgenommen, das Arbeiten von zu Hause gesetzlich zu verankern. Er will ein Recht auf Homeoffice: "Es geht darum, dass mobiles Arbeiten für viele Menschen die Möglichkeit ist, Familie und Beruf besser zu vereinbaren, weniger Stau und weniger Stress zu haben."

 Fragen, über die jetzt diskutiert wird

Weniger Stress – danach sehnt sich mancher in diesen Zeiten. Trotz Homeoffice. Die Pandemie fordert Menschen privat wie beruflich seit Monaten. Vor allem Familien, die sich nun anders organisieren und an die Pandemie anpassen müssen. Sie gehen an ihre Grenzen, auch die Kinder. Die Politik habe sie nicht ausreichend in den Fokus genommen, sagte die Soziologin Jutta Allmendinger im Mai, als Kitas und Schulen geschlossen hatten: "Für Deutschland ist nichts wichtiger als die Kinder, die wir haben. Und für die Eltern auch nicht. Und ich verstehe nicht, warum man so wenig Wert auf das prezioseste Gut legt oder die preziosesten Menschen, die wir haben in der Zukunft."

Die Corona-Pandemie hat Fragen aufgeworfen, über die jetzt immerhin diskutiert wird: Wie läuft es in unseren Schulen? Wie weit sind wir mit der Digitalisierung? Und welche Wertschätzung bekommen eigentlich diejenigen, die trotz der Pandemie jeden Tag raus müssen, um ihren Job zu machen? Nur manche Themen aber schaffen es in dieser Krise auf die große politische Bühne – und manchmal wohl nur, weil das Virus Missstände schonungslos offenlegt, die schon lange bestehen.

"Kostbare Erfahrungen"

In der Fleischindustrie etwa, wo sich hunderte mit dem Virus angesteckt haben – Leiharbeiter vor allem aus Osteuropa, die unter fragwürdigen Bedinungen schuften. Arbeitsschutz? Fehlanzeige. "Ich nenne ein solches System die organisierte Verantwortungslosigkeit", sagt Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen (CDU). Noch ist der Gesetzentwurf gegen Leiharbeit und Werkverträge in Fleischbetrieben genausowenig beschlossen wie das Recht auf Homeoffice.

Dennoch: Jeder Einzelne könne durchaus Positives aus der Krise ziehen, sagt der Zukunftsforscher Matthias Horx im Interview mit hr-iNFO. Viele Menschen hätten interessante Dinge über sich erfahren in diesem "erzwungenen Stillstand: Sie haben gemerkt, dass sie manche Dinge, die sie furchtbar zu brauchen glaubten, gar nicht so brauchen. Sie haben gemerkt, dass die Hektik sie vielleicht auch vom Leben abhält. Das sind doch alles kostbare Erfahrungen." Und so erscheinen im viel beschworenen Brennglas der Corona-Krise durchaus auch positive Aspekte – die allerdings eher individuell sein mögen als allgemeingültig.

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Sendung: hr-iNFO "Das Thema", 16.10.2020, 6 bis 9 Uhr

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